Misslungener Klima-Protest

Greenpeace-Aktivist landet mit Gleitschirm auf EM-Spielfeld

Ein Greenpeace-Aktivist landete beim EM-Spiel der DFB-Elf gegen Frankreich mit einem Gleitschirm auf dem Spielfeld der Allianz Arena. Geplant war das nicht.

München – Kurz vor Auftakt des ersten Spiels der deutschen Nationalmannschaft bei der EM 2020 ist ein Mann mit einem Gleitschirm in die Münchner Allianz Arena gesprungen. Allerdings lief die Aktion des Greenpeace-Aktivisten nicht wie geplant.

StadtMünchen
BundeslandBayern
Bevölkerung1,472 Millionen (2019)
Vorwahl089

Videoaufnahmen zeigen, dass der Flug daneben ging. Zuerst versuchte der Klima-Aktivist, einen großen gelben Ball ins Stadion zu werfen, das klappte allerdings nicht. Dann geriet er mit seinem Gleitschirm in die Stahlseilkonstruktion am Stadiondach und kam ins Straucheln.

Greenpeace-Aktivist landet holprig auf Stadion-Rasen

Der Aktivist schaffte es gerade noch, einen Absturz in die Zuschauerränge zu verhindern und holprig auf dem Stadion-Rasen zu landen. Dort befanden sich schon die Spieler, das Spiel war aber noch nicht angepfiffen worden. „Leider ist bei dieser Aktion nicht alles nach Plan gelaufen“, gab die Umweltschutzorganisation Greenpeace anschließend zu. Aber nicht nur Greenpeace hat sich beim EM-Auftakt am Dienstag ein Eigentor geschossen – das passierte unglücklicherweise ja auch der deutschen Mannschaft.

Mit der Gleitschirm-Aktion wollte Greenpeace Druck auf Volkswagen machen. Auf dem gelben Gleitschirm stand „Kick out Oil!“, vor dem Schriftzug war ein Volkswagen-Logo zu sehen. VW ist Sponsor der Euro 2020. Greenpeace fordert von dem Automobilhersteller aus Wolfsburg mehr Tempo beim Ausstieg aus klimaschädlichen Verbrennungsmotoren. Aktivisten hatten bei Volkswagen schon mehrfach demonstriert. Bei einer Aktion ketteten sie sich an Bagger und Schienen. 

Die Greenpeace-Gleitschirm-Aktion ging etwas in die Hose.

Die Nationalspieler Antonio Rüdiger und Mats Hummels liefen zunächst zu dem Aktivisten, der dann von zwei Sicherheitsleuten abgeführt wurde. Bei der Protestaktion wurden laut Polizei München zwei Menschen verletzt, beide am Kopf. Eine akute notärztliche Versorgung war aber nicht notwendig. Bereits im März gab es eine Gleitschirm-Protestaktion von Greenpeace an der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.

Greenpeace entschuldigt sich für misslungene Gleitschirm-Aktion

Greenpeace, deren Aktivisten auch immer wieder den Klimakiller „Black Friday“ im Visier haben*, entschuldigte sich anschließend via Twitter für die misslungene Aktion: „Dieser Protest hatte nie die Absicht das Spiel zu stören oder Menschen zu verletzten. Wir hoffen, dass es allen gut geht und niemand ernsthaft verletzt wurde. Greenpeace-Aktionen sind immer friedlich und gewaltfrei. Leider ist bei dieser Aktion nicht alles nach Plan gelaufen.“

Mit der heutigen Protestaktion hat Greenpeace Leib und Leben unbeteiligter Zuschauer und Fans eines Fußballspiels in Gefahr gebracht

Statement von Volkswagen

Auch Autobauer Volkswagen, dessen Ex-Bosse unlängst zu Millionen Euro Schadensersatz verdonnert wurden, nahm Stellung zu dem Vorfall: „Mit der heutigen Protestaktion hat Greenpeace Leib und Leben unbeteiligter Zuschauer und Fans eines Fußballspiels in Gefahr gebracht“, heißt es in einem Statement vom Dienstagabend. Das sei nicht akzeptabel. Volkswagen sei offen für den kritischen und konstruktiven Dialog in Sachen Umwelt und Nachhaltigkeit und bekenne sich klar zum Pariser Klimaabkommen.

Greenpeace-Protest bei EM-Auftakt: „Rücksichtslose und gefährliche Aktion“

Die Europäische Fußball-Union UEFA sprach von einer „rücksichtslosen und gefährlichen Aktion“, die schwerwiegende Folgen für viele Menschen hätte haben können. Auch der Deutsche Fußball-Bund verurteilte den Greenpeace-Protest. „Derjenige hat nicht nur sich, sondern auch andere gefährdet und verletzt. Das ist aus unserer Sicht nicht hinnehmbar“, sagte Verbandssprecher Jens Grittner bei der Pressekonferenz nach dem EM-Start. Der Vorgang werde nun bei der Polizei, bei den Behörden in München und der UEFA geprüft, hieß es.

Greenpeace-Aktion gegen Volkswagen bereits in Emden

Erst Ende Mai hatten Greenpeace-Aktivisten Hunderte Schlüssel von VW-Neuwagen gestohlen: Dazu waren sie in das VW-Verlade-Zentrum in Emden eingebrochen – später hatten sie in einer spektakulären Aktion die gestohlenen VW-Schlüssel auf die Zugspitze gebracht. In einem gemeinsamen Brief forderten mehrere Umweltverbände die deutschen Autobauer im März 2021 auf, bis spätestens 2030 keine neuen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr zu verkaufen. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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