Mit 100 Sachen kopfüber hinab

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Die Bauarbeiten für den neuen „Wingcoaster“ haben bereits begonnen.

Soltau - Von Ulla Heyne. Fachforen und unter Achterbahnfreunden wurde es schon länger gemunkelt, nun ist es offiziell: Die neue Attraktion, die der Heide Park in Soltau gestern anlässlich seines 35. Geburtstags für die Saison 2014 ankündigte, wird wieder eine Achterbahn sein. Und die setzt Maßstäbe, glaubt man der Geschäftsführerin Sabrina de Carvalho: „Sie ahnen gar nicht, was man auf 772 Metern alles erleben kann!“

Die virtuelle Fahrt mit acht Flugmanövern und fünf Kopfüber-Effekten, zu der Bastian Lampe, technischer Leiter Fahrgeschäfte, bei der Präsentation der Pläne einlädt, verdeutlicht das Spektakel: „Zuerst ein Wingoverdrop, also die Drehung auf den Kopf, bevor man kopfüber mit 100 Stundenkilometern 40 Meter fast senkrecht in die Tiefe stürzt, links und rechts enge Wände – und dann der Sturz auf die Brücke zu, bevor man darunter abtaucht, um wie der legendäre Kampfflieger Immelmann wieder senkrecht in die Höhe zu sausen…“

Die Besonderheit des „Wingcoaster“: Die Fahrgäste sitzen nicht über oder unter den Schienen, sondern in flexiblen Westen seitlich, wie auf Flügeln. „Dadurch wird die Konstruktion extrem breit, und man kann extrem dicht auf Hindernisse zurasen“, schwärmt Lampe. „Near Miss“-Effekt heißt das im Fachjargon, und knapp verpasst werden Brücken, Figuren, Wände und der Boden.

Bei der Konzeption kommt den Planern das bestehende Areal zugute – denn die neue Attraktion, die im März eröffnet werden soll, entsteht am Standort der in die Jahre gekommenen und nun rückgebauten Wildwasserbahn II, bestehende Gebäude werden zum Teil genutzt, behutsam soll sich die Konstruktion in die Umgebung einfügen.

Wingcoaster im Heidepark vorgestellt

Mit dem „Wingcoaster“, weltweit erst sechs Mal in Betrieb, setzt der Heide Park neben der Ausrichtung auf Familien auch weiterhin auf das Konzept der Superlative. Schon mit „Grottenblitz“ (1985), der ersten Hängeachterbahn „Limit“ (1999), dem Holzungetüm „Colossos“ (2001) und der „Krake“ (2011) bewegte sich der Freizeitpark an der Vorderfront innovativer Groß-

attraktionen. Die Deutschlandpremiere lässt sich die Merlin Entertainment Group einiges kosten: Mit 15 Millionen Euro handelt es sich um die bisher größte Investition im Park. 12 000 Kubikmeter Boden wurden seit Baubeginn im Mai 2012 bisher bewegt, 650 Tonnen Stahl verbaut, die Pfahlfundamente stellenweise bis neun Meter tief im Boden verankert. Jedes der knapp einhundert einzelnen Fundamente hat ein anderes Höhenniveau, die Schienen eines Schweizer Herstellers werden von Hand nachjustiert: „Mehr als zwei Millimeter Toleranz sind für uns nicht akzeptabel“, so Projektleiter Thorsten Berwald. Dieser Aufwand führe zu einem besonderen Fahrgefühl: „Bei aller Spannung gleitet man ganz sanft“, weiß er nach einer Probefahrt in einem englischen Park. Welches Motto die Attraktion, die im Themenbereich „Transsilvanien“ angesiedelt ist, bekommen soll? Darum machen die Betreiber ebenso ein Geheimnis wie um die jährliche Anzahl der Parkbesucher.

Quelle: kreiszeitung.de

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