Erkundungsbergwerk Gorleben wird weitgehend geschlossen

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Erkundungsbergwerk Gorleben (Archivbild)

Lüchow - Mehr als 35 Jahre lang wurde in Gorleben erforscht, ob in dem Salzstock hoch radioaktiver Atommüll sicher gelagert werden kann. Um den Neustart der Endlagersuche gegen Proteste zu schützen, wird das Bergwerk nun erstmal stillgelegt. Doch der Protest bleibt.

Das umstrittene Erkundungsbergwerk Gorleben im Wendland soll bis aus weiteres weitgehend geschlossen werden. Die Bundesregierung und das Land Niedersachsen verständigten sich nach eigenen Angaben am Dienstag darauf, die Arbeiten in dem Salzstock bis zu einer endgültigen Entscheidung über den künftigen Standort eines deutschen Atommülllagers auf ein Minimum zu reduzieren. Demnach sollen sowohl der Erkundungsbereich I als auch ein Großteil der Infrastruktur außer Betrieb genommen werden. Zudem würden die hohen Stacheldrahtzäune um die Anlage auf einen „normalen industriellen Standard“ zurückgebaut und der Besucherbetrieb eingestellt. „Alles was verzichtbar ist, soll nicht mehr stattfinden“, sagte Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium in Lüchow.

Er war in Vertretung der zuständigen Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) gekommen. Mit der Einigung gebe der Bund ein klares Signal für den Neubeginn bei der Endlagersuche, ließ Hendricks umgehend mitteilen. Mit dem Rückbau könne vermutlich Anfang 2015 begonnen werden, sagte Flasbarth. Zunächst müssten im neuen Hauptbetriebsplan die notwendigen Eckpunkte definiert werden. Der bisherige Plan läuft Ende September aus. Wolfram König, Präsident des für den Standort zuständigen Bundesamtes für Strahlenschutz, sagte, er freue sich über den Kompromiss. Zumindest für die Übergangszeit des Rückbaus - laut König und Flasbarth rund zwei Jahre - gebe es für die rund 120 Mitarbeiter eine Planungssicherheit. Für wie viele es auch im anschließenden Offenhaltungsbetrieb Arbeit gebe, müsse sich zeigen. Fest steht, dass erheblich weniger Mitarbeiter gebraucht werden.

Mit der Vereinbarung werde auch technisch das Ende der jahrzehntelangen Vorfestlegung Gorlebens als Endlagerstandort eingeläutet, sagte Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne). Das Abkommen sei eine gute Grundlage und hoffentlich auch eine vertrauensbildende Maßnahme, „die zeigt, dass es uns ernst ist mit dem Neubeginn für einen Lagerort des gefährlichsten Stoffes, den die Menschheit je geschaffen hat“. Kritiker des Standort Gorlebens bezeichneten die Einigung als „Schritt in die richtige Richtung.“ Der Standort dürfe aus ihrer Sicht aber nicht weiter offen gehalten werden. „Wir werden das weiterhin kritisch beobachten und uns dafür einsetzen, dass es zu einer endgültigen Stilllegung des Salzstocks kommt“, sagte Renate Backhaus, Atombeauftragte des Bund Niedersachsen. Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Danneberg kritisierte, dass ihre Forderung nach einer vollständigen Verfüllung der Schachtanlage nicht umgesetzt werde.

Dadurch behalte Gorleben bei der Endlagersuche seinen Vorsprung gegenüber alternativen Standorten. Sie befürchten, dass die neu gestartete Endlagersuche nur vorgeschoben ist, um Gorleben auch juristisch unangreifbar durchzusetzen, und fordern daher die Streichung Gorlebens von der Liste möglicher Standorte. Kritik kam auch von den Befürwortern des Standortes Gorleben. „Mit der Einstellung der nun über viele Jahre betriebenen Messungen gehen zukünftig wertvolle Langzeitinformationen über das geologische Verhalten verloren“, sagte Ralf Güldner, Präsident des Deutschen Atomforums. Die Beendigung sei rein politisch motiviert.

Der Salzstock Gorleben wurde trotz massiver Proteste mehr als 35 Jahre lang erkundet, mehr als 1,6 Milliarden Euro wurden investiert. Seit der Verabschiedung des Endlagersuchgesetzes Ende Juli 2013 ruhen die Arbeiten unter Tage. Zugleich wurde im Gesetz die Offenhaltung des Bergwerks festgelegt solange und sofern es nicht endgültig aus dem Auswahlverfahren ausscheidet.
dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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