Selbstbedienungsladen Nordwest-Award

Der Juror ist der Gewinner

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K. Luckey

Bramsche - Von Martin Sommer.  Der Nordwest-Award entpuppt sich zunehmend als Selbstbedienungsladen.

M. Fonger

Nachdem sich herausgestellt hat, dass die Rotary-dominierte Jury ausgerechnet ein Rotary-Projekt für den regionalen Förderpreis ausgewählt hatte, geriet gestern eine weitere Preisvergabe ins Zwielicht: 10 000 Euro an den Forschungsverbund für Maritimes Recht. Das Pikante: Zwei Gründungsmitglieder des Verbundes wurden in die Jury berufen – die Rektorin der Hochschule Bremen, Karin Luckey, und der Hauptgeschäftsführer der Bremer Handelskammer, Matthias Fonger. „Die Auswahl der drei Preisträger fiel den Jurymitgliedern entsprechend schwer“, heißt es ironischerweise in der Pressemitteilung der Metropole Nordwest, dem Ausrichter des Wettbewerbs. Da wählen Juroren ihre eigenen Projekte – und niemand findet etwas dabei.

„Es hat keine Rolle gespielt“, sagte Anna Meincke, Geschäftsführerin der Metropole Nordwest, zu den neuen Ungereimtheiten. Im Übrigen sei die Handelskammer in die Arbeit des Forschungsverbundes für Maritimes Recht „nicht konkret involviert“. Bei dessen Gründung 2012 aber war Handelskammer-Hauptgeschäftsführer Fonger durchaus konkret dabei. Und er sagte: „Wir betrachten diese neue Einrichtung als Stärkung des Maritimen Standorts, deshalb engagieren wir uns hier.“

Auch Fonger mag den Verdacht einer Interessenkollision nicht erkennen: Schließlich fänden sich bei einer hochkarätig besetzten regionalen Jury und einer Auswahl aus 134 Bewerbungen immer Personen, die mit einzelnen Projekten verbunden seien, sagte er gestern auf Anfrage. Fonger: „Alle Jurymitglieder haben versucht, eine neutrale Entscheidung zu treffen.“

Im Vorfeld der Preisvergabe hatte Karin Luckey gesagt: „Als Jurorin des Nordwest Awards freue ich mich, innovative Ideen und Impulse in einem Netzwerk aus Wissenschaft und Wirtschaft auszuzeichnen und sichtbar zu machen.“ An der entscheidenden Jury-Sitzung konnte sie zwar nicht teilnehmen, doch am Ende funktionierte das besagte Netzwerk offensichtlich auch ohne die Professorin.

Quelle: kreiszeitung.de

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