Hurricane, Wacken, Deichbrand

Von Wellen und Bauzäunen

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Knochenarbeit für Sicherheitskräfte. n

Scheeßel - Von Pascal Faltermann - Der Festivalbesucher streckt die Arme in den Himmel. Von tausenden Händen wird er getragen. Ein junges Mädchen bekommt die harte, schlammverschmierte Sohle seiner Chucks an den Kopf. Sie stürzt. Die Menge um sie herum beginnt zu wanken, verschafft sich Platz.

Wie eine Welle drückt die ausgelöste Bewegung die Menschenmasse weiter. Ein kleiner Sturz kann bei einem Festival gefährlich sein. Konzertbesucher werden zu einer quetschenden Masse.

Etwa so war es am 30. Juni 2000. Auf dem Roskilde-Festival in Dänemark kamen neun Menschen ums Leben. Sie verloren im Matsch den Halt, fielen, und das nachdrängende Publikum erstickte sie.

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Bei den großen Festivals in Norddeutschland – Wacken, Hurricane in Scheeßel, Dockville in Hamburg oder Deichbrand in Nordholz – gab es eine solche Tragödie nie. Um dies weiterhin zu verhindern, wird an den Sicherheitskonzepten gefeilt.

Kleinere Vorfälle gab es 2010: Die Auftritte der Bands Frittenbude und Bonaparte mussten beim Hurricane abgebrochen werden. Der Andrang war zu groß. 2012 wurde ein Geheimkonzert der Beatsteaks gar nicht erst gestartet. Die eingezäunte Fläche vor der Bühne war zu schmal und klein.

Simulation von Besucherströmen und Festivals

Simulation von Besucherströmen und Festivals

Jedes Jahr stellen die großen Veranstalter ihre Vorschriften auf die Probe. Maßgebend dafür ist die Versammlungsstättenverordnung. Sie ist geprägt von Rahmenbedingungen für Großveranstaltungen wie Festivals. Es gibt Richtlinien für Abgrenzungen und Blockbildung in Stadien und exakte Vorgaben für Wellenbrecher oder „Abschrankung von Stehplätzen vor Szenenflächen“.

Beim Hurricane bedeutet das für Hunderte Einsatzkräfte Knochenarbeit: 550 Sicherheitskräfte, 500 Sanitäter und Ärzte sowie 350 Polizisten sind vor Ort. Beim Wacken-Festival sorgen knapp 900 Kräfte für die Sicherheit der 75 000 Besucher. Einen klaren Vorteil der Festivals gegenüber anderen Großveranstaltungen sieht Wacken-Sicherheits-chef Thomas Hess: Die Veranstaltungsfläche des Open Airs ist offen. Die Eingänge könnten als Fluchtwege genutzt, und die umgrenzenden Bauzäune im Notfall umgekippt werden.

Quelle: kreiszeitung.de

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