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9-Euro-Ticket: Günstig in den Urlaub an die Nordsee und in den Harz

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Von: Andree Wächter

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Ab 1. Juni kann man für drei Monate mit dem 9-Euro-Ticket fahren. Ein Problem könnten volle Züge und Busse in Richtung der Urlaubsziele sein.

Cuxhaven – Einen Tagestrip an die Nordsee oder in den Harz – für Niedersachsen kein Problem. Die Ziele sind fast ausnahmslos mit dem Auto zu erreichen. Ab Mittwoch, 1. Juni gibt es eine günstige Alternative zum Auto: das 9-Euro-Ticket. Der Vorverkauf läuft schon seit dem 23. Mai. In diesem Sommer ist es also möglich, auch mit kleinem Geldbeutel in den Urlaub zu fahren. Eine erste Bewährung wird das Angebot vermutlich an Pfingsten bekommen.

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Dies sieht auch der neue Vorsitzende des Tourismusverbandes Niedersachsen (TVN), Holger Heymann, so. Er erwartet durch das 9-Euro-Ticket eine Stärkung des Tagestourismus für den Sommer zwischen Küste und Harz. „Bei schönem Wetter kann ich mir gut vorstellen, dass der Binnenlandtourismus massiv forciert wird“, sagte Heymann.

Dagegen sei es aus seiner Sicht eher unwahrscheinlich, dass Urlauber mit Bussen und Bahnen spontan längere Aufenthalte in diesem Sommer etwa an der Nordsee und auf den Inseln ansteuern könnten. Der Grund: Die meisten Ferienunterkünfte gerade an der Küste seien zur Hochsaison meist schon ein Jahr im Voraus gebucht.

Bis an den Nordseestrand mit dem 9-Euro-Ticket

Mit dem 9-Euro-Ticket lässt sich in einigen Orten bis an den Nordseestrand fahren. Die Regionalbahn hält in Norddeich-Mole direkt im Hafen. In Cuxhaven hält der Zug wenige Gehminuten von der Aussichtsplattform „Alte Liebe“ entfernt. Wer an den Sandstrand nach Duhnen möchte, muss eine rund 5-Kilometer Fußmarsch in Kauf nehmen, oder den örtlichen ÖPNV.

Den Nationalpark Harz kann man auch mit dem 9-Euro-Ticket erreichen. Die Bahn steuert viele Orte am Harzrand an, wie Goslar oder Bad Harzburg. Von dort aus geht es per Bahn oder Bus zu den vielen Ausflugszielen wie Brocken oder Torfhaus. Mit dem 9-Euro-Ticket können Männer und Frauen auch die schönsten Zugstrecken Deutschlands entdecken.

Heymann, der auch Landrat des Landkreises Wittmund ist, sieht in der Ausgestaltung des Angebots auch ein Dilemma. „Das 9-Euro-Ticket ist sicherlich ein guter Anreiz dafür, dass Menschen, die sonst nicht den ÖPNV und SPNV nutzen, mehr darauf zurückgreifen.“ Bereits jetzt sei an dem Buchungsverhalten abzuleiten, dass die Nachfrage nach dem ab Juni geltenden Angebot „extrem hoch“ sei.

Für wenig Geld an die Nordsee oder in den Harz? Ab dem 1. Juni geht das mit dem 9-Euro-Ticket, das für Zugverbindungen im Nah- und Regionalverkehr gilt.
Für wenig Geld an die Nordsee oder in den Harz? Ab dem 1. Juni geht das mit dem 9-Euro-Ticket, das für Zugverbindungen im Nah- und Regionalverkehr gilt. © IMAGO/Zoonar

Gleichzeitig liege darin aber auch ein Problem. „Wenn man so eine hohe Nachfrage erzeugt, haben wir natürlich überfüllte Busse und Bahnen, was gerade die Menschen, die diese Verkehrsmittel ohnehin nutzen, abschrecken könnte.“ Auch neue Gäste könnten wegen fehlender Kapazitäten dann womöglich fern bleiben.

„Vor diesem Hintergrund hätte ich mir gewünscht, dass die Bundesregierung den Mut hat, dies dauerhaft durchzuziehen oder nach drei Monaten dieser Probephase zu der Erkenntnis kommt, das hat sich gelohnt, das ist die Zukunft der Mobilität“, sagte der SPD-Politiker.

Ich hätte mir gewünscht, dass die Bundesregierung den Mut hat, dies dauerhaft durchzuziehen

Holger Heymann, Vorsitzender Tourismusverband Niedersachsen (TVN)

Der TVN-Vorsitzende betonte zudem, dass es neben dem attraktiven Preisangebot mit dem 9-Euro-Ticket bei der Tourismusmobilität auch auf das Angebot und die Taktung der Reisemöglichkeiten ankomme. Im ländlichen Raum fehle oft ein ausgebauter Nahverkehr. „Wenn wir ein geniales Busangebot vor Ort bieten könnten, wäre auch die Chance groß, dass die Spontanreisenden mit diesen Verkehrsmitteln anreisen.“

Auch Urlauber mit längeren Aufenthalten könnten ihre Unterkünfte dann eher nach den Anreisemöglichkeiten mit der ÖPNV-Anbindung auswählen. Heymann sieht beim Ausbau des klimafreundlichen Nahverkehrs neben den Kommunen auch die Bundesregierung in der Pflicht. Ein anderes Problem ist das fehlende Personal. Angeblich sind bis zu 70.000 Stellen nicht besetzt.

Im Tourismusverband Niedersachsen sind zehn regionale Tourismusverbände und drei Branchenverbände zusammengeschlossen. Holger Heymann ist seit Mitte Mai neuer Vorsitzender des tourismuspolitischen Lobbyverbandes. Er folgte auf den Friesländer Landrat Sven Ambrosy (SPD), der das Amt nach 18 Jahren abgab.

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