Land verspricht „zügige Aufklärung“ von Leukämie-Fällen

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Die Regierung verspricht eine schnelle Überprüfung der Leukämie-Fälle im Zusammenhang mit dem Atommülllager

Hannover - Die niedersächsische Landesregierung will der massiven Häufung von Blutkrebsfällen rund um das marode Atommülllager Asse so rasch wie möglich auf den Grund gehen.

Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU) dringe auf eine „zügige, transparente Aufklärung“ mit Hilfe des betroffenen Landkreises Wolfenbüttel, sagte ihr Sprecher Thomas Spieker am Freitag in Hannover. Aus der Staatskanzlei hieß es, auch Ministerpräsident David McAllister (CDU) wolle dazu beitragen, die Ursachen für die überdurchschnittlich hohe Zahl an Leukämie-Erkrankungen „in bestmöglicher Weise“ zu ermitteln.

Nach Einschätzung der Nuklearmedizinerin Elke Bruns-Philipps aus dem Landesgesundheitsamt gibt es für den Blutkrebs-Anstieg in der Samtgemeinde Asse zwischen 2002 und 2009 bislang keine schlüssige Erklärung. „Wir wissen um die Häufigkeit, können aber noch keine weitergehenden Analysen zu einzelnen Patienten machen.“ Die Daten lägen in anonymisierter Form vor, Nachfragen bei Ärzten sollen nun die Untersuchung möglicher Zusammenhänge mit der Strahlenbelastung voranbringen. Aus dem Umweltministerium hieß es, die routinemäßigen Prüfungen in der Asse-Region hätten hierzu keine Hinweise ergeben.

Seit 1966 überwachen die Behörden in der Umgebung des lecken Salzbergwerks, in dem große Mengen Atommüll lagern, die Luft, das Grundwasser und den Boden auf Gammastrahlung und radioaktive Stoffe. „Seither ist kein Eintrag in der Umgebung aus der Asse festgestellt worden“, berichtete Ministeriumssprecherin Jutta Kremer-Heye.

In einem Vermerk des Sozial- und Gesundheitsministeriums ist von 18 neuen Leukämie-Fällen in der Samtgemeinde die Rede - erwartet wurden in der 10 000-Einwohner-Gemeinde für den Zeitraum von 2002 bis 2009 aus statistischer Sicht lediglich acht. Auch die Zahl der Neuerkrankungen mit Schilddrüsenkrebs stieg in Asse nach Regierungsabgaben bei Frauen und Männern um mehr als das Dreifache. „Das ist einErgebnis, dass Anlass zur Sorge gibt“, meinte Spieker.

Strahlenexpertin Bruns-Philipps betonte, die derzeit verfügbaren Datensätze erlaubten noch keine eindeutige Feststellung der Ursachen. „Radioaktivität ist natürlich ein Risikofaktor. Es gibt aber auch andere.“ Für die kommende Woche sei ein Treffen mit Fachleuten des Bundesamts für Strahlenschutz geplant. „Dann müssen wir überlegen: Wie können wir weitere Informationen gewinnen?“, sagte die Ärztin. Bereits am Freitagnachmittag wollten sich Abgeordnete der Landtagsfraktionen im Sozialministerium über die Lage informieren.

Bruns-Philipps sagte, sie gehe davon aus, dass es mehrere Monate dauern könnte, bis die Krankengeschichte der Patienten bekannt ist. Geprüft werden müsse, ob einige der erkrankten Männer in früheren Jahren in dem Salzbergwerk bei Wolfenbüttel gearbeitet haben.

Die Bürgermeisterin der Samtgemeinde Asse, Regina Bollmeier (SPD) appellierte an die Erkrankten, ihre ärztlichen Unterlagen freizugeben. „Wir wissen nicht, wie alt die Betroffen sind, wo sie mal gearbeitet haben, seit wann sie krank sind, seit wann sie in der Region wohnen. Es gibt ganz viele wichtige Informationen, die wir einfach nicht wissen, und die müssen jetzt erhoben werden“, sagte sie.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) wies darauf hin, dass zum jetzigen Zeitpunkt keine Gefahren von der Asse ausgehen. Das zeigten Überwachungsmessungen über und unter Tage, heißt es in einer Stellungnahme. Umfangreiche Boden- und Ackerfrüchteproben aus der Umgebung der Asse hätten zudem ergeben, dass keine Kontaminationen durch radiaoktive Stoffe aus der Asse zu befürchten seien. Das BfS ist seit 2009 für das Atommülllager bei Wolfenbüttel zuständig.

dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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