Frühstart ins Leben - Neues Webportal hilft Frühchen-Eltern

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Die Versorgung von sehr kleinen Frühchen soll besser werden: Ein neues Internet-Portal gibt Eltern und Frauenärzten bei der Auswahl einer geeigneten Geburtsklinik Orientierungshilfe. 

Berlin/Göttingen - Eine zentrale Internetseite soll die Frühgeborenen-Versorgung in Deutschland verbessern. Niedersachsen ist auf diesem Gebiet Vorreiter und hat schon vor rund zehn Jahren eine Langzeitstudie gestartet, die alle Frühchen-Kliniken im Land einschließt.

Wenn Kinder viel zu früh zur Welt kommen, kann die Behandlung in den ersten Tagen über Leben und Tod entscheiden. Meist stellt sich schon während der Schwangerschaft heraus, dass eine Frühgeburt droht. Ein neues Internet-Portal soll Eltern und Frauenärzten bei der Auswahl einer geeigneten Geburtsklinik Orientierungshilfe geben. Dafür haben zunächst 93 der bundesweit knapp 200 sogenannten Perinatalzentren freiwillig ihre Daten zur Verfügung gestellt. Sie sind für die Versorgung von Babys mit einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm zugelassen.

Im Juli hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) strengere Vorgaben für die Versorgung von Frühchen beschlossen. In dem Gremium sitzen Vertreter von Krankenkassen, Ärzten, Kliniken sowie Patienten. Die Veröffentlichung der Daten auf www.perinatalzentren.org solle in einem zweiten Schritt für alle deutschen Kliniken verpflichtend werden, teilten der G-BA und das Göttinger Aqua-Institut am Freitag mit. Die Eltern erfahren unter anderem, wie viele Frühgeborene in den Zentren behandelt werden und wie die jeweilige Überlebensrate im Vergleich zum Bundesdurchschnitt aussieht.

Es geht um Qualitätsvergleiche und Qualitätsverbesserung. Dafür hält Hans-Jürgen Wirthl, Vorsitzender des Bundesverbands „Das frühgeborene Kind“, außerdem eine Reduzierung der knapp 200 Perinatalzentren für unbedingt notwendig. Gerade für sehr kleine Zentren sei es schwierig, eine optimale Versorgung zu gewährleisten. „Wir empfehlen nicht immer die Klinik um die Ecke“, sagte der Elternvertreter der dpa.

Niedersachsen war das erste Bundesland, das flächendeckend eine Langzeituntersuchung von extrem kleinen Frühchen startete. Beteiligt waren 23 Kinderkliniken. Die Jungen und Mädchen wurden im Alter von sechs Monaten, zwei, fünf und demnächst zehn Jahren nachuntersucht. In dem bundesweit einmaligen Projekt hätten sehr viele Erkenntnisse gewonnen werden können, sagte Brigitte Zens, Geschäftsführerin des Zentrums für Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen, das bei der Ärztekammer in Hannover angesiedelt ist. Zur Finanzierung der Langzeitstudie tragen unter anderem zwei Krankenkassen bei.

Nahezu jedes zehnte neugeborene Kind ist ein Frühchen. Jährlich werden in Deutschland etwa 9000 Jungen und Mädchen mit einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm geboren. In den vergangenen Jahrzehnten sind die Überlebenschancen dieser sehr kleinen Frühchen ständig gestiegen. Bei 24 vollendeten Schwangerschaftswochen überleben heute etwa 70 bis 75 Prozent. Viele von ihnen haben später jedoch etwa mit Entwicklungsverzögerungen, chronischen Atemwegserkrankungen oder motorischen Störungen zu kämpfen.

Die ärztlichen Leitlinien sehen vor, dass ab der 24. vollendeten Woche grundsätzlich versucht werden soll, das Leben eines Neugeborenen zu retten. Bei Geburten zwischen der 22. und 24. vollendeten Woche werde gemeinsam mit den Eltern entschieden, ob man Maßnahmen wie die Beatmung des Kindes einleitet, sagte Rolf Maier, Präsident der Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin, der dpa. Im Einzelfall hätten diese extrem frühgeborenen Kinder eine Chance, gesund zu überleben.

Dass mit dem neuen Internetangebot mehr Transparenz geschaffen wird, hält der Direktor der Kinderklinik des Universitätsklinikums Marburg für richtig. Maier schränkt aber ein: „Diese Statistiken sind für Laien nicht so leicht zu interpretieren.“ Deshalb sollten Eltern nicht allein dem Internet vertrauen.

dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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