Tierwelt

Experten aus Hannover weisen seltene Tollwut bei Fledermaus nach

In Hannover haben Experten bei einer Fledermaus eine seltene Variante der Tollwut entdeckt. Bei Übertragung ist die Krankheit für Menschen ohne Impfung tödlich.

Hannover/Minden – Experten des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) haben bei einer Fledermaus die seltene Fledermaus-Tollwut nachgewiesen. Das Tier stammt aus dem nordrhein-westfälischen Minden (Kreis Minden-Lübbecke). Dort war es durch sein aggressives Verhalten auffällig geworden.

Tier:Fledermaus
biologische Klasse:Säugetier
Krankheitserreger:Tollwut
Übertragung:Speichel

Aufgrund der enormen Aggressivität des Tieres, wurde die Fledermaus eingeschläfert und zur Untersuchung nach Hannover geschickt, teilte das Veterinäramt des Kreises Minden-Lübbecke am Dienstag mit. Zuvor war die Fledermaus geschwächt in eine Auffangstation gebracht worden.

Seltene Tollwut bei Fledermaus nachgewiesen: Infektion bei Ungeimpften endet immer tödlich

Wie der Kreis warnt, sollten Fledermäuse generell nicht ohne feste Lederhandschuhe angefasst werden. Für Menschen seien Tollwutinfektionen gefährlich. Eine Bissverletzung sollte unbedingt verhindert werden. Beim Auffinden einer Fledermaus sollte man sich sofort mit dem Veterinäramt in Verbindung setzen.

Was ist Tollwut und ist die Krankheit beim Menschen heilbar oder immer tödlich?

Bei Tollwut handelt es sich um eine Viruserkrankung, die vom Tier auf den Menschen übergehen kann, sich im zentralen Nervensystem einnistet und vermehrt. Seit dem Jahr 2008 gilt in Deutschland zumindest die Fuchspopulation als frei von Tollwutviren. Bei Fledermäusen allerdings kommt ein damit eng verwandtes Virus vereinzelt immer noch vor. Im vergangenen Jahr waren es in ganz Deutschland vier Fälle, in 2019 sogar neun.

Die Inkubationszeit des Tollwutvirus‘ beträgt zwischen drei bis acht Wochen. Doch nicht jeder Biss durch ein erkranktes Tier führt auch zu einer Infektion beim Menschen. Durch eine innerhalb von vier Tagen verabreichte Impfung kann eine Übertragung verhindert werden. Bricht die Krankheit jedoch beim Menschen aus, ist der Verlauf immer tödlich.

Seltene Tollwut bei Fledermaus nachgewiesen: Seit 1977 erst fünf Todesfälle in Europa

In Niedersachsen wurden im ersten Halbjahr 2020 neun Fledermäuse untersucht. Nachgewiesen wurde das Tollwutvirus bei keinem der Tiere. 2019 wurde in Niedersachsen bei zwei (11 Prozent) von 19 und in 2018 bei zwölf (34 Prozent) von 35 untersuchten Fledermäusen das Tollwutvirus nachgewiesen. Seit 1977 wurden nach Angaben der Robert Koch-Instituts (RKI) erst fünf Todesfälle durch den Krankheitserreger in Europa bekannt, und zwar drei in Osteuropa, einer in Finnland und einer in Großbritannien.

Hannover: Gefährliche Tollwut bei Fledermaus entdeckt

Vorsicht sollten vor allen Dingen Reisende walten lassen: Insbesondere in Peru, Brasilien und Venezuela kommt es immer wieder zu Todesfällen nach Bissen von Fledermäusen. Bei Trekkingtouren oder Höhlenbesuchen ist das Infektionsrisiko besonders hoch. Was heimtückisch ist: Fledermäuse hinterlassen nur winzige, kaum sichtbare Bisswunden. Auch wenn der Reisende den Kontakt mit der Fledermaus bemerkt hat, könnte ihm die Verletzung durchaus entgehen.

Seltene Tollwut bei Fledermaus nachgewiesen: 25 Fledermausarten sind in Deutschland heimisch

2016 war eine tollwütige Fledermaus in der Nähe von Osnabrück entdeckt* worden. Das in Bad Rothenfelde gefundene Tier hatte die typischen Anzeichen für eine Tollwuterkrankung: Zuckungen, Schreckhaftigkeit, Kreischen, Verweigerung von Futter und Wasser sowie Verbeißen.

Fledermäuse werden oft mit Dracula oder Gruselgeschichten in Verbindung gebracht. Dabei sind die Tiere eigentlich harmlos, stehen unter Schutz und haben viele interessante Eigenschaften. Heimisch sind hier insgesamt 25 Fledermausarten, berichtet das Fachportal 24garten.de*. * kreiszeitung.de und 24garten.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa

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