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Für Veganer das Paradies, für andere ein Alptraum: Diese Stadt verbietet Fleisch!

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Von: Anika Zuschke

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Für viele Menschen ist ein Essen ohne Fleisch keine Mahlzeit – diese würden in einer indischen Stadt nicht besonders weit kommen. Denn hier ist Fleisch verboten.

Varanasi – Vegetarische und vegane Produkte sowie eine fleischlose Ernährung liegen in Deutschland stark im Trend. Im Jahr 2020 belief sich die Anzahl vegan lebender Menschen in Deutschland auf über 1,1 Millionen, das sind 180.000 mehr als noch im Jahr davor. In Hamburg soll sogar der bekannte Fischmarkt vegan werden. Doch einen Schritt ist Deutschland noch nicht gegangen: Und zwar Fleisch in einer ganzen Stadt zu verbieten. In Indien ist dies bereits der Fall – aus spirituellen Gründen.

Stadt in Indien:Varanasi
Höhe:81 Meter
Fläche:82 km²
Bevölkerung:1,213 Millionen (2011)

Die Stadt Varanasi gilt nicht nur als eine der ältesten lebenden Städte der Welt, die bis auf das 11. Jahrhundert vor Christus zurückgeht, sie stellt für viele Hindus auch spirituell einen bedeutenden Ort dar. Unzählige Hindu-Pilger zieht es in die spirituelle Hauptstadt Indiens, um dort im heiligen Wasser des Ganges zu baden und Bestattungsrituale vorzunehmen. Im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh gelegen, beherbergt Varanasi rund 2.000 Tempel, darunter den „Goldenen Tempel“ Kashi Vishwanath, der dem Hindu-Gott Shiva gewidmet ist.

Vegetarische Stadt in Indien: Gründe sind religiöser Natur

Viele Einwohner der spirituellen Stadt leben dort als Shivaiten, gehören also einer Strömung des Hinduismus an, in der Shiva die wichtigste Gottheit darstellt. Dem Hinduismus zufolge soll Shiva die Stadt Varanasi selbst erbaut haben. Und jetzt wird es interessant: Shiva gilt als Vegetarier.

Aus dem Grund ernähren sich viele Menschen in der Stadt ebenfalls streng vegetarisch, auch „sattvic“ genannt. Diese Ernährungsform bildet einen Grundstein ihrer Religion. Denn die zugehörigen Hindus glauben, dass sie keine seelische Erlösung erfahren können, wenn sie Fleisch zu sich nehmen. Das Leid, was sie im Zuge dessen den Tieren zufügen würden, würde auch ihren Seelen zustoßen, berichtet „Tag24“. In Asien ist sogar Fleisch aus dem Labor bereits Realität – dafür muss kein Tier sterben.

Eine Schüssel mit vegetarischem Essen und Menschen in der indischen Stadt Varanasi.
Fleischverbot: Die indische Stadt Varanasi is(s)t fast nur vegetarisch. (24hamburg.de-Montage) © Stefano Paterna/Schöning/imago

Aber was genau bedeutet streng vegetarisch in dem Zusammenhang? „Meine Familie und ich sind seit Generationen reine Vegetarier. Wir weigern uns sogar, Wasser aus einem Haus zu trinken, wo Eier gegessen werden“, erklärt ein Mann namens Rakesh Giri „Tag24“ zufolge. Das ist löbliches Engagement, in Australien würden einer Umfrage zufolge 73 Prozent der Männer lieber sterben, als auf Fleisch zu verzichten.

Kein Fleisch in Varanasi: Fleischkonsum wurde 2019 noch weiterreichend verboten

Für Touristen galt lange Zeit eine Ausnahme: So konnte in Restaurants Fleisch serviert werden, die Ernährung auf strenger „sattvic“-Basis wurde vermehrt zu Hause durchgesetzt. Doch seit 2019 hat die rechtskonservative Partei der „Indischen Volkspartei“ auch den Konsum von Fleisch im 250 Meter-Radius von Tempeln und Kulturstätten in Varanasi verboten.

Auf diese Weise ist eine vegetarische Ernährung auch in vielen Restaurants zum Standard geworden, die Anzahl komplett vegetarischer Gaststätten hat zugenommen. Inzwischen gilt die lokale Küche in Varanasi als kulinarische Inspiration – Michelin-Köche wie Atul Kochhar in London oder Vikas Khanna in New York probieren sich „Tag24“ zufolge darin, die vielfältigen Geschmacksaromen der Stadt in ihre Gerichte einzubauen.

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Fleischlose Ernährung in indischer Stadt – „Das beste Essen in ganz Indien“

Auch für Touristen ist die besondere Ernährung in der spirituellen Stadt zum Highlight ihrer Besuche geworden. Ein örtlicher Reiseführer, Manjeet Sahani, der seine Gäste häufig in das Restaurant „Baati Chokha“ begleitet, erzählt laut Tag24: „Ehrlich gesagt, die meisten Menschen, die ich hierher bringe, sagen, sie haben hier das beste Essen in ganz Indien bekommen.“

Die Ernährungsform Veganismus kann aber auch in eine extreme Richtung gehen: So zog eine Veganerin gegen ihren Nachbarn vor Gericht, da dieser Fleisch grillte und eine vegane Braut hat ihre Familie zu ihrer Hochzeit ausgeladen, da diese Fleisch konsumiert. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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