Erwärmte Chemikalien haben Explosion auf der „Flaminia“ ausgelöst

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Ein Blick von der Brücke auf die bei einem Brand zerstörten Container der im JadeWeserPort in Wilhelmshaven liegenden "Flaminia". 

Wilhelmshaven / Hamburg - Feuer, eine schwere Explosion, tote und verletzte Seeleute: Anderthalb Jahre nach der dramatischen Havarie des Containerfrachters „Flaminia“ liegt der Unfallbericht vor.

Eine Explosion nach einer chemischen Reaktion und einem Brand gilt als wahrscheinlichste Ursache für das schwere Unglück auf dem Containerfrachter „Flaminia“ im Juli 2012. Das geht aus dem Untersuchungsbericht hervor, den die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) am Freitag in Hamburg veröffentlicht hat. Danach könnten sich an Bord des Frachters drei Container mit der instabilen Chemikalie Divinylbenzol erwärmt und zu einem Feuer mit anschließender Explosion geführt haben. Als Folge des Unfalls waren zwei Seeleute gestorben, ein Seemann wird immer noch vermisst. Das brennende Schiff trieb wochenlang auf dem Atlantik, bis es Wilhelmshaven anlaufen durfte.

Zahlreiche Experten hatten sich auf eine akribische Spurensuche begeben, um alle Einzelheiten der Havarie nachzuzeichnen. Auf dem Unglücksschiff, das monatelang zur Bergung der Ladung in Wilhelmshaven lag, erwartete sie ein Chaos. Beschädigte, zerstörte und völlig mit dem Schiff verschmolzene Container erschwerten die Aufklärung. So lässt auch der 180 Seiten starke Abschlussbericht des BSU noch Fragen nach dem genauen Ablauf offen. Eine Erwärmung von Containern mit gefährlichen Stoffen scheint zumindest jetzt als wahrscheinlichste Unfallursache.

Chemische Prozesse nach übermäßiger Erwärmung und eine Kettenreaktion der Stoffe führten demnach zu der katastrophalen Explosion, die das Mittelteil des Schiffes am 14. Juli 2012 mitten auf dem Atlantik verwüstet hatte. Dort hatte zuvor ein Löschtrupp vergeblich versucht, den Brandherd zu bekämpfen. „Die Seeleute liefen direkt zum Explosionsherd, da hätten vermutlich auch keine Schutzanzüge geholfen“, sagte BSU-Direktor Volker Schellhammer.

Direkte Sicherheitslücken beim Umgang mit der gefährlichen Schiffsfracht haben die Experten zwar nicht ausgemacht. So habe die Stauung der drei Container mit Divinylbenzol den internationalen Seetransportvorschriften entsprochen. Doch die empfohlenen Standard-Notfallmaßnahmen zur Brandbekämpfung hätten nicht ausgereicht. Letztlich hätten bei einem derartigen Schadensausmaß auch externe Kräfte oder der Einsatz von leistungsfähigen Wasserwerfern die brennende Containerladung nicht löschen können.

Die Hamburger Untersuchungsstelle sehen neben Sicherheitslücken bei Chemikalientransporten aber auch Defizite bei der EU. Ausgerechnet bei derartigen Havarien fehle es an einem Standardverfahren für einen Nothafen, in den ein havariertes Schiff einlaufen dürfe. dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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