Erweiterung für Sommer 2015 geplant / Vier Millionen Euro Investition

Geschrumpftes Ostfriesland: Miniaturlandschaft zieht Touristen an

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Vier Millionen Euro sollen in die Erweiterung fließen.

Leer - Von Peter Ringel. Fahles Blaulicht huscht über den Deich. Die Kühe hinterm Zaun glotzen auf den umgekippten Tanklaster, Öl schwappt über den Asphalt. Doch es ist alles halb so schlimm - die Feuerwehr sprüht schon Watteschaum auf die zähe Masse, die im Maßstab 1:87 auf der Straße klebt. Die kleine Welt im Miniaturland Leer bleibt also heil. Gut so.

Halb Ostfriesland haben die Modellbauer auf etwa 600 überdachte Quadratmeter gestaucht. Im Sommer 2015 soll eine doppelt so große Halle öffnen, um nach und nach beispielsweise auch das Emsland sowie das Oldenburger Land detailgetreu nachzubilden. Damit wäre die Anlage laut Initiator Wolfgang Teske die größte Miniaturwelt Deutschlands. Im Miniatur Wunderland in Hamburg fahren etwa 1000 Züge auf rund 1300 Quadratmetern Fläche - bis 2020 sollen es allerdings laut Internetseite der Betreiber mehr als 2300 Quadratmeter werden.

Rund 2,3 Millionen Euro hat der Software-Unternehmer bereits in die Anlage in Leer gesteckt, weitere vier Millionen Euro will der 63-Jährige in die Erweiterung investieren. Vom Land Niedersachsen kommt zudem ein Zuschuss von 730.000 Euro als Wirtschafts- und Tourismusförderung.

Fast alles, was für Ostfriesland typisch ist, lässt sich im Miniformat wiederfinden: ein Fest unterm Maibaum, Torfstiche und Backsteinbauten. Historische Windmühlen drehen sich neben modernen Turbinen. Gewächshäuser, Einkaufszentren und Jahrmärkte strahlen in die künstliche Nacht. Nach einem festen Rhythmus wird es dann wieder Tag in Klein-Ostfriesland. Ebbe und Flut fehlen zwar, dafür gleitet alle zweieinhalb Stunden ein Kreuzfahrer rückwärts über die Plastik-Ems gen Nordsee.

Hat sich der Unternehmer Teske mit der Kunstlandschaft einen Kindheitstraum verwirklicht? „Mit Modellbau hatte ich vorher nichts zu tun“, stellt er nüchtern klar. „Die Anlage ist eine Investition in ein touristisches Konzept. Das muss sich irgendwann rechnen.“ Die Chancen dafür stehen gut. Seit dem Start vor drei Jahren wurden laut Teske mehr als 220.000 Besucher gezählt.

„Kiek eben, kiek eben“ - eine Besucherin aus der Region ist ganz aus dem Häuschen, als sie eines der rund 5000 Gebäude erkennt. Andere grinsen über einen Gag, den Modellbauer Oliver Hatting im platten Plastikland versteckt hat: das Schaf mit Irokesenschnitt, das nackte Pärchen in den Dünen oder den Sensenmann vorm Außenklosett. Etwas künstlerische Freiheit ist bei allem Bemühen um Authentizität erlaubt. „Auch bei den Proportionen muss man ein bisschen tricksen“, bekennt Hatting. Und als Zugeständnis an die Modellbahnfreunde hat er einige Extra-Gleise verlegt, die in der ostfriesischen Realität fehlen.

Mehr als 70.000 Figuren tummeln sich in der Zwergwelt, auf sieben Kilometern Straßen und Schienen kurven mehrere hundert Züge, Busse und Lastwagen. „Fertig ist man hier nie“, sagt Hatting, holt einen Wagen mit einem Greifarm von der Böschung und tauscht den Akku. Auch bei der Bahn hakt es irgendwo. „Es fährt gerade verdächtig wenig“, sagt der Modellbauer und geht auf Fehlersuche.

Für den Aufbau der ostfriesischen Miniwelt waren etwa 200.000 Personenstunden nötig. Allein für ein typisches Bauernhaus wird ein Tag Bauzeit veranschlagt. Grundlage der Modellbauer sind Luftbilder und eine Besichtigung der echten Gebäude. Auch Pläne von Architekten dienten Hatting schon als Vorlage: „Hier drinnen waren wir dann schneller fertig als die da draußen.“

Quelle: kreiszeitung.de

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