VW und das Fest der Deutschen Einheit

Eine Million vom Autobauer

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Der Automobilkonzern Volkswagen trug nach dpa-Informationen mit einer Millionenspende zur Finanzierung der zentralen Feier zum diesjährigen Tag der Deutschen Einheit in Hannover bei. 

Hannover - Von Marco Hadem und Ralf E. Krüger. In Hannover soll am 3. Oktober groß gefeiert werden: Niedersachsen ist Ausrichter des zentralen Fests zum Tag der Deutschen Einheit.Um Steuergelder zu sparen, sind die Organisatoren auf Sponsorengelder angewiesen. Viele Unternehmen knausern, nicht aber VW.

Fast keine offizielle Feier in Niedersachsen ohne VW - beim Fest am Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober in Hannover ist dies nicht anders. Viele einst spendable Unternehmen haben nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aber abgesagt. Am Ende sicherte der Wolfsburger Autobauer mit einer Millionen-Spende die Einheitsfeier, zu der neben rund 500 000 Besuchern Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck erwartet werden.

Offiziell will die Staatskanzlei in Hannover fünf Wochen vor dem Fest keine konkreten Sponsorenzahlen nennen. Nur die seit Monaten bekannten Eckdaten werden wiederholt: Rund 4 Millionen Euro will sich das Land die Feier kosten lassen - 2,8 Millionen Euro stammen aus dem Landeshaushalt und 184 000 Euro vom Bund. Den Rest sollen die Sponsoren stemmen.

Doch auf viele Anfragen bei den großen Unternehmen im Lande folgten Absagen: Nord/LB, Deutsche Bank, Tui, Bahlsen, Continental, Symrise, Talanx, TÜV Nord, Sennheiser, Nordzucker - keiner will die Feier so richtig unterstützen und dafür sein Logo auf der Sponsorenwand wiederfinden. Die Gründe klingen oft ähnlich:Europas größter Tourismuskonzern Tui betont etwa, aus Spargründen jegliches Sponsoring eingestellt zu haben. Das Sponsoring der Feier am 3. Oktober passe nicht ins Unternehmenskonzept, heißt es von Deutschlands drittgrößtem Versicherungskonzern Talanx.

Doch für die Zurückhaltung der Unternehmen gibt es noch einen besonderen niedersächsischen Grund: Das einstige Sponsorensystem ist seit der 2011 ausgelösten Affäre mitsamt Vorteilsannahme-Prozess um Ex-Bundespräsident Christian Wulff gestört. Aus Angst vor negativen Schlagzeilen wegen zu großer Nähe zur Politik steht die Wirtschaft nicht mehr Schlange, wenn es um Sponsoring geht. Dies spürt die Landesregierung seitdem auch bei ihrem jährlichen Sommerfest.

Das will zwar niemand offen aussprechen, es gibt aber entsprechende Andeutungen. Der Technologie- und Reifenkonzern Continental verweist auf seine generelle Zurückhaltung beim Sponsoring von Veranstaltungen mit direktem politischen Bezug.

Aber es gibt sie noch, die spendablen Sponsoren - unter ihnen die Volksbank, der Arbeitgeberverband Niedersachsen Metall, die Deutsche Messe AG, Enercon: sie alle mit Zahlungen zwischen 10 000 und 50 000 Euro. Dank VW klettern die Sponsorengelder in den siebenstelligen Bereich: Autobauer und Autostadt überweisen eine Million Euro.

Zur Höhe der Zahlung will sich VWnicht äußern. Aus der Zentrale heißt es: Es sei eine Selbstverständlichkeit und eine große Freude, die Feier zu unterstützen und damit gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. „Das Sponsoring ausgewählter Empfänge zum Tag der Deutschen Einheit bietet Volkswagen eine sehr gute Möglichkeit, Produkte und Technologien relevanten Persönlichkeiten aus wichtigen Märkten vorstellen zu können“, sagt ein VW-Sprecher. So hat der Autobauer in Hannover eine Fahrzeugausstellung geplant.

„Unser Finanzplan steht, wir sind zufrieden“, sagt Regierungssprecher Olaf Reichert zur Sponsorenakquise. Details will er nicht nennen. Das Planungskonzept für das Bürgerfest amMaschsee dürfte aber finanziell gesichert sein. Viele der rund 1500 Ehrengäste, die zum offiziellen Teil geladen sind, werden von dem bunten Fest in der Innenstadt wohl gar nichts mitbekommen. Genau wie Merkel und Gauck kommen sie nur zum Festakt im Congress Centrum. Gefeiert wird in Hannover, weil Niedersachsen derzeit die Bundesratspräsidentschaft innehat.

Wie schnell die realen Kosten den Plan überholen können, hat 2013 Baden-Württemberg erfahren: Statt der veranschlagten 3,7 Millionen Euro schlugen am Ende satte 4,9 Millionen Euro zu Buche.

dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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