Umstrittene Praxis

Niedersachsen fordert schnelleres Ende der Massentötung von Küken

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Symbolbild

Hannover - Jährlich werden in Deutschland Millionen männlicher Küken getötet. Vertreter der Politik und der Geflügelwirtschaft wollen das ändern - und streiten nun über den Weg zur Einführung eines alternativen Verfahrens.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer hat gefordert, das Töten männlicher Eintagsküken schneller zu beenden. Das Forschungsprogramm zur Geschlechterbestimmung im Ei sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung. „Aber mit Ankündigungen und reinen Forschungsaufträgen ist es bei diesem Thema nicht getan“, sagte der Grünen-Politiker am Montag. Die Landesregierung in Hannover verlangt bundesweit die Festlegung auf ein Enddatum. Der Dachverband Niedersächsische Geflügelwirtschaft kritisierte das als „grüne Scheinpolitik“.

Niedersachsen will innerhalb von drei bis fünf Jahren das Töten männlicher Eintagsküken aus Legehennenlinien beenden. „Diese verwerfliche Praxis kann nicht so weitergehen. Tiere sind keine Wegwerfware“, sagte Meyer. Nach dem Willen das Bundes soll über ein konkretes Verbot der Kükentötung erst nach dem Ende eines zweijährigen Forschungsauftrags entschieden werden.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) informierte sich am Montag an der Universität Leipzig über ein Forschungsprojekt, das es ermöglicht, 72 Stunden nach dem Legen das Geschlecht des Embryos im Ei zu bestimmen. Nur die weiblichen Tiere könnten dann ausgebrütet werden. Eine neue gesetzliche Regelung ist nach Angaben Schmidts nicht nötig. Sobald es ein Verfahren gebe, das das Töten überflüssig mache, greife das Tierschutzgesetz.

Die Niedersächsische Geflügelwirtschaft kritisierte die Debatte als „politischen Aktionismus“. Im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Dienstag) sagte Verbandspräsident Friedrich-Otto Ripke, die Branche wolle „genauso wie die Politik das Kükentöten beenden, und zwar so schnell wie möglich“.

Die aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen laut gewordenen Rufe nach einem bundesweiten Verbot bezeichnete Ripke als „grüne Scheinpolitik“ der Agrarminister. „Wir brauchen noch bis 2017. Dann könnte die Technologie zur Geschlechtsbestimmung im Ei marktreif sein“, sagte er. Ripke befürchtet allerdings Markverzerrungen, wenn kleinere Brütereien die Anschaffung nicht finanzieren könnten.
dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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