In Lüneburg senkt sich die Erde weiter

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Immer wieder treten im Asphalt Risse auf.

Lüneburg - Der über Jahrhunderte betriebene Salzabbau hinterlässt seine Spuren in Lüneburg: In der ganzen westlichen Altstadt tauchen wegen Erdsetzungen immer wieder Risse an Häusern auf.

Seit 2002 ist besonders die Straße Ochtmisser Kirchsteig von einer Senkung betroffen. Punktuell sei die Erde dort bis zu 35 Zentimeter im Jahr abgesackt, sagt Geologe Thorsten Trapp, der die Entwicklung seit fünf Jahren im Auftrag der Stadt begutachtet. Derzeit senke sich die Erde jährlich um 13 Zentimeter. „Wenn die Senkung weiterverläuft wie bisher, werden einigeHäuser unter Umständen nicht mehr zu gebrauchen sein.“ Außerdem dehne sich das Senkungsgebiet an seinen Rändern aus.

Im Ochtmisser Kirchsteig sank die Erde in den vergangenen sieben Jahren um 35 Zentimeter.

Am Ochtmisser Kirchsteig reißt nicht nur regelmäßig der Asphalt auf und Gehwegplatten verschieben sich. Mittelschwer bis schwer von den Erdverwerfungen betroffen sind ein gutes Dutzend Häuser, die Risse bekommen haben und aus dem Lot geraten sind. Bis zu 70 Zentimeter beträgt das Gefälle zischen Vorder- und Rückseite bei manchen Gebäuden. Damit sie nicht einstürzen, mussten die Bewohner ihr Eigentum für viel Geld mit Stahlankern und Stahlbeton sichern. Vier Anwohner hatten vor Gericht vergeblich versucht, Stadt, Abwassergesellschaft sowie Baufirmen für den Beginn der Senkung verantwortlich zu machen. Sie halten Erschütterungen beim Bau eines Kreisverkehrs im Jahr 2002 für den Auslöser.

Geologe Trapp, der Beschaffenheit und Bewegungen des Untergrundes über drei Tiefenbohrlöcher beobachtet, erklärt das Phänomen folgendermaßen: Oberflächenwasser wäscht Material aus einem porösen Gipshut über dem Salzstock aus, Sand und Erdreich rutschen nach. Bei starken Regenfällen nimmt die Senkung offenbar zu. „Wir hatten die Befürchtung, dass das gesamte Senkungsgebiet auf einmal zusammenbricht“, sagte Trapp. Dies habe sich aber nicht bestätigt. Statt eines vermuteten riesigen gebe es mehrere kleine Hohlräume im Gipshut. Die Senkung verlaufe konstant. Ob eine mehrere Millionen Euro teure Sanierung des Untergrundes die Senkung stoppen könne, sei nicht abzusehen.

Mit Stahlankern werden die Häuser gesichert.

„Unten bei 120 Metern im Salz findet keine Senkung mehr statt“, erklärt Trapp. Diese Feststellung bringt den gebeutelten Anwohnern aber nicht viel. Die Saline, die über Jahrhunderte Salzsole abpumpte, schloss 1980 und kann nicht mehr haftbar gemacht werden - auch wenn sie für das Rumoren im Lüneburger Untergrund mitverantwortlich ist. Eine Theorie, nach der die Soleförderung der Lüneburger Salztherme für die Senkung verantwortlich ist, konnte das niedersächsische Landesamt für Geologie nicht bestätigen.

„Das weiß ja kein Mensch, was da unten passiert“, sagt Anwohnerin Ursuala Eggeling. „Wir können ja keinen verantwortlich machen, aber die Kosten müssen wir alleine tragen.“ Der Wert der Häuser und Grundstücke tendiere gegen Null. Sie persönlich habe ihr Haus immer auch als Altersvorsorge gesehen, sagte Eggeling. „Wer kauft mir das jetzt ab?“

Und die Anwohner fürchten neues Ungemach: Sie protestieren heftig gegen den Neubau von Wohngebäuden an der nahen Frommestraße - genau über der Abbruchkante zum Salzstock. Kritiker glauben, dass Bauerschütterungen neue unberechenbare geologische Verwerfungen nach sich ziehen könnten. Die Stadt prüft den Antrag derzeit. „Wir werden nicht ausschließen können, dass es in der westlichen Altstadt weitere Senkungen gibt“, sagt Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD). Einen Fonds für Geschädigte habe der Rat aber abgelehnt. Die Stadt finanziert den Geologen, einen Statiker zur Beratung Betroffener und beteiligt sich an einem weiträumigen Beweissicherungsverfahren für das Bauprojekt an der Frommestraße.

Quelle: kreiszeitung.de

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