Ex-Ministerpräsident Ernst Albrecht wird 80

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Zwei Gesichter der Politik: Ernst Albrecht mit seiner Tochter Ursula von der Leyen

Hannover - 14 Jahre hat er Niedersachsen geprägt - der frühere Ministerpräsident Ernst Albrecht. Der Christdemokrat feiert am Dienstag seinen 80. Geburtstag. Trotz Alzheimer-Krankheit bleibt er dem Leben zugewandt - besonderen Halt findet er in seiner Familie.

Sie haben das gleiche Lächeln. Ernst Albrecht, Ex-Ministerpräsident von Niedersachsen und seine prominente Tochter, Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, sind für ihr Strahlen bekannt. Am Dienstag (29.) wird der CDU-Politiker Albrecht, der 14 Jahre lang Niedersachsen regierte, 80 Jahre alt. Obwohl er an Alzheimer leidet und das Gedächtnis stark nachgelassen hat, ist er noch immer bei Empfängen der CDU anzutreffen. Zum 80. Geburtstag ehrt ihn die niedersächsische Staatskanzlei - allen voran Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) - bei einem Empfang in Hannover.

In Albrechts Haus mitten im Grünen bei Burgdorf dürfte allerhand Trubel herrschen - und das nicht nur zu seinem Geburtstag. 2007 war Ursula von der Leyen mit ihrem Mann und den sieben Kindern dort eingezogen. Vor rund zwei Jahren hatte sie in einem Interview offen über die Krankheit ihres Vaters geredet, der Hilfe im Alltag braucht. Seit dem Tod seiner Frau, mit der er sieben Kinder hatte, war er auf dem großen Anwesen auch einsam.

Die Familie ist sein Halt. „Ernst Albrecht genießt es sehr mit der ganzen Familie am Tisch zu sitzen. Da fühlt er sich sicher“, sagt seine Tochter, Arbeitsministerin von der Leyen, der Nachrichtenagentur dpa. Besonders gerne ist er in der Natur: Er verbringe viele Stunden im Garten, heißt es. Auf dem großen Grundstück ist auch das Grab seiner Frau, die 2002 starb.

Die Erkrankung lässt sich aber kaum aufhalten. „Sein Hauptcharakterzug ist schon immer eine grundlegende Freundlichkeit gewesen, die mit fortschreitender Krankheit immer bestimmender wird. Das macht es ihm und den Menschen um ihn herum leichter, mit den Beeinträchtigungen durch Alter und Alzheimer umzugehen“, meint von der Leyen.

Der Sohn einer Arztfamilie und Ex-Manager beim hannoverschen Kekshersteller Bahlsen war von 1976 bis 1990 Ministerpräsident von Niedersachsen. Damals galt Albrecht, ein Volkswirt, der auch Philosophie und Theologie studierte, als Seitensteiger und Senkrechtstarter ohne typische Parteikarriere - genau wie später seine Tochter Ursula, die in Niedersachsen 2003 Sozial- und Gesundheitsministerin wurde.

Überraschend war Albrecht vor fast 35 Jahren zum ersten CDU-Regierungschef in Niedersachsen gewählt worden - SPD-Überläufer hatten ihm zur Stimmenmehrheit verholfen. CDU-Landeschef David McAllister würdigt den früheren Landesvater: „Niedersachsen hat Ernst Albrecht sehr viel zu verdanken. Das Land hat sich in der Zeit von 1976 bis 1990 enorm nach vorn entwickelt.“

Als eine herausragende Leistung gilt sein Einsatz für die Boat-People - die vietnamesischen Flüchtlinge, die Ende der 70er Jahre in Niedersachsen aufgenommen wurden. 1980 wäre Albrecht dann beinahe Kanzlerkandidat der Union geworden, er unterlag aber Franz-Josef Strauß (CSU).

In seiner Regierungszeit hatte Albrecht manche Krise durchgemacht: Schwierig wurde es für ihn, als der Verfassungsschutz einen Sprengstoffanschlag auf das Celler Gefängnis inszenierte, der der linksextremen RAF zugeschoben wurde. Nicht gut auf ihn zu sprechen sind noch heute die Atomkraftgegner im Wendland - dort wurde in seiner Zeit die Grundlage für das mögliche Atommüll-Endlager in Gorleben gelegt.

Vor zwanzig Jahren hatte sich Albrecht aus der aktiven Landespolitik zurückgezogen. 1990 musste er sich bei der Landtagswahl Gerhard Schröder (SPD) geschlagen geben. Albrecht blieb mehr Zeit fürs Private - als ausgesprochener Familienmensch dürfte er daran Gefallen gefunden haben.

Quelle: kreiszeitung.de

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