Bündnis fordert bessere Bezahlung

"Faire Löhne" für Friseure 

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Friseurmeisterin Manuela Depta schneidet am 26.03.2013 in Hannover (Niedersachsen) einem Kunden die Haare. Der niedersächsische Landesinnungsverband des Friseurhandwerkes und die Gewerkschaft Verdi fordern einen branchenweiten Mindestlohn.

Hannover - Viele Friseure arbeiten auch in Niedersachsen für wenige Euro Stundenlohn. Trotz Vollzeitstelle reicht das Einkommen beim Großteil der Angestellten nicht zum Leben aus. Ein Bündnis aus Arbeitgebern und Gewerkschaft will das ändern.

Tausende oft schlecht bezahlte Friseure in Niedersachsen dürfen sich Hoffnungen auf bessere Löhne machen. Niedersachsens Friseurinnung und die Gewerkschaft Verdi treiben eine Initiative voran, die den Billiglöhnen in der Branche den Garaus machen soll. „Wir wollen unseren Mitarbeitern faire Löhne zahlen“, sagte Landesinnungsmeister Hans-Rudolf Meyer am Mittwoch in Hannover. Dort stellten der Landesinnungsverband des Friseurhandwerks und die Gewerkschaft Verdi ihre Initiative vor, mit der sie einen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde empfehlen. Er soll 2015 greifen. Eine flächendeckende Umsetzung bräuchte jedoch eine Bundesregelung.

Nach Angaben des Bündnisses reicht bei fast neun von zehn Beschäftigten in der Branche der Lohn aus dem Friseursalon nicht zum Leben. Sie stockten daher mit Leistungen aus den Sozialkassen auf. Wenige Euro Stundenlohn seien in der Branche oft die Regel - brutto. Nach Angaben des Landesbetriebs für Statistik liegt der Stundenlohn für alle Angestellte Niedersachsens im Schnitt bei 19,06 Euro. Im Dienstleistungssektor, wozu das Friseurhandwerk gehört, sind es rechnerisch für abhängig Beschäftigte 18,37 Euro.

Im aktuellen Friseurtarifvertrag für Niedersachsen gilt die Untergrenze von 7,51 Euro pro Stunde. Doch diese Vorgabe ist nur für einen verschwindend geringen Teil der Beschäftigten geltendes Recht.

Denn ein einklagbarer rechtlicher Anspruch besteht nur, wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind: Der Arbeitgeber muss Mitglied in der Innung und der Angestellte Mitglied bei Verdi sein. Von den etwa 7500 Friseurbetrieben zwischen Harz und Küste sind aber laut Meyer nur 2000 in der Innung. Und wie Verdi-Verhandlungsführerin Ute Gottschaar erklärte, liegt der Verdi-Organisationsgrad der insgesamt etwa 16 000 Friseure in Niedersachsen „im einstelligen Prozentbereich“.

„Die Problematik ist, dass sich immer mehr Friseurbetriebe entscheiden, nicht mehr Mitglied im Innungsverband zu sein“, sagte Gottschaar. Doch nur, wenn mindestens die Hälfte der Betriebe in der Innung wäre, ließe sich ein Tarifabschluss zwischen Verdi und der Arbeitgeberorganisation auch für allgemeinverbindlich erklären.

Das Problem des Bündnisses ist daher, dass ohne Hilfe auf bundesweiter Ebene nichts geht. „Das ist auch der Grund, warum wir stark dran sind, den bundesweiten Mindestlohn anzuschieben“, sagte Gottschaar. Mit einem Stundenlohn von 8,50 Euro und mehr könnten die Friseure auch von ihrer Vollzeitstelle leben, ohne Transferleistungen beziehen zu müssen.

Ende April ist Meyer zufolge ein Treffen der Tarifparteien auf Bundesebene in Würzburg geplant. Sollte die Bundesregierung am Ende eine Tarifeinigung für allgemeinverbindlich in der Branche erklären, hätten alle Friseure in Deutschland Anrecht auf den Mindestlohn. dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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