Vom Trend des Freizeit-Handwerks: Hühner kehren in heimische Gärten zurück

Käthe und Rosalinda sorgen fürs eigene Öko-Ei

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Karin Müller versorgt Hahn Carl-Gustav und die Hühner im heimischen Garten. ·

Hannover - Von Karen MietherMit dem Skandal um falsch deklarierte Eier sind auch die Haltungsbedingungen für Legehennen in den Blick gerückt. Wer selber Hühner hat, weiß auch, wie sie leben. Für viele eine Alternative – nicht nur zu Ostern.

Karin Müller kann durch das Küchenfenster sehen, woher ihr Frühstücksei stammt. Hahn Carl-Gustav und seine Hennen Käthe, Rosalinda und Henriette scharren in einem Gehege im Sand. Nebenan haben drei chinesische Seidenhühner ihr Quartier. Nicht erst seit dem jüngsten Skandal um falsch deklarierte Eier setzt die 45-Jährige Autorin aus Wettmar bei Hannover auf die Hühnerhaltung im eigenen Garten. „Mir ist es sympathischer, zu wissen, aus wessen Hintern die Eier kommen“, sagt sie schmunzelnd.

Das Ei vom eigenen Huhn liegt wieder Trend, bestätigt Elke Bretzigheimer vom „Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter“ in Offenbach. „Wir haben zunehmend Nachfragen von Menschen, die das interessiert.“ Magazine, die wie „Landlust“ bäuerliches Ambiente beschreiben, beflügelten die Entwicklung. Die jüngste Diskussion um Haltungsbedingungen für Legehennen werde sie weiter bestärken, ist die Geschäftsführerin des Verbandes mit knapp 200 000 Mitgliedern überzeugt. „Eigentlich kann jeder ein Huhn halten“, sagt Bretzigheimer. Was den Platz angeht, gelten für Privathalter die gleichen Vorschriften wie für gewerbliche Betriebe. Und die sind nicht schwer zuerfüllen.

Einfache

Haltung

Die Tiere müssen dem örtlichen Veterinäramt gemeldet werden. „Vor allem sollte man mit den Nachbarn sprechen“, betont die Expertin. Probleme kann bekommen, wer auch einen Hahn möchte. Ob und wann Nachbarn das Krähen erdulden müssen, hat schon häufiger die Gerichtebeschäftigt.

Auch ohne Hähne legen Hühner Eier, erläutert Bretzigheimer: „Aber es ist für sie angenehmer, wenn es einen Ordnungshüter in der Hennenbande gibt.“ Tipps für die artgerechte Pflege geben Geflügelzüchter, Ratgeberliteratur oder Tierschutzverbände. „Sitzstangen im Stall und ein Auslauf, in dem die Hühner scharren, picken und Sonnenbaden können sind wichtig“, sagt Verena Stampe von Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung Provieh in Kiel.

Selbst Futtermittelproduzenten wie die „Deutsche Tiernahrung“ werben für die Idee vom Huhn als Hobby, das natürlich auch Arbeit macht. „Es gibt einen Trend, Dinge wieder selber zu machen“, weiß auch Nanda Dukat vom Marktforschungsinstitut Rheingold. „Dahinter verbirgt sich der Wunsch, Abläufe nachvollziehen zu können, was in der globalisierten Wirtschaft ja nicht so leicht ist“, erläutert die Projektleiterin des Kölner Instituts für qualitative Marktforschung. „Wenn ich meine Hühner selbst füttere, weiß ich auch, was sie fressen, und wo das Futter herkommt.“

Wo Computer und Smartphone Daten überall zugänglich machten, verschwömmen Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit. Im Gegenzug boomten Freizeit-Handwerk und Handarbeit, heißt es in der Rheingold-Studie „Sehnsucht nach einer heilen Welt“. „Wer etwas handwerklich herstellt, fühlt den Produktionsstolz, der im Arbeitsalltag verloren gegangen ist“, sagt Dukat. Sie sieht darin durchaus Positives. „So kann der Funke auch zu grundlegenderem Wandel entstehen, das Projekt zum Carsharing etwa oder die Initiative, die auf Brachland Gemüse anbaut.“

Karin Müller hatte vor neun Jahren zunächst eine Henne in Pflege. „Ich wollte, dass mein Kind sieht, woher die Eier kommen“, sagt die Mutter einer elfjährigen Tochter. Ihre Hühner haben einen großen Auslauf. Auch der Stall bietet viel Platz – selbst als die Tiere in Zeiten der Vogelgrippe nicht mehr nach draußen durften.

Die Hennen legen mehr, als die kleine Familie braucht. Freunde sind deshalb Hühner-Paten und bekommen Eier ab. Und so selbstverständlich, wie die Hühner Namen tragen, sollen sie auch alt werden und eines natürlichen Todes sterben dürfen. „Wir sind Vegetarier.“ · epd

Quelle: kreiszeitung.de

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