Ansturm auf Warteliste

Impfpriorisierung endet: So kommen Sie in Niedersachsen an einen Impftermin

Jeder ab 12 Jahren kann sich seit Montag um einen Termin für eine Corona-Impfung bemühen. Doch welche Möglichkeiten gibt es und wie genau geht man vor?

Hannover - Die Impfkampagne gegen das Coronavirus schreitet immer weiter voran. Zu Beginn des Junis sind mehr als 20 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft. Die Priorisierungslisten werden weiter abgearbeitet, denn noch haben nicht alle ihre Impfung oder einen Termin bekommen. Aber seit diesem Montag können sich auch in Niedersachsen alle Personen ab 12 Jahren ebenfalls auf eine Liste setzen lassen, um damit ihr Interessen an einem Schutz zu registrieren. Doch wie genau geht man nun vor, wenn man sich impfen lassen möchte?

Virus:Coronavirus, COVID-19
Krankheitserreger:SARS-CoV-2
Vorkommen:Weltweit
Erster bekannter Fall:1. Dezember 2019

In Niedersachsen werden seit dem 10. Mai auch die Angehörigen der letzten Priorisierungsgruppe 3 geimpft. Seit dem 7. Juni können sich nun alle Personen, die möchten und mindestens zwölf Jahre alt sind, für einen Impftermin melden. Geimpft wird über die Impfzentren, Hausärzte und nun außerdem mehr als 6.000 Betriebsärzte. In Niedersachsen wird die Priorisierung neben den Hausärzten auch in den Impfzentren aufgehoben.

Laut Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) wird die Abarbeitung der Listen und die Impfung der zuvor mit höherer Priorität eingestuften Gruppen noch einige Wochen in Anspruch nehmen.

Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) hatte jedoch bereits am Freitag betont, dass alle Bürger, die noch auf der Warteliste stehen, ihren Impfplatz weiterhin sicher hätten. Die Abarbeitung der Listen und die Impfung der zuvor mit höherer Priorität eingestuften Gruppen werde noch einige Wochen in Anspruch nehmen.

Impftermin im Impfzentrum: Anmeldung über Hotline oder Impfportal

Mit dem Ende der Priorisierung wird ein großer Andrang auf die Warteliste erwartet. Für einen Termin im Impfzentrum können sich Interessierte entweder über eine Telefonhotline oder über ein Onlineportal anmelden. Das Niedersächsische Gesundheitsministerium empfiehlt jedoch, vor allem das Onlineportal zu nutzen, da mit einem hohen Anrufaufkommen zu rechnen ist. 

Da die bereits bestehende Warteliste der Priorisierungsgruppen zunächst abgearbeitet wird, muss zudem mit damit gerechnet werden, dass es einige Zeit dauern wird, bis es dann tatsächlich soweit ist und die Impfung stattfindet. „Denn nach wie vor steht leider weder in den Praxen der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte noch in den Impfzentren genug Impfstoff zur Verfügung, um allen Bürgerinnen und Bürgern sofort ein Impfangebot machen zu können. Bis zum Ende des Sommers wird aber jede und jeder in Niedersachsen die Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen. Ich bitte daher alle, die bisher noch nicht mit Terminen versorgt werden konnten, weiterhin herzlich um Geduld“, sagt Gesundheitsministerin Behrens.

Möglichkeiten zum Registrieren für die Termin-Warteliste 

Telefon-Hotline: 0800 998 86 65

Online-Impfportal: www.impfportal-niedersachsen.de

Im Portal selbst wird darauf hingewiesen, dass es möglich ist, dass aktuell kein Impfstoff verfügbar ist, Interessierte mit ihrer Registrierung aber automatisch auf der Warteliste landen. Sobald neue Kapazitäten zur Verfügung stehen, werden automatisch die nächsten Termine, entsprechend der Liste, vergeben. Wer sich nicht auf die Liste setzen lassen möchte, könne sich bei einem niedergelassenen Arzt - wie dem eigenen Hausarzt - melden. 

Impftermin beim Hausarzt: Vorab über Website informieren

Wer sich nicht im Impfzentrum impfen lassen möchte oder nicht die Möglichkeit hat, die Immunisierung von einem Betriebsarzt durchführen zu lassen, der kann sich an seinen Hausarzt oder einen anderen niedergelassenen Arzt wenden. Zu beachten ist, dass nicht jeder Arzt eine Coronavirus-Schutzimpfung anbietet. Es ist empfohlen, soweit möglich, sich vorab auf der Homepage des Hausarztes darüber zu informieren, ob dort die Schutzimpfung angeboten wird. Dort wird meist auch erklärt, wie die Patienten vorgehen sollen, wenn sie sich für eine Impfung melden möchten. 

Letztlich ist der Impfstoff noch immer zu knapp für die hohe Nachfrage und wird auch weiterhin zu unzuverlässig geliefert.

Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes

Zu beachten bei dem Wunsch nach einer Impfung beim Hausarzt ist jedoch, dass die Priorisierung zwar aufgehoben ist, Ärzte aber selbst entscheiden können, wer wann geimpft wird. Zudem haben die deutschen Hausärzte die Erwartungen an das Ende der Impfpriorisierung an diesem Montag gedämpft. „Denn letztlich ist der Impfstoff noch immer zu knapp für die hohe Nachfrage und wird auch weiterhin zu unzuverlässig geliefert“, sagte Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Gleichzeitig werde mit der Aufhebung der Priorisierung und der Ankündigung der Kinder- und Jugendimpfungen die Nachfrage noch zunehmen.

Auch in den Unternehmen gibt es aus Sicht der Betriebsärzte ein großes Interesse an Corona-Schutzimpfungen. „Wir sind zunächst mal froh, dass es jetzt endlich losgeht, weil die Nachfrage aus den Betrieben ist groß. Daher freuen wir uns“, sagte der Präsident des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte, Wolfgang Panter, am Montag im Bayerischen Rundfunk.

Impfpriorisierung aufgehoben: Private Initiativen unterstützen die Suche nach Impfterminen

Neben den Wegen über Impfzentrum, Betriebs- oder Hausarzt, gibt es zudem noch Möglichkeiten, über Impftermin-Websites von privaten Initiativen einen der begehrten Termine zu ergattern. Diese versuchen, frei gewordenen Termine oder übrig gebliebene Impfstoffdosen möglichst schnell an Impf-Interessierte zu vermitteln. Zudem hofft der Tübinger Hersteller Curevac auf die Zulassung seines und somit eines weiteren Impfstoffs noch im Juni.

Über die Website sofort-impfen.de ist es möglich, sich zu registrieren. Wer sich registriert, gibt die eigene Postleitzahl an. Das Portal versucht, Impf-Interessierte und Ärzte zusammenzubringen. „Nachdem Du Dich auf unserer Warteliste angemeldet hast, wirst Du automatisch benachrichtigt, sobald bei Ärzt:innen in Deiner Nähe Covid-19 Impfdosen zur Verfügung stehen“, wird der Vorgang auf der Website erklärt. Sollte der Termin passen und auch der Impfstoff gewünscht sein, bestätigt man den Termin und schon kann es losgehen. Hinweis dazu: Wer zuerst kommt, ist auch zuerst dran. Zum Termin muss dann neben den üblichen Dokumenten nur der Buchungscode mitgebracht werden. 

Es gibt mittlerweile auch private Initiativen, die bei der Vermittlung von Impfterminen unterstützen wollen, während man auf das Vorrücken auf der Impfzentrum-Liste wartet.

Ein weiteres Projekt ist die impfsuche.de. Während sofort-impfen.de mit Warteliste und Hausärzten arbeitet, konzentriert sich diese Seite auf die Impfzentren. Es handelt sich auch hier um eine private Initiative, die „bei der Suche nach kurzfristigen Impfterminen in den niedersächsischen Impfzentren unterstützen möchte“.

Impfpriorisierung aufgehoben: Gesundheitsministerium bittet weiterhin um Geduld und Rücksichtnahme auf andere

Unterdessen hat auch Hamburg mit Ausnahme des Impfzentrums in den Messehallen die Impfpriorisierung aufgehoben*. Auch wenn die Hansestadt an der Impfpriorisierung teils festhält: Die Hausärzte dürfen ab sofort jeden impfen*.

Das Land Niedersachsen erhält vom Bund für die Impfzentren im Juni weiterhin eine Grundlast von rund 235.000 Dosen pro Woche, heißt es vom Ministerium. Die Lieferankündigungen des Bundes für das dritte Quartal liegen noch nicht vor. „Wir wünschen uns einen deutlichen Aufwuchs der Liefermengen für die Impfzentren“, sagt Behrens. Das würde die Impfkampagne und den Impffortschritt im Sommer sehr beflügeln.

Ein Hinweis, oder vielmehr eine Bitte des Ministeriums an Impf-Interessierte ist, dass diejenigen, die auf anderem Wege bereits einen Termin erhalten haben, ihren Platz auf der Warteliste des Impfzentrums stornieren mögen. Damit hätte jemand anderes die Möglichkeit, einen Platz zu erhalten. Besonders wichtig scheint im Zusammenhang mit dem Erhalt eines Impftermins also Geduld. Dafür überlegt Niedersachsen bereits vor der neuen Corona-Verordnung weitere Beschränkungen zu lockern. Mit Material der dpa * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Cecilia Fabiano / picture alliance / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare