Lokalfernsehen erobert Niedersachsen vorerst nur zum Teil

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Das private Lokalfernsehen ist in Niedersachsen aus Sicht von Ministerpräsident McAllister (CDU) erfolgreich an den Start gegangen.

Von Michael Evers - Ein neues Fernsehprogramm mit Berichten direkt aus der eigenen Region - darüber können sich die Menschen vielerorts in Niedersachsen seit kurzem freuen. Als eines der letzten bundesweit gab das Land vor gut einem Jahr grünes Licht für werbefinanzierte Rundfunksender.

Vor einem Jahr gab Niedersachsen grünes Licht für das Lokalfernsehen. Die beteiligten Zeitungsverlage hoffen, verlorene Abonnenten mit multimedialen Angeboten wieder zu erreichen. Aber rechnen sich die neuen Sender angesichts der Programmflut auch wirtschaftlich?

Deren Start war lange Zeit zum Schutz der Zeitungen vor Konkurrenz auf dem Werbemarkt blockiert worden. Beteiligt an den neuen TV-Programmen sind nun vielfach Zeitungsverlage, die sich zu Medienhäusern wandeln.

„Die Hoffnung der Zeitungen ist, andere Vertriebswege für das zu finden, was sie machen“, meint der Geschäftsführer des Verbandes Nordwestdeutscher Zeitungsverlage, Stefan Borrmann. „Man hofft, Menschen zu erreichen, die nicht mehr zur Tageszeitung greifen.“ Wenn das Lokal-TV Interesse an Themen wecke, kaufe der eine oder andere am kommenden Tag auch die Zeitung, um Hintergründe zu erfahren, sei ein Kalkül. Ob die Rechnung für die Verlage - auch wirtschaftlich - aufgeht, ist noch unklar. Einschaltzahlen der neuen Sender gibt es in Niedersachsen noch nicht. Das Gewinnen von Werbekunden zumindest sei eine Herkulesaufgabe, sagt Borrmann.

Ministerpräsident David McAllister (CDU) zumindest zieht eine positive Zwischenbilanz. Die Sender öffneten den beteiligten Zeitungsverlagen neue Vertriebswege und böten ihnen die Möglichkeit, wieder Menschen zu erreichen, die keine Zeitung mehr lesen. Die Sender stärkten damit die regionale Identität, sagt McAllister. Zugleich beschränke das eigens angepasste Mediengesetz den Beteiligungsumfang der Verlage, so dass es nicht zu einer regionalen Markt- und Meinungsbeherrschung kommen könne.

Im angrenzenden Sachsen-Anhalt mangelt es dem 1997 gestarteten Lokalfernsehen nach einer Studie der Medienanstalt zwar nicht an Zuschauern, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind dennoch schwierig. „Die Enthusiasten im kommerziellen lokalen Fernsehen wollen nicht mit ihrer Profession reich werden“, sagt der Direktor der Medienanstalt, Martin Heine. „Sie leisten einen bemerkenswerten publizistischen Beitrag aber haben Schwierigkeiten, Werbekunden zu finden.“ Leichter hätten es noch die Sender, die wie in Halle einen Zeitungsverlag mit im Boot hätten. Das Interesse der Zeitungen sei auch, über einen Einstieg ins Lokalfernsehen bewegte Bilder für den eigenen Internetauftritt zu bekommen.

Von einem Konsolidierungsprozess bei den lokalen TV-Sendern spricht der Geschäftsführer der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien, Martin Deitenbeck. Von den 1992 ursprünglich mehr als 100 Sendern seien 58 kleinere und größere Programme geblieben. In Bayern indes können gut zwei Jahrzehnte nach dem Start viele der privaten Lokalsender ohne Subventionen nicht überleben. Die Staatsregierung verdoppelt ihre Unterstützung für die Sender daher bis 2016 schrittweise auf zehn Millionen Euro jährlich. Für Niedersachsen schließt McAllister eine solche Unterstützung aus, das Lokalfernsehen müsse sich am Markt behaupten, meint er.

Nicht für alle 21 Netze gab es in Niedersachsen Interessenten - weiße Flecken auf der Landkarte bleiben ländliche Regionen sowie Göttingen und Braunschweig. In der Landeshauptstadt soll Hannover TV nach Angaben der Landesmedienanstalt spätestens ab Ende 2012 ausgestrahlt werden.

Gelassen auf den neuen Wettbewerb reagieren die Fernsehmacher des Norddeutschen Rundfunks. „Wir sehen das ohne Besorgnis“, meint der Direktor des Landesfunkhauses Niedersachsen, Arno Beyer. Statt auf das Lokale hat der NDR den Fokus im vergangenen Jahr mit Erfolg auf das Überregionale gerichtet. Die im Juni erstmals ausgestrahlten Abendnachrichten für alle vier norddeutschen Länder haben die NDR- Erwartungen erfüllt und einen Marktanteil von mehr als sechs Prozent erreicht.

Quelle: kreiszeitung.de

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