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Frau lässt ihre beiden Hunde im Auto zurück – tot

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Von: Fabian Raddatz

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Bei starker Hitze muss der Vierbeiner im verschlossenen Auto um sein Leben kämpfen (Symbolfoto)
Bei starker Hitze muss der Vierbeiner im verschlossenen Auto um sein Leben kämpfen (Symbolfoto) © picture alliance / dpa

Zwei Hunde sterben in einem heißen Auto in der Region Hannover. Die Besitzerin behauptet, sie sei nur 10 Minuten weg gewesen.

Isernhagen – Was geschah auf einem Parkplatz bei Isernhagen, nahe Hannover? Die Polizei ermittelt gegen eine 66 Jahre alte Frau – wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Sie soll ihre beiden Hunde – einen Dobermann und einen Chihuahua – bei 32 Grad Außentemperatur in ihrem abgeschlossenen Auto zurückgelassen haben, während sie Einkäufe erledigte.

Als sie zum Wagen zurückkehrte, war der Dobermann bereits tot. Der Chihuahua wurde zur Tierärztlichen Hochschule Hannover gebracht, starb aber auch wenig später. Eine Passantin hatte die Polizei alarmiert. Jetzt hat sich die Halterin zu Wort gemeldet, sie widerspricht einigen Darstellungen der Polizei.

Frau lässt ihre beiden Hunde im Auto zurück: „Eine infame Lüge“

„Dass mir vorgeworfen wird, dass ich in Ruhe einkaufen gegangen bin, ist eine infame Lüge“, sage die 66-Jährige in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ). Dort schildert sie den Tagesablauf wie folgt: Zunächst sei mit ihren beiden Hunden für eine ausgiebige Toberunde im Wald gewesen.

Auf dem Rückweg habe sie auf dem Parkplatz des A2-Centers gehalten, um in der Apotheke ein Medikament zu besorgen, so die Frau zur HAZ. „Das Auto war durch die Klimaanlage komplett heruntergekühlt.“ Zudem seien die Hunde erschöpft gewesen nach dem Toben, daher habe sie sie kurz im Wagen zurückgelassen.

Frau soll ihre beiden Hunde dem Hitzetod überlassen haben: „Ich war vielleicht zehn Minuten weg“

Sie sagt: „Ich war vielleicht zehn Minuten weg, mehr nicht.“ Als sie wieder zum Auto ging, habe sie sich gewundert, dass die kleine Chihuahua-Hündin nicht sofort bellte, wie immer, als sie das Auto öffnete. Als sie in den Wagen blickte, der Schock: Beide Hunde lagen im Kofferraum, der Dobermann war bereits tot.

Anders als von der Polizei beschrieben, habe keine Passantin die Hunde entdeckt und dann die Polizei gerufen, sie sei es selbst gewesen. „Ich habe das Auto sofort geöffnet, meine Hunde herausgenommen und um Hilfe gerufen“, sagt sie. Dann habe sie eine junge Frau gebeten, die Einsatzkräfte zu verständigen.

Zwei Hunde bei Hannover tot: Halterin erhebt Vorwürfe gegen die Polizei

Sie erhebt Vorwürfe: „Die Polizei sagte, wir sollten vor Ort bleiben. Es hat gefühlt aber eine Stunde gedauert, bis sie da war“, behauptet die Frau. Währenddessen hätten Passanten Wasser gebracht, jemand soll sogar versucht haben, den Dobermann wiederzubeleben.

Die Polizei wehrt sich gegen die Vorwürfe: Der Notruf sei um 16:57 Uhr eingegangen, 20 Minuten später sei eine Streife vor Ort gewesen, sagt ein Sprecher gegenüber der HAZ. Wie lange sich die Hunde wirklich in dem Fahrzeug aufgehalten haben, das soll die Auswertung von Videoaufnahmen klären.

Tödliche Temperaturen innerhalb weniger Minuten: Tiere und Menschen nicht im Auto lassen

Egal ob Mensch oder Tier – ein Lebewesen bei hohen Außentemperaturen im Auto zu lassen, bedeutet Lebensgefahr. Die Innentemperatur im Auto kann sich bei direkter Sonneneinstrahlung schnell vervielfachen. Temperaturen um die 60 Grad sind keine Seltenheit und bedeuten den Hitzetod.

Und auch ohne direkte Sonneneinstrahlung können aus 24 Grad Celsius draußen innerhalb einer Stunde bis zu 50 Grad im Inneren werden. Da hilft es auch nicht, die Scheibe herunterzukurbeln. Wie Sie Hitzeschlag-Symptome bei Mensch, Hund, Katze und Pferd erkennen, das lesen Sie hier.

Hund oder Kind bei Hitze im Auto: Darf ich als Privatperson einfach eine Scheibe einschlagen?

Übrigens: Viele fragen sich, ob man als Privatperson einfach die Scheibe einschlagen darf, wenn man beispielsweise einen Hund entdeckt. Laut der Tierschutzorganisation Peta sollte zunächst versucht werden, den Halter ausfindig zu machen. Gelingt dies nicht, kann man die Polizei rufen.

Befindet sich das Tier bereits offensichtlich in Lebensgefahr, liegt es an einem selbst, das Leben eines Tieres gegen eine mögliche Sachbeschädigung abzuwägen. Die Gefahr für Leib und Leben des Hundes muss dann aber belegt werden, sagt Jan Ole Unger von der Feuerwehr Hamburg. Sonst droht Anzeige.

Bei Menschen ist die Rechtslage hingegen klar: Wer ein Baby in einer Notlage vorfindet, darf ungestraft die Scheibe einschlagen. So wie Passanten in Schwerin, die einen Säugling aus einem heißen Auto befreiten: Rettung in letzter Sekunde. Und auch in Bremerhaven rettete die Polizei ein Kleinkind vor dem Hitzetod.

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