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Hausbau: Kosten schießen hoch, Zinsen für Kauf steigen - wo es besonders teuer ist

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Von: Andree Wächter

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Niedrige Zinsen lassen den Hauskauf erschwinglich werden. Langsam steigen sie wieder. Die Nachfrage nach Häusern könnte bald abflachen.

Bremen - Die Meldung lässt erst einmal nichts Gutes ahnen: Bankenaufseher warnen vor steigenden Risiken am Immobilienmarkt. Sofort sind die Gedanken beim Platzen der Immobilienblase 2007 in den USA. Das Geschäft mit dem Wohnungsbaudarlehen ist für viele deutsche Geldhäuser nach wie vor ein wichtiger Baustein in der Jahresbilanz. Seit einiger Zeit steigen die Zinsen für einen Kredit wieder an. Eine weitere Steigerung ist nicht ausgeschlossen, wenn die von der Bankenaufsicht Bafin beschlossene höhere Eigenkapitalpuffer für Wohnungsbaudarlehen greift. Dies soll im Februar 2023 sein.

Grundstückspreis Landkreis Nienburg95 Euro Durchschnitt/Quadratmeter
Diepholz88 Euro
Heidekreis139 Euro
Verden308 Euro (Quelle: aktuelle-grundstueckspreise.de, 27. April)

Ganz so dramatisch sieht es die Seite zinsentwicklung.de nicht. „Die Bauzinsen werden sich weiterhin seitwärts auf niedrigem Niveau bewegen – mit leichter Aufwärtstendenz.“, sagt Michael Neumann, Vorstand der Dr. Klein Privatkunden AG. Erst- und Anschlussfinanzierer können also auch 2022 von den historisch günstigen Bauzinsen profitieren. Zum Vergleich: 2008 lagen die Zinsen für einen Hauskauf bei fünf Prozent. Die aktuellen Bauzinsen liegen bei rund zwei Prozent effektiven Jahreszins, abhängig von der Darlehenshöhe und Länge der Zinsbindung.

Also gute Nachrichten für Bauherren, wenn die Ausgabenseite nicht im Rekordtempo steigen würde. Neben den Kosten für Steine, Türen und Fenster kommt noch der Preis für das Bauland. In Niedersachsen liegt er durchschnittlich bei 169 Euro pro Quadratmeter. Der Preis hängt von der Gesamtquadratmeterzahl und von der Lage ab. Bei über 5000 Quadratmetern zahlt man „nur“ noch 82 Euro pro Quadratmeter im Durchschnitt. 310 Euro werden bei 250 bis 500 Quadratmetern fällig.

Hauskauf: Teures Pflaster in Delmenhorst und Oldenburg

Die durchschnittlich teuersten Quadratmeterpreise weisen auf: Delmenhorst, Region Hannover und Oldenburg. Die günstigsten Kaufpreise findet man in Northeim, Lüchow-Dannenberg und Holzminden, berichtet die Seite Aktuelle Grundstückspreise. Neben den Grundstückspreisen ist auch der Wert der Eigenheime gestiegen.

Wer baut oder ein Haus kaufen möchte, sollte darauf achten, dass es nicht zu teuer wird. Beim Bauen ist es wegen der angespannten Lage bei den Baumaterialien schwieriger zu steuern. Ein Resthof oder Haus sollte nicht deutlich über dem Objektwert liegen. Im Zweifelsfall kann ein Gutachter den Wert bestimmen und auch mögliche erforderliche Reparaturen dokumentieren. Bei vielen Kreditanbietern sind genau diese Reparaturkosten nur schwer in den Kredit zu inkludieren. Einfach gesagt: Der Kaufpreis wird finanziert, die weiteren Kosten müssen die Käufer einbringen.

Die aktuelle Zinslage macht einen Hauskauf attraktiv.
Die aktuelle Zinslage macht einen Hauskauf attraktiv. © Markus Scholz / dpa

Der Bafin beobachtet das boomende Immobiliengeschäft seit Längerem mit einem kritischen Auge. „Das Kreditvolumen wächst mit sechs Prozent weiter stark. Aber das Wachstum findet in einem Markt statt, der wegen der steigenden Immobilienpreise immer verwundbarer wird“, warnte der für Bankenaufsicht zuständige Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling im Interview mit dem Handelsblatt

Kosten für Hausbau explodieren: Nachfrage nach Häusern könnte sinken

Dass die Nachfrage nach Häusern in den kommenden Jahren abflacht, ist eine Option, die der Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) sieht. Allerdings würden die Preise weiter klettern. Als Grund nannte der VDP die starke Nachfrage von Investoren nach Immobilien, der Mangel an Mietwohnungen und die steigenden Baupreise. Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die Wirtschaft mit einer Massenarbeitslosigkeit können erhebliche Auswirkungen auf den Immobilienmarkt haben.

Der VDP hat noch eine Beobachtung gemacht. Die Kreditnehmer müssen weniger von ihrem Jahresnetto-Einkommen für die Tilgung aufbringen. In den vergangenen zwei Jahren sank die Kreditbelastungsquote von 26 auf 25 Prozent.

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