Von bösen Geistern und guten Geschäften

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Gute Geschäfte machen Kostümhändler seit einigen Jahren im Oktober.

Hannover - Von Felix Gutschmidt. Da ist er wieder, der Reformationstag- und Allerheiligenstörer. Halloween ruft nicht nur Gespenster und andere Schauergestalten, sondern regelmäßig auch die Kritiker auf den Plan.

Sogar die Wächter der Fastnacht im Bund Deutscher Karneval distanzieren sich ausdrücklich von dem kostümierten Treiben, das, so schreiben sie in ihrer Ethik-Charta, „mit unserem fastnachtlichen Brauchtum nichts zu tun“ hat. Umso überraschender ist es, dass ausgerechnet die Fachgruppe Karneval des Deutschen Verbands der Spielwarenindustrie (DVSI) mit Sitz in Stuttgart für sich in Anspruch nimmt, Halloween nach Deutschland geholt zu haben.

Halloween 2011: Jetzt kommen die sexy Zombies

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Wie so viele folgenschwere Ideen, wurde auch diese aus der Not geboren. Händeringend suchten Luftschlangenfabrikanten, Vampirzahntechniker und andere Vertreter der Juxindustrie Mitte der Neunziger Jahre nach neuen Absatzmöglichkeiten. Die Branche kämpfte mit den Folgen der 1991 wegen des Golfkriegs abgesagten Fastnachtssaison.

„Das hat Umsätze und Arbeitsplätze gekostet“, sagt Dieter Tschorn, Sprecher der Fachgruppe Karneval. Um aus der Krise zu kommen, entwickelte er ein einfaches Konzept: Wenn es der Fachgruppe gelingen würde, den Festkalender in Deutschland um einen Termin vor dem offiziellen Karnevalsbeginn am 11. November zu bereichern, wäre die Saison um ein Ereignis und ein paar Tage reicher. Das wiederum wäre gut fürs Geschäft.

29 Millionen Euro Umsatz

Der Coup funktioniert: Etwa 29 Millionen Euro hat die Spielwarenindustrie in Deutschland nach eigenen Angaben alleine 2009 an Halloween umgesetzt. 2005 waren es 20 Millionen. Das sind immerhin zehn Prozent des Gesamtumsatzes der in der Fachgruppe Karneval vertretenen Betriebe. Vor allem sind es „Umsätze, die vorher einfach nicht da waren“, sagt Tschorn. Die Wirtschaftskrise habe die Branche kaum tangiert, verkündet der Verband zufrieden in seiner Bilanzpresseerklärung. Für ein weiteres Fest scheinen die Menschen immer Geld übrig zu haben.

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Mittlerweile beschäftigt das einträgliche Zusatzgeschäft auch Branchen außerhalb des DVSI. Zum Beispiel die Landwirtschaft, denn die Kürbisanbaufläche wächst beständig. Oder die Gastronomie, die eifrig Halloween-Events vom gesetzten Essen bis zur großen Sause vermarktet. Selbst Freizeitanlagen wie der Heidepark profitieren, weil sie ihre Saison bis in den Herbst verlängern können. Das Ende der Entwicklung ist nach Einschätzung von Dieter Tschorn noch lange nicht erreicht. „Ich sehe sehr starkes Potenzial für die nächsten Jahre.“ Die Prognose sollte den Halloween-Kritikern eine Warnung sein.

Denn Dieter Tschorn hat schon jetzt viel mehr erreicht, als er am 4. September 1994 zu träumen wagte. Damals schickte er die ersten Artikel zum Thema an Zeitungsredaktionen in ganz Deutschland, und brachte so das Projekt Halloween auf den Weg. „Das kam interessanterweise sehr gut an“, erinnert er sich. „Wir waren selbst überrascht.“

Häppchenweise streute er in den nächsten Jahren weitere Artikel und stellte zufrieden fest, dass er dem Auftrag der Gruppe Karneval, aus der Halloween-Nummer „PR-mäßig was zu machen“, mehr als gut nachgekommen war. Dabei war schon die Wahl des Festtags „ein reiner Zufall“.

Auch die angeblich langfristig angelegte, ausgeklügelte PR-Strategie ging offenbar nicht über das Verfassen und Versenden von Texten hinaus. Dieter Tschorn scheint mit Glück und Verstand den Nerv der Zeit getroffen zu haben und hat so „unglaubliche Dinge freigesetzt“, sagt er selbst.

Die in Deutschland Jahr für Jahr reflexartig aufkommende Kritik an den Halloween-Umtrieben stört Dieter Tschorn nicht. Er sagt: „Ich sehe mehr den Spaß und die Freude. Heute bin ich Rentner und mache das nur noch just for fun.“

Quelle: kreiszeitung.de

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