Verteidigung von „Australiens Tradition“

Weil er Fleisch grillt: Veganerin zieht gegen Nachbarn vor Gericht

Der Geruch vom gegrillten Fleisch war für eine Veganerin Grund genug ihre Nachbarn anzuzeigen. Die Nachbarschaft wehrt sich – um ihre „Tradition“ zu verteidigen.

Perth, Australien – Vorbei sind die Zeiten, in denen sich Vegetarier und Veganer für ihre Essenskultur dumme Sprüche anhören – oder gar rechtfertigen müssen. Laut einer Studie des Berliner Unternehmens „Veganz“ ernähren sich bereits 4,4 % der Bevölkerung vegetarisch. Etwa 3,2 % aller rund 83 Millionen Einwohnern Deutschlands haben ihre Mahlzeiten längst auf vegane Kost umgestellt. Das Statistische Bundesamt hat es bereits bestätigt: Mittlerweile essen Deutsche deutlich öfter vegan oder vegetarisch*. Die Umstellung der Ernährung ist also längst nicht mehr als ein bloßer Trend zu verstehen.

Stadt in Australien:Perth
Fläche:6.418 km²
Gegründet:12. Juni 1829
Bevölkerung: 1,985 Millionen (2016)

Dass Landwirte in Zeiten des Tierwohls immer öfters mit Billigfleisch-Angeboten zu kämpfen haben*, zeigt bereits, warum immer mehr Menschen auf den Fleischkonsum verzichten. Auch der Discounter Aldi erkannte die Zeichen der Zeit und kündigte an, das Billig-Fleisch aus seinem Sortiment zu entfernen. Ob sie künftig auf dem Hamburger Fischmarkt zum veganen Tofu-Fischbrötchen greifen* werden, ist Zukunftsmusik. Auffällig ist jedenfalls, dass selbst die hartnäckigsten Fleischesser immer mehr Verständnis für die Ernährung der Vegetarier und Veganer aufbringen.

Kurioser Gerichtsfall in Australien: Frau zeigt Nachbarn an – wegen Grillgeruch

Inwiefern die Fronten zwischen den Ernährungstypen mitunter immer noch verhärtet sind, zeigte zuletzt ein Fall in Australien. Eine Nachbarin wollte nur ihre Zeit im Garten genießen – bis ihr ein gleichermaßen vertrauter wie verhasster Geruch in die Nasen stieg. Wie rnd.de im Jahr 2019 berichtete, war ihr sofort klar, was in der Nachbarschaft los war: Beim Nachbar gab es frisch gegrillten Tierkadaver zum Essen. Scheinbar gehört er zu den 73% der Männer, die lieber sterben würden, als auf Fleisch zu verzichen.

Nach Anzeige der veganischen Nachbarin: Nachbarschaft plante Mega-BBQ mit Tausenden Besuchern. (Symbolbild)

Schon den Geruch wertete die Veganerin als Angriff, sodass es nicht lange dauerte, bis sie die Konsequenzen zog: Ohne dass sie jemals mit ihrem Nachbar gesprochen hätte, wählte die Veganerin den kürzesten Weg zum Gerichtssaal und verklagte ihn. Natürlich war der grillende Nachbar alles andere erfreut, als ihm wenig später eine Anzeige erreichte. Getrieben von den Nachbarschaftsstreitigkeiten der vergangenen Tage setzte dieser prompt zum Gegenschlag an.

Verteidigung von „Australiens Tradition“: Nachbarschaft plant nach Klage Mega-BBQ

Er plante ein Mega-BBQ, ein Event für alle Fleischessen aus ganz Australien. Schnell machte die Nachricht auf Twitter und Facebook die Runde. In Medienberichten heißt es, dass bis zu 10.000 Teilnehmer an einer Teilnahme zum großangelegten Mahl interessiert gewesen waren. Sie alle wollten das BBQ als große „Tradition Australiens“ verteidigen.

Im Vorfeld warnte noch ein Anwalt, dass es den Teilnehmern teuer zu stehen kommen könnte, wenn tausende von Menschen auf das Grundstück der Veganerin strömen sollten. Ein gut gemeinter Einwand, doch der BBQ-Plan sah zunächst einen ganz anderen Ablauf vor. Auf der Straße, einem öffentlichen Gelände, wie es ein potenzieller Teilnehmer auf Twitter beschreibt, sollte gegrillt werden.

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Gigantische Ventilatoren sollten dafür sorgen, dass die Veganerin das Grillfest auch aus der Ferne hautnah miterleben kann. Zu dem Mega-BBQ-Event sollte es allerdings nicht kommen. Die Nachbarschaft kam zur Einsicht, dass 10.000 grillende Menschen in der Nachbarschaft wohl doch des Guten zu viel wären. *24hamburg.de, 24vita.de und kreiszeitung sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © IMAGO/JOKER und IMAGO/Panthermedia

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