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Greenwashing: Was es ist – Wie man es erkennen und entlarven kann

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Von: Maria Sandig

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So manche Produkte scheinen oft grüner und nachhaltiger, als sie sind. Wie sie Greenwashing erkennen und welche Ziele es verfolgt.

Für rund zwei Drittel der Menschen in Deutschland gehören Umwelt- und Klimaschutz zu den wichtigsten Themen. Das sagen zumindest Zahlen des Umweltbundesamtes. Für mehr Deutsche ist der Klimaschutz sogar wichtiger geworden als vor der Corona-Pandemie. Das zeigt die Umweltbewusstseinsstudie 2020. Viele Menschen gestalten ihren Konsum dementsprechend. Vielen ist aber gar nicht klar, dass zahlreiche Unternehmen mit nachhaltigen Produkten werben, obwohl diese gar nicht umweltfreundlich sind.

Was ist Greenwashing?

Diese Form der Irreführung nennt sich Greenwashing. „Wenn Unternehmen mit Produkten der Umwelt schaden und gleichzeitig versuchen, diese in ein grünes Licht zu rücken, ist das Greenwashing“, sagt Peter Gerhardt. Er ist Geschäftsführer vom Verein Denkhausbremen und beschäftigt sich schon länger mit dem Thema Greenwashing.

Das können Werbebotschaften sein, die scharf an der Wahrheit vorbeigehen oder Gütesiegel, die für Verwirrung sorgen sollen. „Es gibt auch Pseudo-Organisationen, die bestimmte Umweltaussagen zertifizieren oder bescheinigen, aber von der Industrie abhängig sind“, sagt der Experte.

Beispiele für Greenwashing: Hier werden Produkte in ein grünes Licht gerückt

Ein Blick in den Handel: Oft steht auf Papier die Werbebotschaft „recyclingfähig“. „Jedes Papier ist grundsätzlich recyclebar und die Aussage damit nichts wert“, sagt Peter Gerhardt. „Viel interessanter wäre, wo das Papier herkommt.“ Denn das sei viel wichtiger, um eine Kaufentscheidung zu treffen.

Besonders verwerflich sei auch den Umgang mit Palmöl: „Es gibt einen runden Tisch für nachhaltiges Palmöl“, sagt er über ein besonders perfides Beispiel für Greenwashing. Die Gewinnung von Palmöl hänge aber überwiegend mit Regenwald-Rodungen, Menschenrechtsverletzungen und der Zerstörung des Lebensraums von Tieren zusammen. An diesem Tisch säßen viele Unternehmen, die ihre Interessen durchsetzen, jedoch kaum Verbände. „Es wird als nachhaltiges, verantwortungsvolles Palmöl vermarktet, ist es aber nicht.“

Fünf Tipps von der Verbraucherzentrale: So konsumierst du nachhaltiger

1. Regionale und saisonale Ernährung bewirkt viel, wenn jemand umweltfreundlich leben möchte. Wenn möglich in Bio-Qualität. Auch ein kritischer Fleischkonsum spielt eine Rolle: Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, diesen auf 300 Gramm pro Woche beziehungsweise 15 Kilogramm im Jahr zu reduzieren. Aktuell liegt er durchschnittlich bei 58 Kilogramm pro Person jährlich.

2. Werbeaussagen sollten kritisch hinterfragt werden. Bei Kleidung oder Bedarfsgegenständen ist das offizielle Siegel „blauer Engel“ ein guter Wegweiser.

3. Vom Rat für nachhaltige Entwicklung gibt es den nachhaltigen Warenkorb, dort sind alle verlässlichen Siegel aufgeführt.

4. Wichtig ist zudem, auf die Langlebigkeit und den Energieverbrauch von Produkten zu achten. Viele Produkte sind darauf ausgelegt, nicht reparabel zu sein. Oft ist es teurer, sie zu reparieren, als sie neu zu kaufen. Repair-Cafés sind ein Anlaufpunkt, wenn jemand Hilfe bei der Reparatur braucht.

5. Auch bei Kleidung kann auf Langlebigkeit geachtet werden. Konsumenten können vorher überlegen, ob die Kleidung zu den übrigen Teilen im Kleiderschrank passt und ob das neue Stück auch noch im nächsten Sommer getragen werden kann. Second-Hand-Kleidung oder faire Mode mit offiziellen Siegeln können eine Alternative sein.

Greenwashing: „Es gibt für fast jedes Produkt ein Gütesiegel, das wertlos ist“

Das sei auch bei Soja, Fisch, Holz, Papier und neuerdings auch bei Bioenergie, mit Holzpellets aus Raubbau, der Fall. „Es gibt für fast jedes Produkt ein Gütesiegel, das wertlos ist. Leider sind halb wahre Aussagen nicht strafbar“, sagt der Experte.

„Im Lebensmittelbereich sehen wir häufig, dass die Verpackung zwar nachhaltiger, aber die CO2-Bilanz des Produktes dadurch nicht besser ist. Aber es wirkt dann eben so“, sagt Sonja Hannenbecker von der Verbraucherzentrale Bremen. Sie ist Referentin für Lebensmittel und Ernährung und durch ihren Job öfter mit Produkten oder Dienstleistungen konfrontiert, die grüner oder nachhaltiger wirken, als sie sind.

Demonstrierende während einer Protestaktion von Fridays for Future vor der Siemens Zentrale.
Demonstrierende während einer Protestaktion von Fridays for Future vor der Siemens Zentrale. © Matthias Balk/ dpa

Greenwashing am Beispiel Bambus

Als Beispiele nennt sie Bambusbecher und Komposttüten. „Bambus wird häufig als umweltfreundliche Alternative für Coffee-to-go-Becher und anderes Geschirr angepriesen. Tatsächlich handelt es sich aber oft nur um Kunststoffe mit Bambus-Beimischung.

Diese können gesundheitsschädlich sein und „dürfen zudem gar nicht verkauft werden“, erklärt die Referentin der Verbraucherzentrale. Auch spreche bislang wenig dafür, dass als kompostierbar beworbene Kunststoffe eine gute Alternative sind. „Sie werden nur in wenigen Kompost-Werken abgebaut, in den meisten als Störstoff aussortiert“, weiß Hannenbecker.

Begriffe nicht geschützt: Wie steht es um Bio-Siegel, Nachhaltigkeit und Greenwashing bei Bio-Lebensmitteln?

Viele Begriffe sind nicht geschützt. „Jedes Unternehmen nimmt den Begriff Nachhaltigkeit in den Mund. Das sagt aber nichts aus“, findet der Experte. Deshalb ist er der Meinung, dass die Politik das Problem in die Hand nehmen muss. „Es sollten nur Produkte in den Handel kommen, die unbedenklich sind“, fordert Gerhardt. Aktuell würden Verbraucherinnen und Verbraucher damit alleine gelassen, obwohl diese oft nicht wüssten, welche Produkte unbedenklich sind.

Bei Bio-Siegeln wie Demeter, Naturland oder Bioland könnten sich die Verbraucherinnen und Verbraucher darauf verlassen, dass es ökologisch zugeht. Das sage aber nichts über faire Arbeitsbedingungen aus. Hier sei das Gepa-Siegel verlässlich.

So lässt sich Greenwashing erkennen

Doch wie lässt sich Greenwashing erkennen? „Das ist leider nicht so einfach“, sagt die Expertin von der Verbraucherzentrale. „Bei Lebensmitteln sollte genau darauf geachtet werden, worauf sich etwas bezieht, wenn es als nachhaltig oder besonders grün beworben wird“, sagt Sonja Hannenbecker von der Verbraucherzentrale. Verbraucher sollten sich kritisch fragen: Ist das wirklich ein Fortschritt? „Doch um es wirklich zu erkennen, braucht es Experten wie Umweltorganisationen oder die Verbraucherzentrale“, rät sie.

Greenwashing von Unternehmen: Konzerne werben zunehmend mit Klimaneutralität – eine Mogelpackung?

Immer mehr Unternehmen, darunter auch große, werben mit Klimaneutralität. Klingt erst einmal super. Dass sich dahinter aber eine Mogelpackung und somit auch Greenwashing verstecken kann, weiß Hannah Simon von der Klimaschutzagentur Energiekonsens aus Bremen. „Unternehmen gleichen CO₂-Emissionen aus, indem sie Zertifikate kaufen, etwa für Aufforstungsprojekte“, erklärt die Expertin. Die Projekte hätten zwar sinnvolle Ansätze, aber: „Nicht aus allen Bäumen wird etwas. Bis sie ein Level erreichen, wo sie überhaupt CO2 binden, dauert es viele Jahre“, sagt Hannah Simon exemplarisch.

Wenn man nichts findet, ist es ein Zeichen, dass nicht so viel getan wird in dem Bereich.

Hannah Simon, Klimaschutzagentur Energiekonsens 

Die Klimaschutzagentur rät Unternehmen deshalb eher, erst einmal den Energiebedarf größtmöglich zu senken. Gebäude können gedämmt und effizientere Technik eingesetzt werden. „Wenn dann noch CO₂-Emissionen übrig sind, ist es ratsam, diese zu kompensieren. Aber die vorherigen Schritte sind deutlich wichtiger, als das reine Kompensieren“, sagt die Expertin von der Klimaschutzagentur.

Greenwashing erkennen: „Kommt darauf an, was die Unternehmen preisgeben.

Auch sie weiß, dass es nicht einfach ist, Greenwashing zu erkennen. „Es kommt darauf an, was die Unternehmen preisgeben. Manche veröffentlichen Nachhaltigkeitsberichte auf ihren Websites. Wenn man nichts findet, ist es ein Zeichen, dass nicht so viel getan wird in dem Bereich“, weiß die Expertin. „Leider gibt es noch keine Logos, auf die man sich verlassen kann“, sagt sie. Wem es wichtig ist, bei dem eigenen Konsum auf Klimaschutz zu achten und Produkte von klimafreundlichen Unternehmen zu erwerben, rät Hannah Simon vom Kauf ab.

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