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Geflügelpest: Niedersachsen muss hunderttausende Tiere töten lassen

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Von: Johannes Nuß

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Hühner stehen auf dem Freigelände eines Geflügelhofs.
Die Geflügelpest wütet aktuell so schwer wie noch nie in Niedersachsen. (Archivbild) © Jan Woitas/dpa

Die Geflügelpest wütet in Niedersachsen. Bis jetzt mussten schon mehr Tiere getötet worden als 2021. Wie lässt sich die Vogelgrippe in Niedersachsen eindämmen?

Hannover – Die hochansteckende Geflügelpest breitet sich in Niedersachsen immer weiter aus und versetzt die Halter in Angst um ihre Tiere. Nach Angaben des Agrarministeriums in Hannover gab es seit dem 1. Juli 2022 landesweit zehn Ausbrüche der Infektionskrankheit Vogelgrippe in sieben Landkreisen – zuletzt in der Grafschaft Bentheim. Bereits Ende August wurde ein Ausbruch auch im Landkreis Oldenburg nachgewiesen.

Auch bei den Seevögeln in der Nordsee grassiert derzeit die Vogelgrippe wie noch nie zuvor. Bis jetzt sind zwischen Festland und Helgoland tausende Tiere verendet. Auch im Landkreis Diepholz wütet die Geflügelpest.

Geflügelpest in Niedersachsen: Seit 1. Juli 2022 mussten im Nordwesten 616.000 Tiere getötet werden

In allen Fällen der Geflügelpest in Niedersachsen sei unter anderem bei Puten und Legehennen das Virus vom Subtyp H5N1 nachgewiesen worden. Insgesamt mussten seit dem 1. Juli 2022 Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) zufolge bereits rund 616.000 Tiere getötet werden – mehr als während der gesamten Epidemie im vergangenen Herbst und Winter. Damals wurden insgesamt etwa 510.000 Tiere gekeult. Die Kosten des Geflügelpest-Geschehens 2021/2022 betrugen dem Ministerium zufolge gut 9,8 Millionen Euro.

„Anders als in all den Jahren zuvor ist das Geflügelpestvirus im Sommer 2021 erstmals nicht mit den Zugvögeln verschwunden, sondern in den heimischen Wildvögeln verblieben“, erläuterte Otte-Kinast am Mittwoch im Agrarausschuss des Landtags.

Die Brutkolonien von Seevögeln an Nord- und Ostsee hätten durch die Vogelgrippe einen massiven, existenzgefährdenden Einbruch erlitten. „Damit hat das Geflügelpest-Geschehen eine neue, sehr besorgniserregende Qualität angenommen“, sagte die CDU-Politikerin.

Vogelgrippe in Niedersachsen: Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft schlägt Alarm

Die Branche sei in großer Sorge, da die Situation sehr ernst sei und die Angst bei Geflügelhaltern entsprechend sehr groß, so Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft, am Mittwoch gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Trotz des hohen Standards von Biosicherheitsmaßnahmen sei das Virus nicht aus den Ställen herauszuhalten, sagte Ripke. Dies gelte in Niedersachsen bei der Vogelgrippe besonders für die Betriebe in der Nähe von Gewässern wie Steinhuder Meer, Dümmer oder Elbe. Dringend notwendig sei ein wirksamer Impfstoff gegen das Virus.

Was ist die Vogelgrippe?

Die Vogelgrippe oder Geflügelpest, die Aviäre Influenza (AI), ist eine Erkrankung der Vögel, die durch Influenza A Viren der Subtypen H5 und H7 verursacht wird.

Bei dieser Erkrankung wird zwischen niedrigpathogenen („wenig krank machenden“) und hochpathogenen („stark krank machenden“) Viren unterschieden. Niedrigpathogene AI-Viren (LPAI) können bei infizierten Tieren mit nur geringen bis gar keinen Krankheitsanzeichen einhergehen. Eine Infektion mit hochpathogenen AI-Viren (HPAI) wird Geflügelpest genannt und führt oft zu schweren Krankheitsbildern mit vielen Todesfällen.

Seit Juni 2022 wurden in Niedersachsen über 50 Wildvögel positiv auf HPAI-Viren untersucht. Dabei waren die Kreise Aurich, Cuxhaven, Diepholz, Friesland, Wesermarsch und die Stadt Wilhelmshaven betroffen.

Insbesondere auf den Ostfriesischen Inseln und entlang der Küste, sowie im Bereich des Banter Sees werden viele kranke oder tote Wildvögel beobachtet. Die Meldung von toten Tieren beim Veterinäramt ist nicht notwendig. Tote Tiere werden systematisch durch die Behörden eingesammelt. (Quelle: Land Niedersachsen)

Auch Otte-Kinast sprach sich für die Entwicklung eines Impfstoffes aus. Eine weitere Maßnahme sei die „Verringerung der Dichte kommerzieller Geflügelhaltungen in Gebieten mit einer hohen Geflügeldichte“. Miriam Staudte, agrarpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag, sagte dazu: „Nicht die hohe Dichte an Wildvögeln ist das Problem, sondern die große Dichte an Geflügelhaltungen in einigen Problemgebieten.“ Der wesentliche Faktor bei der Übertragung von Tierseuchen sei noch immer der Mensch.

Vogelgrippe in Niedersachsen: Zwischen September 2021 und Juni 2022 44 Millionen Tiere europaweit gekeult

Europaweit mussten laut niedersächsischem Agrarministerium wegen Krankheitsausbrüchen in Geflügelhaltungen zwischen September 2021 und Juni 2022 über 44 Millionen Tiere gekeult werden. Laut Robert Koch-Institut (RKI) ist die Übertragung von Vogelgrippeviren vom Tier auf den Menschen nicht sehr effektiv. Die Erreger seien für den Menschen nicht sehr infektiös. Wie lange die Epidemie der Vogelgrippe in Niedersachsen in diesem Jahr dauert, ist noch nicht absehbar.

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