Alltags-Rassismus unter Kindern

Jim Knopf, Barbie und Pippi Langstrumpf: So rassistisch ist Spielzeug

Seit jeher gehören Pippi Langstrumpf und Jim Knopf zu den Klassikern der Kinderliteratur. Und doch transportieren diese Bücher unterbewusst Rassismus.

Hamburg – Michael Endes Kinderbuch „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ begeistert seit Jahrzehnten Groß und Klein. Die Geschichte vom kleinen Jim, der gemeinsam mit seinem Freund Lukas auf der winzigen Insel Lummerland ein Abenteuer nach dem anderen erlebt, gehört wie „Pippi Langstrumpf“ seit jeher zu den Klassikern der Kinderbuchliteratur – wäre da nicht das N-Wort.

Denn während blonde Puppen plötzlich die Spielzeugregale bevölkern, stellen sich werdende Eltern, Spielzeugwarenhersteller und Pädagogen gleichermaßen eine Frage: Wie rassistisch ist das Spielzeug unserer Kinder?

Buch von Michael Ende:Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer
Datum der Erstveröffentlichung:1960
Autor:Michael Ende
Altersempfehlung:6 - 99 Jahr(e)
Seitenzahl:272

Spielzeuge und Kinderbücher transportieren Klischees – und damit oft unbemerkt Rassismus

Kinder lernen durch Spielzeuge und begreifen durch sie die Welt. Nicht umsonst investieren werdende Eltern und Großeltern Unsummen in Fühlbücher, piepende Musikinstrumente und das erste Laufrad. Doch oft transportieren Spielzeuge eben auch Klischees und Stereotype – und damit unbewusst Rassismus. So dürfte es niemanden überraschen, dass viele Väter und Mütter daran scheitern, Spielsachen und Bücher zu finden, die schwarze Menschen realistisch zeigen. Stattdessen werden helle Puppen oftmals nur dunkel angemalt – was bei vielen Kindern für Irritation sorgt. „Die fragen sich dann, ob es schwarze Menschen tatsächlich gibt oder ob die angemalt sind“, so eine Mutter.

Barbie und auch Playmobil machen nun vor, dass es eben auch anders geht. Während es Barbie inzwischen auch als Asiatin, Afrikanerin oder Lateinamerikanerin, im Rollstuhl, mit Prothese oder mit der Hautkrankheit Vitiligo gibt, setzt auch Playmobil auf Diversität und holt schwarze Polizisten, asiatische Lehrerinnen und Kinder in verschiedenen Hauttönen ins Sortiment. Eine Idee, die auch Spielzeughersteller Lego großartig findet und daher erst kürzlich ein Regenbogen-Set auf den Markt brachte.

Spielzeuge und Kinderbücher transportieren oft unbemerkt Stereotype und Rassismus. (24hamburg.de-Montage)

Doch bislang bleibt es bei diesen wenigen positiven Beispielen. „Antirassistisches und diverses Spielzeug sollten als Selbstverständlichkeit erachtet werden und daher einen hohen Stellenwert einnehmen, wovon wir aber noch entfernt sind“, so Christian Ulrich von der weltgrößten Spielwarenmesse in Nürnberg.

Pippi Langstrumpf, Jim Knopf und Tom Sawyer: Die Diskussion um das N-Wort

Auch „Pippi Langstrumpf“, „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ und Co. stellen Eltern im Hinblick auf das N-Wort vor eine große Erziehungsaufgabe. Während der Hamburger Oetinger-Verlag seit 2009 den diskriminierenden Begriff durch den „Südseekönig“ ersetzt, gleichwohl Menschen außerhalb Europas aber immer als „eigentümlich“ bezeichnet werden, und eine Geschichte von Lindgrens Lotta aus der Krachmacherstraße, in der die Kinder Sklaven spielen, in der aktuellen Ausgabe entfernt wurde, werden die Tom-Sawyer Bücher von Mark Twain weiterhin mit dem N-Wort veröffentlicht. Im Klappentext informiert ein Hinweis über die historische Einordnung.

Was bleibt, ist Jim Knopf. Ein schwarzes Kind, das in den Illustrationen von Franz Josef Tripp mit einem breiten Grinsen und wülstigen rosa Lippen dargestellt wird. Ein Klischee, das heute auf Ablehnung stößt und weswegen zahlreiche Aktivisten nach der Umbenennung eines Bahlsen-Keks in „Perpetum“ eine Umbenennung der „Mohren-Apotheken“ fordern.

So bleibt es an den Eltern, Großeltern oder Lehrern, den Kindern zu erklären, was es mit dem N-Wort und Alltags-Rassismus auf sich hat. Für die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Doro Moritz, steht daher fest, dass Kinderbücher nicht einfach aus der Schule entfernt werden dürfen. Stattdessen müsse sich mit ihnen auseinandergesetzt werden und Rassismus müsse insgesamt viel stärker im Unterrichtsalltag thematisiert werden. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Lem/IMAGO & Caroline Seidel/picture alliance/dpa

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