Grüne Agrarminister fordern bessere Kennzeichnung von Fleisch

+
Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer

Hannover - Von Marco Hadem. Für die Agrarministerkonferenz in der kommenden Woche in Potsdam haben sich die beiden grünen Agrarminister von Niedersachsen und Baden-Württemberg, Meyer und Bonde, viel vorgenommen:Sie wollen ihre Kollegen davon überzeugen, Fleischprodukte besser zu kennzeichnen.

Niedersachsen und Baden-Württemberg fordern eine bessere Kennzeichnung von Fleischprodukten mit Informationen zum Tierschutz. Beide Länder wollen in der kommenden Woche auf der Agrarministerkonferenz in Potsdam bei ihren Amtskollegen dafür werben. Nach Ansicht von Niedersachsens grünem Agrarminister Christian Meyer profitieren davon Verbraucher und Landwirte, wie er im Interview der Deutschen Presse-Agentur erklärt.

Herr Meyer, soll künftig jedes Schnitzel abgestempelt werden?

Nicht ganz. Vorbild ist die Eierkennzeichnung, bei der Verbraucher auf einen Blick die Haltungsform der Tiere erkennen können. Dies sollte auch bei Fleisch auf der Verpackung erkennbar sein, um ein Mehr an Tierschutz zu honorieren. Wir wünschen uns eine möglichst einfache staatliche Kennzeichnung in mehreren Stufen, damit der Verbraucher sehen kann, wie die Tiere vor der Schlachtung gehalten worden sind. Vorbild sind das staatliche Bio-Siegel und verschiedene Tierschutzlabel.

Was versprechen Sie sich davon?

Bei Eiern ist die Pflichtkennzeichnung ein großer Erfolg. 90 Prozent der Verbraucher kaufen inzwischen keine Käfig-Eier mehr. Einen ähnlichen Effekt für mehr Honorierung von Tierschutz erhoffen wir uns beim Kauf von Fleischprodukten.

Birgt die Kennzeichnung der Verpackungen von Fleisch nicht ein zu großes Missbrauchrisiko?

Notwendig ist natürlich eine strikte Rückverfolgbarkeit und Kontrolle. Bereits jetzt werden umfangreiche Daten zum Herstellungsbetrieb und dem Schlachtzeitpunkt erhoben. Wenn der Betrieb bekannt ist, kann man nachprüfen, ob die angegebenen Informationen zur Haltung auch stimmen. Die gesamte Kette vom Produzenten bis zum Verkauf muss nachvollzogen werden können.

Wie könnte eine Kennzeichnung aussehen?

Da könnte etwa stehen „Huhn oder Schwein aus industrieller Stallhaltung“ oder „Rind aus Weidehaltung ohne gentechnisch verändertes Futter“. Eine solche Kennzeichnung würde auch eine Irreführung der Verbraucher verhindern. Denn auf der Verpackung dürfte dann keine Kuh und kein Huhn auf einer Weide mehr abgebildet werden, wenn das gar nicht stimmt.

Und was haben die Landwirte davon?

Die Nachfrage nach Produkten mit hohen Tierschutzstandards wächst. Tierschutz ist ein guter Markt, für die Waren werden höhere Preise erzielt.

Wie ist die Meinung ihrer Amtskollegen?

Der Antrag stammt aus Baden-Württemberg und wird von Niedersachsen unterstützt. Ob es eine Mehrheit gibt, wird die Agrarministerkonferenz zeigen.

Müssten sich die Verbraucher auf Mehrkosten einstellen?

Bei den Eiern hat nach meiner Kenntnis die Kennzeichnung auch nicht zu erheblichen Preissteigerungen geführt. Im Gegenteil, sie hat dazu beigetragen, dass die Branche höhere Erträge verbucht. Ja, Tierschutz kostet Geld. Aber nach meiner Erfahrung sind die Verbraucher zu Mehrausgaben für wirksamen Tierschutz bereit, wenn sie diesen auch erkennen können und die Kennzeichnung glaubwürdig ist.

Zur Person:Christian Meyer ist seit Februar 2013 niedersächsischer Agrarminister. Der 39-Jährige gelernte Diplomsozialwirt gilt als vehementer Kritiker der konventionellen Tierhaltung. 2013 geriet er im Zuge der Dienstwagenaffäre seines damaligen Staatssekretärs Udo Paschedag in die Kritik.

dpa

Quelle: kreiszeitung.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare