Melanie-Prozess: Höchststrafe für Angeklagten

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Der Angeklagte Benjamin F. (r) verbirgt am Montag im Gerichtssaal des Landgerichts in Hildesheim vor dem Urteil sein Gesicht mit Unterlagen, links sein Pflichtverteidiger Rechtsanwalt Manfred Christian.

Hildesheim - Internetbekanntschaft mit tödlichem Ausgang: Ein 27-Jähriger muss wegen Mordes lebenslang ins Gefängnis. Er hatte die 23-jährige Melanie mit etlichen Messerstichen getötet, weil sie keinen Sex mit ihm haben wollte.

Für den Mord an seiner Internet-Bekanntschaft Melanie muss ein 27-Jähriger lebenslang ins Gefängnis. Das Landgericht Hildesheim stellte am Montag zudem die besondere Schwere der Schuld fest - eine vorzeitige Entlassung des Täters aus der Haft nach 15 Jahren ist damit ausgeschlossen. „So viel emotionale Kälte erlebt man selten“, sagte der Vorsitzende Richter Ulrich Pohl in seiner Urteilsbegründung.

Der Hartz-IV-Empfänger hatte gestanden, die 23 Jahre alte Floristin im vergangenen Oktober getötet zu haben. Mehr als 20 Stich- und Schnittverletzungen stellten die Gutachter an ihrer Leiche fest. Der 27-Jährige hatte sich in einer Internet-Plattform als „Sarah“ ausgegeben und die arglose Melanie in seine Wohnung gelockt, weil er Sex mit ihr haben wollte.

Nach Überzeugung der Richter wehrte sich die junge Frau heftig dagegen, der Angeklagte griff zu einem Steakmesser und verletzte sie beim Kampf im Wohnzimmer. Gegen den 1,92 Meter großen und 120 Kilogramm schweren Mann habe die zierliche Melanie keine Chance gehabt, betonte Pohl. Der Angeklagte zerrte das stark blutende Opfer ins Badezimmer und töte es dort. Später verging er sich an der Leiche.

„Das ganze Leben des Angeklagten ist auf Sex fixiert“, sagte Pohl. Er kreise nur um sich selbst und interessiere sich für niemand anderen. Der 27-Jährige habe mit sehr vielen verschiedenen Frauen Sex gehabt, die Beziehungen waren meist nur kurz. „Die Trennungen verliefen alles andere als harmonisch, der Angeklagte bedrohte seine Ex-Freundinnnen“, sagte der Vorsitzende Richter.

Der 27-Jährige habe zwar eine Persönlichkeitsstörung, bei der Tat sei er aber berechnend vorgegangen und deshalb voll schuldfähig. Seine Aussage wertete das Gericht als Teilgeständnis und bezeichnete den Angeklagten als notorischen und dreisten Lügner.

„Der Kammer ist es nicht gelungen, das Geschehen aufzuklären. Wir sind ziemlich weit weg von der Wahrheit, das ist sehr unbefriedigend“, betonte Pohl. Alles könnte noch viel schlimmer gewesen sein. Die Leiche transportierte der Angeklagte in einer Mülltonne aus dem Haus und brachte sie im Auto des Opfers in ein Waldstück im Landkreis Gifhorn.

Über Melanies Handy war die Polizei auf die Spur ihres Mörders gekommen. Darauf hatte sie eine SMS mit der Wegbeschreibung zum Treffpunkt entdeckt - der Wohnung des 27-Jährigen. Er führte die Beamten zu der Leiche.

Die Verteidigung hat noch im Gericht Revision angekündigt: Sie hatte zwölf Jahre Haft wegen Totschlags und die Unterbringung des Angeklagten in einer psychiatrischen Klinik gefordert.

dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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