Tradition oder umweltschädlich?

Feuerwerk und Böllerei an Silvester: In diesen Städten herrschen Verbote

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Feuerwerk an Silvester - manche Städte in Niedersachsen verhängen Verbote.

Böllerei und Feuerwerke an Silvester - eine schöne Tradition oder bloß eine enorme Belastung der Umwelt? Die Deutsche Umwelthilfe will zumindest private Knallereien verbieten und stellte einen Antrag. Manche Städte kommen dem nach.

  • Deutsche Umwelthilfe stellt Antrag auf Feuerwerksverbote
  • Hannover, Göttingen und Lüneburg ziehen teilweise mit
  • Oldenburg und Osnabrück sehen die Tradition im Fokus
  • In Bremen wird noch abgestimmt

Hannover - Silvester ist nicht nur Party: Das Böllern und die Knallerei in der Nacht des Jahreswechsels bedeuten immer wieder auch Aggressionen, Gewalt - und hohe Feinstaubwerte. Einige Städte in Niedersachsen wollen die Böller verbieten. Das gilt nach guten Erfahrungen beim vergangenen Jahreswechsel erneut in Teilen der Innenstadt Hannovers. Und auch in vielen historischen Stadtkernen Niedersachsens gibt es seit Jahren Böllerverbote in der Silvesternacht - etwa in der Altstadt von Göttingen oder in Lüneburg.

Vor einem knappen Jahr habe das Böllerverbot zu „einer erheblichen Entspannung der Lage“ geführt, sagte ein Sprecher der Landeshauptstadt. In den Jahren zuvor war es in Hannover in der Silvesternacht zu gefährlichen Situationen gekommen, weil Böller in Menschenansammlungen gezündet und teils Menschen gezielt beschossen wurden. Es gab Verletzte, darunter Kinder. Daher beabsichtige die Stadt, auch zum Jahreswechsel 2019/2020 ein Verbot zu erlassen - wegen der Sicherheit, nicht wegen der Luftreinhaltung.

Kein generelles Böller-Verbot zu Silvester in Braunschweig

In Braunschweig solle es zwar kein generelles Verbot geben, aber rund um die Rathauskolonnaden dürfe aus Sicherheitsgründen kein Feuerwerk abgebrannt werden, sagte ein Sprecher der Stadt. Auch im und um das Magniviertel mit seinen vielen Fachwerkhäusern seien Feuerwerke nicht gestattet. Ansonsten sind Böller erlaubt: Zwar seien Feuerwerke für die Luftreinhaltung „nicht zuträglich“, alle Grenzwerte würden aber unterschritten - beim Feinstaub sogar deutlich und seit Jahren.

Der Hintergrund: Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte als Maßnahme zur Luftreinhaltung in zahlreichen Städten ein Verbot privater Knallerei beantragt, darunter auch in Hannover und Oldenburg. Es geht vor allem um belastete Innenstädte. Umweltschützer warnen schon lange vor der hohen Feinstaubbelastung durch Silvesterböllerei.

Die Stadt Wolfsburg plant kein neues Böller-Verbot - die Grenzwerte bei der Feinstaubbelastung würden eingehalten, sagte ein Sprecher. Es läge bislang keine Klage der Umwelthilfe vor. Grundsätzlich aber gelte: das Abbrennen von Böllern in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen sowie besonders brandgefährdeten Gebäuden ist nach geltendem Recht ohnehin verboten.

Oldenburg und Osnabrück halten nichts von Verboten

Auch die Stadt Oldenburg plant kein generelles Böllerverbot. Dies sei ein zu starker Eingriff in die traditionelle Weise, Silvester zu feiern, erklärte ein Sprecher. „Mit einer gewissen Sympathie“ sehe man den Trend, auf Feuerwerk zu verzichten und zu spenden. Auch die Stadt Osnabrück hält nichts von einem Verbot - „weil die Stadt das Silvesterfeuerwerk nicht verbieten kann“, sagte ein Sprecher.

Anders in der Göttinger Innenstadt: Innerhalb der Wallanlagen dürfe am 31. Dezember 2019 und am 1. Januar 2020 kein Feuerwerk der Kategorie F2 gezündet werden, teilte die Stadt mit. Zu der Kategorie zählen Feuerwerksbatterien, Raketen, Leuchtfeuerwerk und Knaller wie der „Chinaböller“. Streifenteams von Polizei und Ordnungsdienst sollten in der Innenstadt unterwegs sein und im Fall der Fälle Verwarnungen aussprechen und Böller beschlagnahmen. 2016 habe es solch ein Verbot erstmals gegeben, es wurde „weitgehend eingehalten“.

Feuerwerk in Bremen - Abstimmung läuft noch

Wer in der Verbotszone in Hannover mit Feuerwerkskörpern erwischt wird, muss diese abgeben oder die Zone verlassen. Abgabestellen werden eingerichtet. Die Böllerverbotszone erstreckt sich vom Raschplatz hinter dem Hauptbahnhof entlang der Fußgängerzone bis zum zentralen Innenstadtplatz Kröpcke, dem Opernplatz und dem Platz der Weltausstellung. Verboten werden sollen Böller auch in der Altstadt von Lüneburg - und im Naturschutzgebiet Kalkberg, wie eine Sprecherin sagte. Natur und Tiere - darunter Fledermäuse im Winterschlaf - sollten geschützt werden. Wegen der engen Bebauung in der Innenstadt sei der historische Kern Lüneburgs zudem besonders feuergefährdet.

Ob Feuerwerk in der Stadt Bremen erlaubt sein wird, war zunächst noch unklar. „Aktuell befinden wir uns noch im Abstimmungsprozess“, sagte Sandy Bradtke vom Innenressort der Hansestadt.

Nicht nur Umweltschutz bietet eine Grundlage für Feuerwerksverbote, auch die Rücksichtnahme auf Flüchtlinge, die beispielsweise Bombeneinschläge im Krieg erlebt haben. Flüchtlingshelfer aus Niedersachsen rufen deshalb dazu auf, in unmittelbarer Nähe zu Flüchtlingsunterkünften auf laute Knallerei zu verzichten. 

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