Seiters sieht Ausreise der Prager Botschaftsflüchtlinge als Wende

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Rudolf Seiters

Papenburg - Der frühere Kanzleramtsminister Rudolf Seiters (CDU) ist davon überzeugt, dass die Ausreise der DDR-Flüchtlinge aus der Prager Botschaft vor 25 Jahren ein zentraler Wendepunkte für die Wiedervereinigung war.

Der CDU-Politiker war damals einer der maßgeblichen Unterhändler in den Gesprächen mit der DDR-Führung.

Die Nachricht, dass die Flüchtlinge aus der Botschaft in Prag ausreisen durften, sei ihm und Außenminister Hans-Dietrich Genscher am 30. September 1989 in Bonn vom Ständigen Vertreter der DDR, Horst Neubauer, übermittelt worden, berichtet Seiters im Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Wir sind da sofort nach Prag. Und die Freude und Erleichterung und Dankbarkeit war schon großartig. Das war Gänsehaut pur. Das war der Beginn des Untergangs der DDR.“

An den Fall der Mauer glaubte Seiters zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht. Das habe sich erst beim Besuch von Kanzler Helmut Kohl am 19. Dezember 1989 in Dresden geändert, sagt er. Zehntausende Menschen bereiteten Kohl damals einen begeisterten Empfang, seine Rede vor der Dresdner Frauenkirche wurde immer wieder von Jubel unterbrochen.

„Das muss man sich mal vorstellen: Da spricht der Staatsgast zu zigtausenden DDR-Bürgern, und die DDR-Führung verdrückt sich, ist nicht dabei und lässt den Staatsgast mit den eigenen Bürgern alleine“, sagt Seiters. „Da waren wir überzeugt, es hat überhaupt keinen Sinn, jetzt noch Vereinbarungen und Verträge mit der Regierung (Hans) Modrow zu treffen. Mit der einen Ausnahme, möglichst schnell die freien Wahlen herbeizuführen. Die folgten dann ja auch am 18. März 1990.“

dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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