"Hilflos, verzweifelt und sprachlos"

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Bodenfelde - Nina liebte Tiere, konnte gut singen und war in vielerlei Hinsicht ein normaler Teenager. Noch immer fassungslos über den Mord an dem 14-jährigen Mädchen nahmen Angehörige und Freunde in Bodenfelde Abschied.

In einer bewegenden Trauerfeier haben Angehörige und Freunde am Freitag von der ermordeten Nina in Bodenfelde Abschied genommen. “Wir stehen völlig hilflos, verzweifelt und sprachlos vor der grausamen Tat“, sagte Pfarrer Marc Trebing vor rund 500 Freunden, Angehörigen und Mitschülern des 14-jährigen Mädchens. “Ein Mensch hat Ninas Leben zerstört und auch unser Leben tief getroffen.“ Von ihrem mutmaßlichen Mörder Jan O. wurde noch am Freitag ein Geständnis erwartet.

Der 26-Jährige soll Nina und ihren ein Jahr jüngeren Mitschüler Tobias aus dem niedersächsischen Bodenfelde umgebracht haben. Der alkohol- und drogenabhängige Beschuldigte wurde am Freitagmittag erneut dem Haftrichter in Northeim vorgeführt. Die Ermittler sind sich aufgrund von Indizien sicher, dass er der Täter ist. Sie halten ihn für psychisch krank. Falls Sachverständige auch zu diesem Schluss kommen sollten, droht dem 26-Jährigen keine Haft. Dann käme er in den Maßregelvollzug in ein Landeskrankenhaus.

Während der Trauerfeier in der schlichten Dorfkirche des 3400- Seelen-Ortes Bodenfelde war Ninas heller Holzsarg aufgebahrt, geschmückt mit weißen Blumen und von Kerzen umringt. Die Trauergemeinde sang auch eines von Ninas Lieblingsliedern: “We shall overcome“. Sechs Männer trugen anschließend den Sarg quer durch das Dorf zum Friedhof. Entlang des Weges standen mehrere hundert junge und alte Menschen stumm mit Kerzen in einer langen Kette. “Wir setzten ein Licht gegen Gewalt“, lautete ihr Motto. Ninas Mitschüler Tobias (13) soll am Samstag beigesetzt werden.

Das Motiv für die Ermordung der beiden Jugendlichen ist noch unklar. Der Richter beim Amtsgericht Northeim, der den Haftbefehl am Dienstagabend ausgestellt hatte, ging von Mordlust aus. Dieses Motiv kommt nach Ansicht des Kriminalpsychologen Prof. Rudolf Egg extrem selten vor. “Andere Gründe wie Habgier, Eifersucht, Wut oder Hass sind sehr viel häufiger“, sagte der Leiter der Kriminologischen Zentralstelle Wiesbaden am Freitag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Am Freitag wurde bekannt, dass Jan O. kurz vor einer erneuten Einweisung in eine Entziehungsklinik stand. In den Wochen vor den Bluttaten habe der 26-Jährige wiederholt gegen Bewährungsauflagen verstoßen, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Lüneburg. Jan O. hatte Anfang November einen Alkoholrückfall, darüber hinaus hatte er fahrlässig ein Feuer gelegt. Zwar habe er damit gegen Bewährungsauflagen verstoßen, nichts habe aber auf eine Gewalt- Eskalation schließen lassen, sagte die Staatsanwältin.

Die Polizeidirektion Göttingen wies am Freitag Kritik zurück, dass Tobias noch leben könnte, wenn die Polizei intensiver nach Nina gesucht hätte. Roger Fladung, Vizepräsident der Polizeidirektion Göttingen, sagte zu Kritik, die Suche nach Nina sei intensiv und vorschriftsmäßig verlaufen. Er sehe keine Versäumnisse.

Die Leiche des Mädchens hatte knapp eine Woche unentdeckt in der Nähe ihres Elternhauses gelegen. Tobias war Tage nach Nina nur wenige Meter entfernt ermordet worden. Jan 0. soll nach dem Tod der 14- Jährigen im Internet damit geprahlt haben, ein Mädchen “geschlachtet zu haben“.

2007 war der Mann vom Amtsgericht Uelzen zu zwei Jahren und neun Monaten Haft und zur Unterbringung in einer Therapieeinrichtung verurteilt worden. Er hatte damals zahlreiche Diebstähle zur Drogenbeschaffung begangen. Zuletzt war er zur Bewährung auf freiem Fuß. Er hatte unweit von Bodenfelde in Uslar in einer eigenen Wohnung gelebt und stand unter Führungsaufsicht.

dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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