Missbrauchsvorwürfe gegen Maristen

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Zwei Ordensleute sollen sich in den 50er, 60er und gegen Ende der 70er Jahre an Jugendlichen vergangen haben

Meppen - Zwei Ordensleute des Maristen-Ordens sollen in den 50er, 60er und gegen Ende der 70er Jahre im Emsland Jugendliche sexuell missbraucht haben.

Die beiden Männer seien bereits 1987 und 2008 gestorben, sagte am Mittwoch der vom dem katholischen Orden beauftragte Anwalt Klaus Hamacher in Meppen. Einer der Männer sei ein Pater gewesen, der im damaligen Jungeninternat des Ordens Lehrer war. 1980 wurde er vorübergehend aus dem Schuldienst genommen, habe aber ab 1984 auf Empfehlung eines Psychologen wieder in Bayern als Religionslehrer gearbeitet. Aus dieser Zeit gebe es aber keine Hinweise auf strafbare Handlungen des Priesters, sagte Hamacher. Seit dem 10. März hätten sich bei ihm sieben Betroffene gemeldet.

Bereits in den 70er Jahren habe es Hinweise auf ein homosexuelles Verhalten des Paters gegeben. Ein Psychologe habe sich aber für die Einstellung des Mannes als Lehrer ausgesprochen. An Weihnachten 1979 habe es erneut einen Missbrauchsverdacht gegeben. Der Pater habe die Übergriffe eingeräumt.

Er sei von einem Fachpsychologen behandelt und nach Bayern versetzt worden. Nach einem weiteren Studium habe der Psychologe 1984 wieder zum Einsatz des Priesters in einer Schule geraten. Das sei „das Beste“ für den Betroffenen. Dem Rat sei der Orden gefolgt. „Es gab damals einen großen Glauben an die Therapiefähigkeit“, sagte Hamacher.

Der 1987 gestorbene Ordensmann sei kein Priester gewesen, sondern habe für die Maristen im Emsland und den Nachbarregionen an den Haustüren Zeitschriften verkauft und Geld für den Orden gesammelt, sagte Hamacher. Auf seinen Rundfahrten habe er sich von minderjährigen Jungen den Weg zeigen lassen. Dabei sei es zu sexuellen Übergriffen gekommen. 1971 sei er aus dem Emsland nach Bayern versetzt worden. Im Gegensatz zum Pater würden diesem Ordensmann aber lediglich minderschwere Sexualdelikte vorgeworfen, betonte der Anwalt. Details wolle er mit Rücksicht auf die Betroffenen nicht nennen.

Auffallend sei, dass in den ihm vorliegenden Fällen die Eltern nicht direkt den Orden oder die Schule informiert hätten. Auch die Betroffenen, die damals 12 bis 15 Jahre alt gewesen seien, hätten meist von ihren Eltern keine Hilfe erfahren. „Einer hat erzählt: “Ich habe das zu Hause den Eltern erzählt und Ohrfeigen bekommen““, berichtete Hamacher. Die Öffentlichkeit sei damals auch deshalb nicht über die Vorwürfe informiert worden, weil der Ruf des Ordens nicht beschädigt werden sollte. Den Opfern gehe es nicht um Entschädigungen, betonte Hamacher. „Die Betroffenen wollen bisher darüber sprechen, es loswerden und dafür sorgen, dass die Vorfälle aktenkundig sind.“

Ehemalige Internatsschüler hätten ihm auch von zwei Ordensleuten erzählt, die in den 50er Jahren und später die Schüler extrem körperlich misshandelt hätten, sagte Hamacher. „Es ist nicht verkehrt, es Prügelattacken zu nennen.“ Beide Männer hätten den Orden Ende der 60er Jahre verlassen.

Er bedauere die Vorfälle, sagte der Regionalobere der Maristen in Deutschland, Pater Alois Greiler. „Die Maristen wirken über 100 Jahre in Meppen und im Emsland. Im Moment sind wir sehr ernüchtert.“ Aus heutiger Sicht hätte der Orden energischer auf die Vorwürfe reagieren müssen. Die Vorfälle sollten nun gründlich und transparent aufgearbeitet werden. Die Betroffenen müssten zu Wort kommen. „Für sie ist das alles nicht 30 Jahre her, sondern ein bleibendes Jetzt.“ Daher sei es wichtig, dass ihre Schilderungen nun zu den Akten genommen worden seien. Die heute in Deutschland 40 Brüder zählende Ordensgemeinschaft betreibt schon seit Jahren kein Internat mehr.

dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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