Osnabrücker mit schottischen Wurzeln sammelt Spenden für notleidende Kinder

Er läuft und läuft und läuft

Im Mai war der 48-jährige Schotte John McGurk aus Osnabrück (mit Schottenrock) mit seinem Team auf einem 600 Kilometer langen Lauf von Münster nach Berlin unterwegs gegen Kinderarmut.

Niedersachsen - OSNABRÜCK (epd) John McGurk läuft. Der 48-Jährige läuft für hungernde Kinder in Afrika, für vom Krieg bedrohte Kinder im Nahen Osten, für arme Kinder in Deutschland. Seit 20 Jahren läuft er, um Sponsorengelder für Kinderhilfsprojekte von UNICEF, „Ein Herz für Kinder“ und World Vision einzuwerben.

Mal 600 Kilometer von Münster nach Berlin, mal 1 000 Kilometer von Osnabrück nach Basel. Mittlerweile hat er es eineinhalb Mal um den Globus geschafft. Mehr als 300 000 Euro haben Unterstützer dafür an Hilfswerke gespendet.

Sein neuestes Projekt wird von terre des hommes begleitet: ein Jahr laufen für Aidswaisen in Südafrika. McGurk beginnt damit am Donnerstag beim Fraport-Lauf am Frankfurter Flughafen. „Ich habe mir geschworen, dass ich für Kinder laufe, solange ich lebe.“

McGurk ist Schotte. Osnabrück ist seine zweite Heimat. Anfang der 80er Jahre war er als Soldat nach Niedersachsen gekommen. Später fand er eine Anstellung in einer Papierfabrik. Seit 17 Jahren ist er in zweiter Ehe verheiratet und hat drei Kinder. Als Papiermacher arbeitet er immer noch. Doch seine Leidenschaft ist das Engagement für notleidende Kinder. Er sieht es als eine Art Auftrag, den er mit Leib und Seele ausführt: „Gott hat mir ein großes Herz gegeben und einen starken Willen, damit ich Kindern helfe“, sagt der gläubige Christ. Für Hannelore Book, Spendenbetreuerin bei terre des hommes, ist John McGurk ein Glücksfall: „Im nächsten Jahr wollen alle zur Fußball-WM nach Südafrika. Doch niemand denkt an die Kinder dort. Niemand – außer John.“ Die Spenden seiner Aktion „A Chance for Kids“ kommen dem Projekt „Woz'OBona“ in der Provinz Limpopo zugute. Dort werden Kinder betreut, die durch Aids zu Waisen wurden oder selbst mit dem HI-Virus infiziert sind. Täglich sterben 600 bis 1 000 Südafrikaner an Aids. Die Idee zum Laufen sei ihm vor 20 Jahren eher zufällig gekommen, sagt McGurk. „Dabei war ich Kettenraucher und total unfit, konnte nicht mal vier Kilometer am Stück laufen, ohne mich zu übergeben.“ Aber er hat sich durchgebissen, aufgehört zu rauchen, die Ernährung umgestellt. Heute ist er durchtrainiert bis in die dunkelbraunen Haarspitzen. Manchmal steht er als Model vor der Kamera. Mit dem Honorar finanziert er seine Leidenschaft.

Laufen für einen guten Zweck kostet ihn nicht nur Zeit, sondern auch Geld – mehrere zehntausend Euro allein an Verwaltungskosten. Er muss planen, werben, seinen eigenen Urlaub opfern, Unterkünfte bezahlen, prominente Mitläufer organisieren. Am aufwendigsten ist jedoch die Suche und Pflege der Sponsoren.

Über jeden gewonnenen Geldgeber freut er sich wie ein Kind. Und es ärgert ihn, wenn millionenschwere Firmenchefs ihn abblitzen lassen. Aber er ist geduldig und zäh. „Ich war schon so oft im Leben ganz unten und bin doch immer wieder aufgestanden.“

Ohne dieses Durchhaltevermögen wäre McGurk schon früh gescheitert. Denn seine Kindheit und Jugend waren alles andere als glücklich. Er wuchs mit neun Geschwistern in einem Armenviertel in Glasgow auf. Seine Eltern stritten oft, die Kinder bezogen Prügel.

Als er neun war, kamen alle in verschiedene Kinderheime: „Wir klammerten uns aneinander, als sie uns holen wollten. Aber sie haben uns auseinandergerissen.“ Fünf Jahre in verschiedenen Heimen haben ihn traumatisiert. Doch sie haben ihn nicht härter, sondern weicher gemacht. „Wenn ich ein leidendes Kind vor mir sehe, kann ich seine Not spüren.“ Und deswegen läuft McGurk weiter – nicht davon, sondern dem Ziel, Gutes zu tun, entgegen.

Quelle: kreiszeitung.de

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