Landgericht Ingolstadt

„Heuchlerischer Gender-Wahn“: VW-Mitarbeiter klagt jetzt gegen Gender-Sprache

Die Gendersprache führt zu hitzigen Debatten in ganz Deutschland. Weil ein VW-Mitarbeiter sich als Mann diskriminiert sieht, klagt er gegen den Konzern. Mit Erfolg?

Ingolstadt/Wolfsburg – Im März verständigte sich der Autobauer Audi darauf, einen „Leitfaden für gendersensible Sprachen“ einzuhalten. Die Gendersprache schaffe „Raum für alle nicht-binären Geschlechtsidentitäten“, so der große Autokonzern aus Ingolstadt. Dass nicht alle Mitarbeiter mit ihrer Einführung einverstanden sind, macht jetzt ein VW-Mitarbeiter deutlich. Der Mitarbeiter der Audi-Mutterfirma möchte dem „heuchlerischen Gender-Wahn“ ein Ende setzen und zieht vor Gericht.

Autohersteller:Volkswagen
Hauptsitz:Wolfsburg
Gründung:28. Mai 1937, Berlin
CEO:Herbert Diess

Gendersprache sei eine Diskriminierung „unter umgekehrten Vorzeichen“

Eigentlich arbeitet der Mitarbeiter des Volkswagen-Konzerns, der aus Wolfsburg eine Autostadt machte*, nicht direkt im Audi-Team, sitzt aber in gemeinsamen VW-Gremien mit der Beschäftigten der Tochterfirma Audi. Was er dort neuerdings erfährt, sei Diskriminierung „unter umgekehrten Vorzeichen“ – zumindest aus seiner Sicht. Dass kürzlich Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank die Gendersprache auch in Hamburgs Behörden forderte*, dürfte ihm also gar nicht gefallen.

Die Einhaltung der gendergerechten Sprache grenze den Mann aus. So besagt der Audi-Leitfaden zur genderechten Sprache, dass man den männlichen Wortstamm durch das Hinzutun der weiblichen Endung vervollständigt. Aus den VW-Mitarbeitern werden dann etwa VW-Mitarbeiter_innen. Doch gendergerechte Sprache kann noch viel weiter gehen als die spezifische Anrede: Aus Rücksicht soll etwa die Muttermilch von nun an „Menschenmilch“ genannt werden* – zumindest in England.

VW-Mitarbeiter klagt gegen Gendersprache: „Neue Ungerechtigkeiten“ statt Vorteil

Die Einführung der gendergerechten Sprache, die kürzlich in Frankreichs Schulen verboten wurde*, sei für den Autokonzern aus Ingolstadt eine „Frage des Respekts und Ausdruck einer Haltung gegen Diskriminierung und für Vielfalt“. Doch geht es nach dem Kläger, ist die Anpassung der Sprache kein Vorteil, sondern fördere „neue Ungerechtigkeiten“.

Nicht nur Scooter-Frontmann H.P. Baxxter hat eine klare Meinung zum Gendern, auch die Anwälte des VW-Mitarbeiters sind überzeugt: Dass nun also die spezifische männliche Ansprache wegfällt, sei eine „fortgesetzte Diskriminierung“.

Weil er sich von der Gendersprache benachteiligt fühlt, geht ein VW-Mitarbeiter nun vor das Landgericht Ingolstadt.

Gendersprache steht bundesweit zum ersten Mal vor Gericht

Nun will sich der Kläger vor dem Landgericht Ingolstadt behaupten, um „diesen opportunistisch-heuchlerischem Gender-Wahn einen Riegel vorzuschieben“. Der Prozess könnte großes Interesse erregen. So geben laut einer aktuellen Umfrage nur 14 Prozent ein klares Ja zur gendergerechten Sprache*.

Wie seine Anwälte gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“ Preis gaben, könnte der Fall zudem in die Geschichte eingehen. Schließlich habe bislang bundesweit noch kein Gericht konkret zur gendergerechten Sprache eine Entscheidung getroffen.

„Mit der Klage betreten wir absolutes Neuland“, so der Anwalt. Ob der VW-Mitarbeiter den Prozesssaal allerdings als Gewinner verlassen wird, bleibt aktuell mehr als fraglich. *24hamburg.de, kreiszeitung.de, extratipp.com, hna.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: ©  Jaroslav Novák/dpa/TASR

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