Christian Klemann forschte in Tokio an Mäusen zur Therapie der Multiplen Sklerose

Hoffnungsschimmer aus Fernost

Klemann erklärt Sato-Sensei Forschungsdaten.Fotos: privat

Niedersachsen - RETHEM (pfa). Paradox: In Japan, wo es eine der niedrigsten Häufigkeiten für Multiple Sklerose (MS) gibt, hat der Rethemer Christian Klemann an Therapieformen für die Autoimmunerkrankung geforscht. Kurz vor Abschluss des Medizinstudiums bot sich dem 27-Jährigen die Möglichkeit, in Tokio an einer Studie zur Therapie der MS mitzuwirken, die bahnbrechende Auswirkungen haben könnte.

Für eineinhalb Jahre lebte der Mediziner dafür mit seiner Familie in der mit 34,47 Millionen Einwohnern größte Metropolregion der Welt. Mit seiner Frau Anna Klemann und Tochter Melina zog es den angehenden Doktor nach Asien. Davon hatte er Jahre zuvor nicht zu träumen gewagt.

Im Walsroder Heidekreisklinikum wurde Christian Klemann geboren, ging in Walsrode zum Gymnasium und leistete nach dem Abitur seinen Zivildienst in der Pflege. Während des Medizinstudiums in Hannover lernte Klemann seine Frau kennen. Kurz vor dem Physikum wurde sie schwanger. Am Institut der Anatomie fertigte der Rethemer seine Doktorarbeit unter Professor Reinhard Pabst auf dem Gebiet der immunologischen Asthma-Forschung an. Durch seinen Doktor-Vater hatte er den ersten Kontakt zu Professor Takashi Yamamura in Tokio . „Als mir von ihm eine Wissenschaftler-Stelle angeboten wurde, habe ich diese angenommen“, so Klemann.

Im Juli 2007 ging es nach Tokio. Im August kamen Frau und Tochter nach. Anna Klemann erhielt die Möglichkeit, in der gleichen Abteilung zu arbeiten und dort ihre Doktorarbeit zu schreiben. „Im September entstand dann unsere zweite Tochter Yola“, schmunzelt Klemann. An die Lebensverhältnisse und das Essen in Japan musste sich die junge Familie aber erst gewöhnen.

Am „National Institute of Neuroscience“ arbeitete Klemann an einer Studie zur Wirkung eines Vitamin-A-Abkömmlings. Mäusen wird dabei ein Cocktail aus körpereigenem Eiweiß mit Bakterienbestandteilen gespritzt, der eine der MS ähnliche Autoimmunerkrankung bei den Tieren hervorruft. Dieser Cocktail wird vom Zentralen Nervensystem der Maus als fremd erkannt und bekämpft. Bei der Maus bildet sich eine aufsteigende Lähmung aus. „Ich habe unzählige Mäuse auf dem Gewissen“, weiß Klemann, „allerdings für einen guten Zweck.“

Das Ergebnis überzeugt. Der synthetisch hergestellte Vitamin-A-Abkömmling beeinflusste die Krankheit positiv und schwächte die Autoimmunerkrankung ab. „Die Mäuse, die den synthetischen Vitamin-A-Abkömmling erhielten, hatten weniger Schübe, einen schwächeren Verlauf der Erkrankung und der Beginn verzögerte sich.“ Hinzu kommt, dass der Vitamin-A-Abkömmling (AM80) billig herzustellen, sehr lichtresistent und stabil gegenüber Oxidation und Hitze ist. Bisher ist die Therapie der MS vor allem auf die Immunsuppression ausgelegt. „Das AM80 scheint einen positiven Einfluss nur auf die schädlichen Immunzellen zu haben und richtet sich nicht mehr gegen alle Zellen“, erklärt Klemann. Wenn dieser Stoff auch im Menschen funktioniere, könne es bahnbrechend sein, da es einen völlig neuen Ansatz in der MS-Therapie darstelle. Für Aufsehen sorgte die Studie bereits in der weltweiten Fachpresse. Die Versuche beim Menschen starten derzeit in Japan . Allerdings ohne Klemann, der sein Praktisches Jahr in Deutschland beenden wird.

Quelle: kreiszeitung.de

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