Premierminister entsetzt: „grausame Handlung“

„Grausam“: Schulbehörde verbrennt Asterix-Comics – weil rassistisch

Asterix Comics vor einem Feuer
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Rassismus-Vorwürfe: kanadische Schulbehörde verbrennt tausende Asterix-Comics. (24hamburg.de-Montage)
  • Bjarne Kommnick
    VonBjarne Kommnick
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Eine Schulbehörde verbrennt tausende Comic-Klassiker, weil in ihren Geschichten rassistische Stereotype vorherrschen. Die Aktion wird scharf verurteilt.

Mit einer Anti-Rassismusaktion wollte die kanadische Schulbehörde ein Zeichen gegen die Diskriminierung von Ureinwohnerinnen und Ureinwohnern setzten. Deshalb wurden in Windsor, im Südwesten der Großstadt Ontario 5.000 Bücher und Comics verbrannt, die nach Ansicht der Veranstalterinnen und Veranstalter alles andere als zeitgemäß seien. Der Grund: Indigene Völker werden rassistisch dargestellt. Betroffen sind auch die Comic-Klassiker Lucky Luck, Tim und Struppi und Asterix und Obelix.

StadtWindsor
Fläche146,3 km²
Bevölkerung233.763
ProvinzOntario

Schulbehörde verbrennt Asterix-Comics wegen rassistischer Stereotype

Stilistische Mittel der betroffenen Werke seien insbesondere, dass indigene Völker als dumm, gefährlich, primitiv und übersexualisiert dargestellt werden. Auch die Bezeichnung „Indianer“ ist aus heutiger Perspektive hochgradig rassistisch. Auch andere Bücher und veraltete Lexika waren von der Aktion betroffen. Immer häufiger wird das Bedürfnis nach zeitgemäßen und antirassistischen Lösungen lauter. Schon lange fordert eine Initiative die Umbenennung aller Mohren-Apotheken in Deutschland. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben unter anderem tausende Vogelarten mit rassistischen Namen umbenannt.

Quebecs Premierminister gegen Verbrennung von Asterix-Comics und Büchern durch Schulbehörde

Mit der Bücher-Verbrennung sind längst nicht alle einverstanden: „Für mich ist das Verbrennen von Büchern eine grausame Handlung“, sagt Quebecs Premierminister François Legault. Dabei sei egal, welche Inhalte diese Werke hätten. Aus deutscher Perspektive erinnert Bücherverbrennen schnell an die Nazis 1933, die an verschiedenen Universitäten damals aus Hass unzählige Bücher von überwiegend jüdischen Autoren verbrannten. Zu Vergleichen sind die beiden Verbrennaktion auf keinen Fall, aber wie verhält es sich, wenn die Inhalte an sich rassistisch sind?

Für mich ist das Verbrennen von Büchern eine grausame Handlung.

François Legault, Premierministervo Quebec

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Über richtig und falsch lässt sich bekanntlich oftmals streiten. Aber mit Blick in die Autorenszene wird klar, viele wollen rassistische Inhalte zu mindestens nicht neu publizieren. Wenn es nach Autor Otfried Preußler geht, ist das Anpassen seiner Werke auf eigenen Wunsch keine Sprachzensur, sondern liegt eigenen im Sinne von Preußler. Verbrannt werden die alten Werke jedoch nicht. „Sprache beeinflusst das Bewusstsein und wo ein diskriminierender Begriff vermieden werden kann, halten wir es vernünftig ihn wegzulassen“, schreibt Preußlers Verlag.

Auch die Erfolgswerke vom Autor Theodor Seuss Geisel werden zwar nicht verbrannt, aber aufgrund von rassistischen Abbildungen in „der Grinch“ und „Horton, der ein Hu hört“ nicht mehr in der alten Form gedruckt.

Bücherverbrennung als Versöhnungsakt gedacht

Die Aktion soll als Akt der Versöhnung mit den Ureinwohnerinnen und Ureinwohnern des Landes dienen. Entsprechend gab es dafür auch viel positive Rückmeldung. Für die Behörde habe es keinen anderen Weg gegeben, als die Bücher zu verbrennen. „Wir begraben die Asche von Rassismus, Diskriminierung und Stereotypen in der Hoffnung, in einem integrativen Land aufzuwachsen, in dem alle in Wohlstand und Sicherheit leben können“, erklärte der Schulrat. Auch Spielzeuge sind in vielen Fällen hochgradig rassistisch.

Zudem seien überspitzte Zeichnungen der verschiedenen Völker ein fester Bestandteil dieser Werke, auch eine wiederkehrende Nacktheit und eine Brutalität dient immer wieder zur Darstellung der Ureinwohnerinnen und Ureinwohner. Wenn Kinder im jungen Alter direkt dieses Bild über indigene Völker vermittelt bekommen, würde es sich „in den Köpfen der jungen Leute verewigen“, so der Schulrat der Behörde in Windsor. Nicht selten sind echte Klassiker von solchen Mustern betroffen, auch der Film „Kevin - Allein in New York“ wurde neu vertont, um rassistische Inhalte, die sich nur in der deutschen Übersetzung gefunden hatten, auszumerzen. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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