„Besonders verantwortungslose Handlung“

„Hätte lieber Covid“: Französische Impfgegner provozieren Corona-Infektion

Ohne Impfung zur Normalität: Um ein Gesundheitszertifikat als „genesene“ erhalten zu können, wollen sich viele französische Impfgegner absichtlich infizieren.

Paris – Ab Montag, dem 9. August, gilt in ganz Frankreich der sogenannte „pass sanitaire“ – das französische Äquivalent zum Grünen Pass, der im Italien-Urlaub unabdinglich ist*. Es handelt sich um ein Zertifikat, das eine Impfung oder Corona-Genesung bestätigt. Für diejenigen, die ein solches nicht besitzen, bleiben die Restaurants oder Zugtüren in Frankreich auch weiterhin geschlossen.

Land:Frankreich
Hauptstadt:Paris
Bevölkerung:67,06 Millionen (2019)
Präsident:Emmanuel Macron

Im Zuge der Entscheidung der französischen Regierung, die ähnlich wie New York Ungeimpfte aussperrt*, zeichnet sich aktuell in Frankreich ein besorgniserregender Trend ab. Viele junge Menschen wollen wieder am öffentlichen Leben teilnehmen – eine Corona-Impfung lehnen sie aber ab. Jetzt torpedieren sie sämtliche Corona-Maßnahmen – und zwar, um Corona zu bekommen.

Corona in Frankreich: Viele junge Menschen haben keine Furcht vor einer Corona-Infektion

In Frankreich werden die geltenden Corona-Maßnahmen mit Argwohn betrachtet. Immer wieder kommt es zu Protesten. So auch kürzlich, als über 200.000 Menschen in Frankreich gegen die Impfpflicht demonstrierten*. Viele der Gegner tragen keine Maske – und wollen sich lieber früher als später eine Corona-Infektion einfangen.

Impfgegner greifen nun zu drastischen Methoden, um zur Normalität zurückkehren können. „Ich hätte lieber einmal Covid, als mich bis zu meinem Lebensende alle drei Monate impfen lassen zu müssen“, schrieb ein User kürzlich auf Twitter. Wie ein Bericht der französischen Tageszeitung „Le Figaro“ darlegt, ist diese Meinung unter Impfgegner in Frankreich weit verbreitet.

Während etwa in Spanien die Corona-Inzidenz bei unter 30-Jährigen explodiert*, verspüren immer mehr französische Menschen in diesem Alter keinerlei Ängste vor einer möglichen Corona-Infektion. Im Gegenteil: „Im schlimmsten Fall fesselt mich das ein paar Tage ans Bett, im besten Fall habe ich gar keine Symptome“, wird eine 20-jährige Frau in Medienberichten zitiert.

Ähnlich bewertet eine 19-jährige Erzieherin die Corona-Gefahr. Während sie vor „natürlichen Dingen“ keine Angst hätte, zeigt sie sich aufgrund des Impfstoffes in Sorge, – „weil er nicht natürlich ist“. Darüber hinaus würden die Antikörper im jungen Alter noch „sehr gut funktionieren“, so die 19-Jährige, die in einem Pflegeheim arbeitet.

Corona in Frankreich: Impfgegner wollen sich absichtlich infizieren.

Französische Impfgegner wollen sich bewusst infizieren

Fadenscheinige Gründe wie diese lassen nun immer mehr Menschen leichtsinnig werden. Auf Twitter bestätigte eine Frau, dass sie alles versucht habe, um sich nach der Infektion ihres Mannes ebenso zu infizieren. „Wenn eine Freundin mir sagt, dass sie Covid hat, würde ich vielleicht zu ihr gehen, damit sie mich anhustet“, sagte auch eine 20-jährige Philosophiestudentin.

Wie aus der französischen Berichterstattung hervorgeht, wollen viele Impfgegner nicht wochenlang auf die zweite Impfung warten müssen. Des Weiteren begleitet viele unter 30-jährige die Furcht, sich alle drei Monate impfen lassen zu müssen.

Experten warnen: Corona-Trend sei eine „besonders verantwortungslose Handlung“

Der französische Epidemiologe Philippe Amouyel mahnt nun vor dem riskanten wie „fatalen Fehler“, „das Spiel des Virus“ zu spielen. Schließlich seien zuletzt unter den erkrankten Intensivpatienten immer mehr junge Menschen, bestätigte der Experte beim französischen Sender LCI.

Auch Soziologe Jérémy Ward appelliert an die Impfgegner: Der aktuelle Trend, der sich in Frankreich festzusetzen droht, sei eine „besonders verantwortungslose Handlung“. Gegenüber „Le Figaro“ warnt er nicht nur davor, dass auch junge Menschen ein schwerer Krankheitsverlauf drohen könnte. Vielmehr besorgt ihn die Furcht davor, dass das Corona-Virus weiter in die Gesellschaft getragen werden könnte.

Eine absichtliche Infektion würde das Problem ohnehin nur weiter verdrängen, da das neue Gesundheitszertifikat nur sechs Monate gültig ist. Darauf verwies kürzlich die französische Ärztin Dr. Faïza Bossy, die im Zuge des Corona-Trends weitere Corona-Varianten fürchtet. So ist es noch nicht lange her, dass mit der Lamdba-Variante neue Gefahren einer Corona-Mutation drohen*.

Während die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland am vergangenen Mittwoch, dem 4. August, bei 20 lag, häufen sich in Frankreich weiter die Corona-Fälle. Vor wenigen Tagen erreichte die französische Inzidenz einen Wert von 232 – eine Besserung scheint im Hinblick der aktuellen Ereignisse aktuell nicht in Sicht. *24hamburg.de, kreiszeitung.de und fr.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michel Spingler/dpa/AP

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