Trauungen in Niedersachsen

Hochzeit in Zeiten der Coronavirus-Pandemie: Das sind die aktuellen Regelungen

Heiraten in Zeiten der Coronavirus-Pandemie - das ist eine echte Herausforderung: Viele Brautpaare in Niedersachsen haben ihre Hochzeitsfeier abgesagt oder verschoben. Für Hochzeitsplaner eine dramatische Situation – aber einige kreative Lösungen gibt es schon.

  • Hochzeiten in Niedersachsen mit bis zu fünfzig Personen erlaubt.
  • Coronavirus-Pandemie wirft Planungen für Trauungen über den Haufen.
  • Winterhochzeiten könnten ein Trend werden.

Ganz in Weiß, kirchlich oder im Grünen und ganz unkonventionell: Von der perfekten Hochzeit haben Brautpaare unterschiedliche Vorstellungen. Mit Mindestabstand, Mundschutz und ohne Händeschütteln dürfte aber bei den wenigsten auf den Wunschliste gestanden haben. In der Coronavirus-Krise sagen darum viele ihre Hochzeiten ab, große Feiern fallen aus. Floristen, Veranstalter und andere Gewerke leiden mit.

BundeslandNiedersachsen
Bevölkerung7,982 Millionen
HauptstadtHannover

Die Teilnahme an Hochzeitsfeiern ist seit 8. Juni mit bis zu 50 Personen gestattet, unabhängig von den Hausständen. Auch im Standesamt sind bis zu 50 Personen möglich. Wenn nach der standesamtlichen Trauung in einer Gaststätte oder einem Veranstaltungsraum gefeiert werden soll, sind die aktuellen Corona-Regeln der Gastronomie verpflichtend. Die Einhaltung von Abstands- und Hygieneregelungen ist geboten.

Heiraten in Coronavirus-Zeiten: Kreative Lösungen gesucht

Wie sieht es momentan in der Hochzeits-Branche aus? Nach und nach trudelten bei Christiane Schivelbein die Absagen ein. Seit April stornierten bei der Hochzeitsplanerin in Oldenburg alle Brautpaare ihre liebevoll und von langer Hand geplanten Partys. Nur eine im Oktober sei noch nicht abgesagt, erzählt sie. Die derzeitigen Auflagen lassen die Möglichkeiten zum Feiern dramatisch sinken - und die Lust an der Party nur noch im kleinen Kreis ebenso. „Die Hochzeit soll einer der schönsten Tage im Leben werden. Die Menschen wollen unbeschwert feiern und tanzen, das Brautpaar in den Arm nehmen. Aber mit Masken und Abstandsregeln ist das für niemanden schön“, sagt Schivelbein.

Viele Brautpaare haben ihre Hochzeit wegen der Coronakrise abgesagt oder verschoben. Für Hochzeitsplaner und alle Beteiligten dieser Branche eine dramatische Situation.

Eine Trauung mit Familie und Freunden, eine große Hochzeitsfeier - was vor der Coronavirus-Pandemie als normal galt, ist derzeit angesichts der Maßnahmen nur schwer realisierbar. Die Ungewissheit hat unmittelbaren Einfluss auf ihre Arbeit, erzählt Schivelbein. Vielleicht gebe es die Location oder das Restaurant im nächsten Jahr wegen einer Insolvenz nicht mehr, vielleicht gelten Maskenpflicht und Abstandsregeln noch immer. Die Landesregierung Niedersachsen entscheidet am Freitag über eine neue Corona-Verordnung.

Winterhochzeit in Niedersachsen neuer Trend?

Anders geht Janine Tameling mit der Situation um. Für den Sommer bietet die Hochzeitsplanerin neuerdings freie Trauungen auf einem Alpaka-Gestüt bei Hannover an - nur für Brautpaare und zwei Trauzeugen in kleinem Kreis. Zudem gewinne das Thema Winterhochzeit an Bedeutung. „Viele möchten ihre Hochzeit im Herbst nachholen, wir haben jetzt Termine bis in den Oktober und November hinein“, sagt sie. Im Januar habe sie ein Wintershooting im Harz gehabt, mit einem Paar das in diesem Jahr auch offiziell heiratet. „Die verschneite Kulisse war einfach traumhaft“, sagt Tameling.

Eine traumhafte Kulisse ist auch der Strand. Auf der Insel Juist sind seit Ende Mai standesamtliche Strandhochzeiten in der Abenddämmerung offiziell möglich. „Das ist eine ganz besondere Atmosphäre in den Abendstunden, etwas für Romantiker“, sagt Standesbeamter Ingo Steinkrauß. Die Abstandsregeln seien am Strand kein Problem. Strandhochzeiten unter freiem Himmel tagsüber bietet die Insel nach eigenen Angaben seit einem Jahr an.

Auf Schloss Marienburg bei Hannover sind mittlerweile wieder Feiern im mittelgroßen Rahmen möglich. „Aktuell können wir Hochzeitsfeiern mit maximal 50 Personen anbieten. Dort gelten allerdings auch die Abstandsregeln. Es darf nur ein Menü – kein Buffet – angeboten werden. Und es darf nicht getanzt werden“, sagt Corinna Meyer vom Schlossmarketing. Standesamtliche Trauungen seien mit maximal zehn Menschen möglich. Trotzdem sei die Hälfte der geplanten Trauungen abgesagt worden, weil sich Brautpaare unter diesen Umständen nicht das Ja-Wort geben wollten.

Viele Hochzeitsfeiern in Niedersachsen abgesagt oder verschoben

Ähnliche Erfahrungen hat Susanne Schwabe, zuständig für Hochzeitsplanungen auf Schloss Bückeburg, gemacht. Im Mai habe es keine Trauungen gegeben, derzeit seien standesamtliche Trauungen mit 15 Personen erlaubt – mit Abständen und Masken. Viele Hochzeitsfeiern, die im Schloss geplant waren, wurden abgesagt oder ins nächste Jahr verschoben. „Wir haben Hochzeiten mit Gästen aus aller Welt, die gar nicht anreisen können“, sagt Schwabe.

Die Regelung mit 50 erlaubten Teilnehmern bei Hochzeitsfeiern sei kaum umzusetzen. An einem Tisch dürften nur Personen aus zwei Haushalten sitzen, dann seien die Abstände der einzelnen Tische einzuhalten und es gebe aufwendige Hygienemaßnahmen.

Absagen gab es auch bei den Standesämtern. Seit Beginn der Coronavirus-Krise wurden in Braunschweig 43 Trauungen abgesagt und etwa 35 verschoben, wie Sprecherin Sabrina Bindernagel mitteilt. Im Mai seien 101 Ehen geschlossen worden, im Vorjahresmonat seien es 135 gewesen. Eheschließungen seien im Standesamt mit Gästen unter Einschränkungen möglich: drei Sitzplätze am Trautisch für Brautpaar und Standesbeamtin, sechs Sitzplätze für Gäste und ein Stehplatz für den Fotografen. Für Kinder und Dolmetscher würde keine Ausnahme gemacht werden. Zudem müssten alle eine Maske tragen. „Einige Paare sind auch froh, überhaupt heiraten zu können und jetzt auch wieder mit zumindest einigen Gästen“, erklärt die Sprecherin.

Im Standesamt Hannover wurden im Mai 132 Ehen geschlossen, im Vorjahresmonat waren es 193, wie Stadtsprecher Udo Möller berichtet. „Absagen von Trauungen kommen regelmäßig vor, aber tatsächlich war das in den zurückliegenden Monaten verstärkt zu beobachten.“

Weil die meisten Paare die Hochzeit verschieben, dürfte es im kommenden Jahr eng werden mit den Terminen. Der Run auf besonders beliebte Termine ist auch in vielen Standesämtern groß.

dpa/hh

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