Corona-Pandemie

Steigende Corona-Inzidenz in Niedersachsen: Land will Stufenplan ändern

Die Corona-Inzidenzzahlen für Niedersachsen steigen erneut. Mittlerweile liegt der Wert deutlich über dem Bundesschnitt. Auch Bremen zieht die Zahl der Neuinfektionen wieder an.

Hannover – In Niedersachsen steigt die Corona-Inzidenz erneut an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) lag der landesweite Sieben-Tage-Inzidenzwert am Samstag, 24. Juli 2021, bei 15,8. Am Freitag betrug er 14,9. Für das Land Bremen gab das RKI am Samstag sogar 16,1 Corona-Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche an (Vortag: 12,5). Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz lag bei 13,6.

Sieben-Tage-Inzidenz in Niedersachsen am 24. Juli15,8
Neuinfektionen in Niedersachsen231
Sieben-Tage-Inzidenz in Bremen16,1
Neuinfektionen in Bremen40

Das RKI verzeichnete am Samstag für Niedersachsen 231 Neuinfektionen im Zusammenhang mit Covid-19. Ein weiterer Todesfall kam hinzu. Damit steigt die Gesamtzahl der Todesfälle auf 5808.

Corona-Inzidenz steigt – Spitzenreiter ist der Landkreis Lüneburg

Spitzenreiter bei den Corona-Neuinfektionen war der Landkreis Lüneburg mit einem Inzidenzwert von 51. Danach folgten die Region Hannover mit 36,7 und die Stadt Wolfsburg mit 32,2. Der Landkreis Lüchow-Dannenberg verzeichneten auch am Samstag eine Inzidenz von 0,0. Ebenfalls sehr niedrige Werte gab es im Kreis Friesland (1,0), im Kreis Wesermarsch (1,1) und im Kreis Rotenburg (Wümme) (1,2).

Die Corona-Inzidenzzahlen für Niedersachsen steigen erneut an.

Für Bremen erfasste das RKI am Samstag 40 Neuinfektionen. Die Gesamtzahl der Todesfälle im kleinsten Bundesland stieg im Vergleich zum Vortag um 1 auf 493.

Niedersachsen will Änderungen am Corona-Stufenplan

Unterdessen will Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann den Corona-Stufenplan des Landes ändern, um ein rasches Inkrafttreten neuer Beschränkungen zu vermeiden. Das sollte geschehen, bevor die steigenden Infektionszahlen in einzelnen Regionen „wieder eine Marke erreichen, die mit spürbaren Einschränkungen oder gar Schließungen verbunden ist“, sagte der CDU-Politiker der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

„Gerade mit Blick auf unsere Tourismus- und Beherbergungsbranche, das Messegeschäft, die Gastronomie oder den Einzelhandel hätte so ein Szenario nach den zurückliegenden Pandemiemonaten verheerende Auswirkungen“, fügte der CDU-Politiker hinzu.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann will den Corona-Stufenplan des Landes ändern.

Laut Althusmann könnten die Grenzen im Stufenplan verschoben werden, damit Einschränkungen erst bei einer höheren Inzidenz greifen. Das könnte bedeuten, dass die bisherigen Regeln der Inzidenz-Stufe von 35 Neuinfektionen auf 100.000 Menschen binnen sieben Tage erst ab 50 gelten, die Regeln der bisherigen Stufe 50 erst ab 100.

Geplante Änderung des Corona-Stufenplans: Staatskanzlei weist Althusmann-Vorschläge zurück

Mit der Anpassung des Stufenplans wolle man einerseits verhindern, dass mit zunehmenden Inzidenzwerten erneut Bereiche eingeschränkt werden, „die mit der Entwicklung des Infektionsgeschehens gar nichts zu tun haben“, hieß es am Freitag aus der Staatskanzlei in Hannover. Andererseits will die Landesregierung auf die in manchen Regionen mit „besorgniserregendem Tempo“ wachsenden Infektionszahlen reagieren. Die Änderungen sollen bereits ab der kommenden Woche gelten.

„Es laufen derzeit Gespräche mit den Kommunen, wie man in einem Zwischenschritt auf diese steigenden Zahlen reagieren kann“, erklärte Kathrin Riggert, stellvertretende Regierungssprecherin am Freitag in Hannover. Eine „bloße Verschiebung der Grenzen“ im Corona-Stufenplan, damit Einschränkungen erst bei einer höheren Inzidenz greifen, werde es aber sicher nicht geben, hieß es. Denn das hätte auch „unerwünschte Effekte“: Es könnten Bereiche gelockert werden, die wesentlich zum Infektionsgeschehen beitragen.

Tanzveranstaltungen nannte die stellvertretende Regierungssprecherin als Beispiele. Dabei hatte es in der Vergangenheit immer wieder Ausbrüche gegeben. Einen entsprechenden Vorschlag von Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) wies sie damit zurück.

Orte des erhöhten Infektionsgeschehens im Fokus: Kommt ein Tanzverbot ab einer Inzidenz von 10?

Ein erster Änderungsentwurf zielt darauf ab, noch stärker die Orte in den Blick zu nehmen, an denen sich nach Ansicht der Landesregierung besonders viele Menschen infizieren. Vorgesehen ist darin beispielsweise, Diskotheken, Clubs, Bars und Shisha-Einrichtungen bei einer Inzidenz über 10 zu schließen.

Die Landkreise und kreisfreien Städte erhalten demnach bei der Feststellung für den Wechsel in eine andere Stufe per Allgemeinverfügung zusätzlichen Handlungsspielraum – und können einzelne Bereiche von Verschärfungen ausnehmen, wenn die nachweislich nicht zum Anstieg des Infektionsgeschehens beigetragen haben. Der Entwurf befinde sich allerdings noch in der Abstimmung und könnte sich daher nochmals ändern, wie die Staatskanzlei mitteilte.

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD)

Aufgrund der Infektions-Entwicklung hatte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) bereits am Mittwoch gefordert, das für Ende August geplante Bund-Länder-Treffen zur Beratung über die Corona-Lage vorzuziehen, um die Frage nach einem geeigneten Maßstab zur Bewertung der pandemischen Lage jenseits der Sieben-Tages-Inzidenz zu klären.

Ministerpräsident Stephan Weil fordert bundesweit einheitliche Maßstäbe

„Für mich steht fest, dass wir einen bundesweit einheitlichen Maßstab benötigen – darauf müssen sich Bund und Länder verständigen“, sagte Weil der dpa. Aus anderen Bundesländern wurden ähnliche Forderungen laut. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) signalisierte am Donnerstag ihre Bereitschaft für eine Vorverlegung.

Zu einer neuen Bundesregelung sagte Weil, er wünsche sich künftig „einen Maßstab, den Menschen auch weiterhin nachvollziehen können“. Wenn neben der Häufigkeit der Infektionen auch andere Faktoren wie beispielsweise die Impfquote und die Krankenhausbelegung einbezogen würden, werde es mit der Nachvollziehbarkeit eines solchen Wertes automatisch komplizierter. „Wie ein verlässliches und zugleich verständliches System aussehen könnte, darüber zerbrechen sich derzeit die Gesundheitsminister, aber auch viele andere Experten die Köpfe.“

Opposition begrüßt Vorschläge der Landesregierung – Gaststättenverband protestiert

Die FDP-Landtagsfraktion begrüßte die Ankündigung der Landesregierung, in einem Zwischenschritt für Niedersachsen nachzujustieren. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass es dabei um ein „reines Reparieren einer grundsätzlich nicht passenden Systematik“, handle.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Niedersachsen sagte mit Blick auf die geplanten Anpassungen, dass Restaurant- und Hotelbetriebe nicht als Pandemie-Treiber anzusehen seien. Auch Diskotheken und Clubs dürften nicht wieder geschlossen werden, sofern sie über ein gut ausgestaltetes Hygienekonzept verfügten. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Die statistischen Werte im Text wurden am Samstag. 24. Juli 2021, um 10:15 Uhr aktualisiert.
Mit dpa-Material

Rubriklistenbild: © Moritz Frankenberg

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