Klage vor Gericht: Fischer wollen Kormorane abschießen

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Nach Angaben der Fischer fangen die Kormorane täglich rund 600 Kilogramm Fisch aus dem Steinhuder Meer.

Steinhude - An Niedersachsens größtem Binnengewässer gibt es Streit zwischen Umweltschützern und Fischern um gefräßige Vögel: Der Fischerei-Verein Steinhude klagt auf die Erlaubnis zum Abschuss von Kormoranen, die er für den Verlust großer Mengen an Aal, Zander, Hecht und Barsch verantwortlich macht.

Umweltschützer indes halten die Schäden für die Fischereiwirtschaft für nicht bewiesen und pochen auf das Bestandsrecht der Vögel. An diesem Dienstag verhandelt das Verwaltungsgericht Hannover über den möglichen Abschuss einer begrenzten Zahl der Fischfresser.

„Die Vögel fressen uns täglich rund 600 Kilogramm Fisch aus dem Gewässer. Wir müssen das Kormoran-Problem lösen“, meint der Vorsitzende des Landesfischereiverbandes, Carsten Brauer. Der Hunger der Vögel sei schlichtweg größer als das, was der See auf Dauer für Fischer und Kormorane hergibt. „Wir wollen den Bestand nicht ausrotten, sondern nur regulieren, um die Wirtschaftlichkeit der Betriebe zu erhalten.“ Denn Fischer leben schließlich vom Fisch.

Jahrzehntelang hatten Fischer und Angler den Vogel gejagt, der Kormoran war aus Deutschland so gut wie verschwunden. Erst dank der Vogelschutzrichtlinie von 1979 haben sich die Bestände wieder erholt, 2005 ging der Naturschutzbund Deutschland von 1500 brütenden Paaren alleine in Niedersachsen aus. Für 2010 hat der Nabu den Kormoran zum „Vogel des Jahres“ gekürt.

Das Steinhuder Meer ist ein Vogelschutzgebiet und der Kormoran ein geschützter Vogel, gibt ein Sprecher der Region Hannover zu bedenken. Die Behörde hatte den Fischern die Erlaubnis zum Abschuss von Kormoranen verweigert, dagegen klagen der Verband und der größte Fischereibetrieb am See. „Wir glauben nicht, dass ein Abschuss hilft, den Kormoran zu vertreiben, der brütet nicht am See selber.“ Die Frage sei, ob die Kormorane tatsächlich Schuld am Rückgang der Fischbestände im Steinhuder Meer seien.

Vom Bodensee bis nach Brandenburg gibt es in Deutschland Streit um den Kormoran. Behörden und Gerichte urteilen unterschiedlich, was den Umgang mit dem Fischfresser angeht. In Niedersachsen gibt es eine Kormoranverordnung, die gerade im Umweltministerium überarbeitet wird. Selbst das Vertreiben der Vögel per Laser wird dabei geprüft.

Von Michael Evers, dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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