Erste Muttermilchbank steht in Vechta

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Dass Muttermilch am besten für ein neugeborenes Babys ist, steht außer Frage.

Vechta - Für das Überleben von Frühchen ist die Ernährung wichtig. Doch manche Mütter können nicht stillen. Niedersachsen nimmt mit der Förderung von Muttermilchbanken eine Vorreiterrolle ein. Als erster Standort geht Vechta an den Start.

Zur besseren Versorgung von Frühchen und kranken Neugeborenen richten drei niedersächsische Kliniken Muttermilchbanken ein. Die erste wurde am Freitag am Marienhospital in Vechta eröffnet, das Klinikum Wolfsburg und das Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult in Hannover sollen folgen, wie das Gesundheitsministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. An den drei Standorten werde Milch von stillenden Müttern entgegengenommen, die in dem entsprechenden Krankenhaus gerade entbunden hätten, sagte ein Ministeriumssprecher. Menschliche Milch kann Frühgeborene nach Auskunft von Kinderärzten unter anderem vor schwerwiegenden, teils sogar tödlich verlaufenden Darmerkrankungen schützen.

Mit dem Projekt soll laut Ministerium auch einer medizinisch und ethisch unkontrollierten Abgabe von Muttermilch vorgebeugt werden. Die Fraktionen von SPD und Grünen hatten im Sommer 2016 den Antrag zur Einrichtung einer Muttermilchbank in den niedersächsischen Landtag eingebracht und waren auf parteiübergreifende Zustimmung gestoßen. Auslöser war eine Internetseite, auf der privat mit Muttermilch gehandelt wurde, was gesundheitliche Gefahren für die kleinen Empfänger mit sich bringen kann.

Niedersachsen habe eine Vorreiterrolle, weil das Land die Einrichtung an den drei Standorten finanziell fördere, sagte Anne Sunder-Plaßmann von der kürzlich gegründeten Frauenmilchbank-Initiative (FMBI). Bisher könnten nur zwei Dutzend von über 200 Perinatalzentren in Deutschland ihre frühgeborenen Patienten auf diese Weise ernähren, kritisierte die Projektkoordinatorin der 2017 eröffneten Frauenmilchbank am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

In einem Kühlschrank im Kinderkrankenhaus Auf der Bult stehen Fläschchen mit Muttermilch. In dem Kinderkrankenhaus entsteht in Zukunft eine Muttermilchbank. Das Land hat im Jahr 2018 den Aufbau und die Einrichtung von Muttermilchbanken an Kliniken in Vechta, Wolfsburg und Hannover gefördert.

Wenn Kinder viel zu früh zur Welt kommen, ist es für die Mutter oft nicht möglich, selbst zu stillen. Andere Frauen haben kurz nach der Entbindung Milch im Überfluss. Schon in der Vergangenheit hätten junge Mütter bei der Entlassung ihre abgepumpte und tiefgefrorene Milch für andere Säuglinge in der Klinik gelassen, sagte der Geschäftsführer des Marienhospitals in Vechta, Ulrich Pelster. In Vechta und im Franziskus-Hospital in Lohne kommen rund 2000 Kinder pro Jahr zur Welt. Mit der Einrichtung der Muttermilchbank erfolgt diese Weitergabe systematisch. Zudem werde die Milch wie bei Blutspenden untersucht. Zum Team in Vechta gehören Kinder- und Frauenärzte, Pflegepersonal, Hebammen und Stillberaterinnen. Laut Pelster wurde auch eine neue Stelle geschaffen.

In Ostdeutschland gibt es schon lange Muttermilchbänke, auch weil Frauen in der DDR nach der Geburt ihrer Kinder schneller wieder arbeiteten. Die erste westdeutsche Einrichtung wurde 2012 in München eröffnet, 2015 folgte eine Muttermilchbank in Dortmund, die in den ersten beiden Jahren nach ihrer Gründung fast 100 Frühchen mit Milch versorgte. In den letzten sechs Jahren wurden nach Angaben der FMBI sieben Frauenmilchbänke im Westen eröffnet. In Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Schleswig-Holstein gebe es aber noch keine einzige, kritisiert die Initiative.

Muttermilch ist nach wissenschaftlichen Erkenntnissen die beste Nahrungsform für Säuglinge. Sie habe eine Vielzahl an Abwehr-, Immun- und Schutzstoffen und sei von Natur aus allergenarm, sagte Florian Guthmann, Chefarzt der Neugeborenenmedizin im Kinderkrankenhaus Auf der Bult.

Quelle: kreiszeitung.de

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