Im Harzer Blumentopfmoor glitscht und schwirrt es wieder

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Die Diplomingenieurin für Naturschutz und Landschaftsplanung, Katja Osterloh, und der Forstwirt Axel Schauerte arbeiten im Blumentopfmoor bei Drei Annen Hohne im Nationalpark Harz (Sachsen-Anhalt). Sie nehmen Gasproben aus extra dafür eingerichteten Entnahmestellen. Das 19 Hektar große Gebiet wird seit 2005 revitalisiert. Es war über mehrere Jahrzehnte zugunsten der forstwirtschaftlichen Nutzung trockengelegt worden und wird nun wiedervernässt.

Drei Annen Hohne/Wernigerode - Von Sabrina Gorges. Erst trockengelegt, jetzt wiedervernässt: Im Blumentopfmoor im Harz glitscht es wieder. Wollgras und Libelle sind zurück, die Forscher zufrieden.

Mit einer Art Spritze zieht Katja Osterloh Luft in kleine Glasbehälter. Hauchdünne Schlauchenden stecken in kleinen Öffnungen großer Plastikdeckel, die Behälter dazu gut einen halben Meter tief im Boden. Osterloh trägt Gummistiefel und steht auf Holzbrettern. Drumherum sumpfige Nässe, scharfkantige Gräser und abgestorbene Fichten. Irgendwo plätschert es. Eine Libelle schwirrt umher, ein Zaunkönig singt. Die perfekte Morast-Idylle - „jetzt wieder“, sagt die 31 Jahre alte Diplomingenieurin für Naturschutz und Landschaftsplanung. „Jahrzehntelang hat der Mensch hier alles trocken gehalten, um Fichten zupflanzen.“ Die Bäume bekommen nun nasse Füße.

Osterloh begleitet im Nationalpark Harz die Wiedervernässung eines Feuchtgebiets, das den Namen Blumentopfmoor trägt. Die Revitalisierung des glitschigen Lebensraums läuft seit 2005. Osterloh, die seit Juni 2009 an dem Projekt arbeitet, sagt: „Das passt irgendwie in keine Schublade. “Experten bemühen in diesem Fall nicht sogern die Definition des Wortes „Moor“, sie nennen es lieber „Feuchtgebiet“. Der Übergang vom trockenen zum feuchten Lebensraum ist fließend, das Areal gegenwärtig eher Sumpfland. Messungen an gut 600 Stellen ergaben, dass die Torfschicht meist etwa einen Meter dick ist, hier und da sogar zweieinhalb Meter.

Bis September 2015 hat Osterloh noch auf rund 650 Metern Höhe in dem Großschutzgebiet des Mittelgebirgeszu tun, dann will sie darüber ihre Doktorarbeit schreiben. Geld für dasumfangreiche Projektfließt aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums. Zahlen wurden nicht genannt.

Ein Teil der Forschungsarbeit ist das Gas-Monitoring. So steht es auch auf der großen Box, in der Osterloh die scheinbar mit Nichts gefüllten Fläschchen zwischenparkt. Später wird sie den Inhalt im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Halle auf Methan, Lachgas und Kohlendioxid untersuchen. Wichtige Gradmesser, wenn es um Wohl und Wehe der Revitalisierung geht. „Im natürlichen Zustand speichern Feuchtgebiete und Moore Kohlendioxid und tragen zum Klimaschutz bei“, sagt sie. „Sinkt der Wasserstand, werden mehr organische Substanzen durch Bakterien zersetzt und mehr Kohlendioxid und Lachgas frei.“ Das sind wichtige Daten für die Expertin.

Einmal im Monat kommt sie mit zwei Kollegenaus Halle in die Nähe des Harzortes Drei Annen Hohne - Sommer wie Winter. Mit dem Auto geht es hinauf ins Blumentopfmoor, das derumgeleitete Quellbach der Holtemme jetzt wieder mit Wasser versorgt. Die beiden Herren nehmen Boden- und Wasserproben, die im Labor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg unter die Lupe kommen. Mit dem Laptop werden die Messstationen im Gebiet vomDatenwust befreit.

Oft ist auch Forstwirt Axel Schauerte vom Nationalpark dabei. „Das ist mal was anderes“, sagt er, und drückt vorsichtig den Deckel einerder insgesamt zehn Gas-Entnahmestellen zu. Er balanciert auf einem Geflecht aus Bretterstegen. „Wenn man daneben tritt, kann man schnell mal eine Methanblase aufdrücken.“

Die Wiedervernässung des gut 19 Hektar großen Blumentopfmoores ist schon von Erfolg gekrönt. Torfmoose, Wollgras undLibellen fühlen sich hier wieder wohl. „Als die Arbeiten 2005 begannen, war das Blumentopfmoor stark ausgetrocknet“, sagt Friedhart Knollevon der Nationalparkverwaltung. „Erst wurden die wasserdurchlässigen Stellen verschlossenund dann der Quellbach hineingeleitet. “Bis aus dem Feuchtgebiet wieder ein vollumfänglich intaktes Moor entsteht, kann es mehrere Hundert Jahre dauern. „Was mit dem Willen und der Kraft der Natur dort am Ende entsteht, liegt nicht mehr in unseren Händen.“

Ein Aspekt, der auch Hans-Ulrich Kison wichtig ist. „Der Mensch kann keine Natur herstellen. Erkann aber Voraussetzungen schaffen, dass natürliche Vorgänge wieder in Gang kommen“, sagt der stellvertretender Nationalparkleiter. Der Natur will hier bald niemand mehr ins Handwerk pfuschen.„Viele Arten von Tieren, Moosen und Flechten sind darauf angewiesen, dass die Standorte lange ungestört bleiben.“ Und das sei nach Ablauf des Wiedervernässungsprojekts im Blumentopfmoor garantiert, sagt er.

dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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