Nach Tod von Leiharbeitern: Zollitsch beklagt „unhaltbare Zustände“

Hannover/Berlin - Werden Menschen über Werkverträge ausgebeutet? Die Debatte darüber ist in vollem Gange, seit vor zwei Wochen zwei rumänische Leiharbeiter in Papenburg starben. Nun hat sich neben Gewerkschaften auch die Kirche eingeschaltet - und spart nicht mit Kritik.

Auch zwei Wochen nach dem Tod zweier rumänischer Leiharbeiter ebbt die Diskussion um den Umgang der deutschen Wirtschaft mit ausländischen Arbeitern nicht ab. „Im Souterrain des deutschen Arbeitsmarktes haben sich unhaltbare Zustände ausgebreitet“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Er kritisierte, das System der Werkverträge, bei dem Wanderarbeiter für Billiglöhne angeheuert würden, sei „vielfach pervertiert worden“.

Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) gab unterdessen an, dass die große Mehrheit der Arbeiter an Schlachthöfen über Werkverträge angestellt sei. „Ich schätze, dass 80 Prozent der Arbeiter in den niedersächsischen Schlachthöfen über Werkverträge eingestellt sind, indirekt haben die großen Fleischkonzerne das auch schon bestätigt“, sagte Meyer der „Welt“ (Samstag). Seiner Einschätzung nach sehe das in anderen Bundesländern ähnlich aus.

Nach Ansicht des Vorsitzenden der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Franz-Josef Möllenberg, stehlen sich Firmen der Fleischindustrie mit Werkverträgen aus der Verantwortung. Sie handelten „teilweise mafiös“, sagte Möllenberg dem „Focus“. „Die Arbeiter etwa aus Rumänien sind schutz- und rechtlos ihren Chefs ausgeliefert.“

Anlass für die Debatte ist der Tod von zwei rumänischen Leiharbeitern der Papenburger Meyer Werft Mitte Juli. Er hatte für bundesweite Schlagzeilen gesorgt. Die beiden bei einem Subunternehmer der Werft beschäftigten Männer starben bei einem Brand in ihrer Unterkunft an Rauchvergiftungen. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt inzwischen wegen des Anfangsverdachts des Menschenhandels. Hinweise auf eine Beteiligung der Werft gibt es bislang nicht.

Als Reaktion auf den Tod der Männer hatte die Werft eine Sozialcharta erstellt. Sie soll Mindeststandards für die Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern sichern. Geschäftsführer Bernard Meyer hatte erklärt, die Charta solle helfen, „schwarze Schafe“ bei den Werkvertragsunternehmen auszuschließen.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach forderte derweil besseren Schutz für Zuwanderer. „Viele Migranten werden in menschenunwürdige Beschäftigung abgedrängt“, sagte sie der „Berliner Zeitung“ (Samstag). Ausgebeutet würden vor allem Zuwanderer, die über Werkverträge, grenzüberschreitende Leiharbeit oder als Scheinselbstständige ins Land geholt werden. „Was wir hier erleben, ist gut organisierte Lohndrückerei.“ Die Stundenlöhne betrügen oft drei oder vier Euro. Viele seien nicht krankenversichert. dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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