Gasumstellung bis 2030

Erdgas-Vorräte in Deutschland gehen zu Ende - doch frieren muss keiner

Erdöl oder Erdgas werden zum Heizen der Wohnung oder zum Kochen genutzt. Bis 2030 bekommen Erdgas-Kunden mehr Energie ins Haus geliefert.

  • L-Gas wird nach und nach durch energiereichere H-Gas ausgetauscht.
  • Das in Deutschland genutzte Erdgas kommt aus Russland, Norwegen und den Niederlanden.
  • Der größte Erdgasspeicher Westeuropas steht in Rehden.

Erdgas ist ein brennbares, natürlich entstandenes Gasgemisch, das in unterirdischen Lagerstätten vorkommt. Es tritt häufig zusammen mit Erdöl auf, da es auf ähnliche Weise entstanden ist. Erdgas besteht hauptsächlich aus hochentzündlichem Methan, die genaue Zusammensetzung ist aber abhängig von der Lagerstätte. Mitunter ist eine Aufbereitung des Rohgases nötig, um giftige und nicht brennbare Bestandteile abzusondern oder um Methan anzureichern. Wenn allgemein oder in technischem Zusammenhang von „Erdgas“ gesprochen wird, dann ist zumeist sehr methanreiches Erdgas in Endverbraucherqualität gemeint. Erdgas wird in Deutschland und in vielen anderen Industrieländern im Wesentlichen zur Versorgung mit Nutzwärme in der Industrie und in Wohngebäuden genutzt.

LandFördermenge (2017) in Milliarden Kubikmeter
USA734,5
Russland635,6
Iran223,9
Kanada176,3
Katar175,7

Viele Millionen Deutsche nutzen Erdgas zum Kochen, Heizen oder für die Warmwasserbereitung, die wenigsten Verbraucher wissen jedoch, ob sie H-Gas oder L-Gas geliefert bekommen. Der Unterschied ist ein rein chemischer und für die Nutzung im Haushalt wenig relevant. H-Gas hat einen höheren Methan- und somit Energiegehalt. L-Gas weist einen niedrigeren Methangehalt auf. Bis 2030 sollen alle Haushalte auf H-Gas umgestellt sein. Der Grund: L-Gas kommt aus Deutschland und den Niederladen und die Vorkommen gehen zurück. H-Gas kommt beispielsweise aus Norwegen und Russland.

H-Gas ist etwas teurer als L-Gas. Als Gas-Kunde bezahlen man nicht das Volumen des Erdgases, das verbraucht wird, sondern die darin enthaltene Energiemenge. Unter Strich soll niemand mehr bezahlen.

Rohre für die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 auf dem Gelände des Hafens Mukran in Mecklenburg-Vorpommern.

Das in Deutschland genutzte Erdgas kommt aus Russland, Norwegen und den Niederlanden. Gemeinsam decken sie rund 88 Prozent des deutschen Erdgases ab. Der Rest stammt aus heimischen Quellen. Geliefert wird es in riesigen Pipelines (Rohrleitungen). Die wohl bekannteste Pipeline ist Nord Stream 2. Seit Monaten stockt die Fertigstellung, nach einem Attentat auf dem Kreml-Kritiker Alexej Nawalny stand das komplette Projekt auf der Kippe.

Erdgas wird unter der Erde in Speichern gelagert

Gelagert wird das Erdgas in Erdgasspeichern. So werden große, meist unterirdische Speicheranlagen bezeichnet, mit denen jahreszeitliche Bedarfsschwankungen und Lieferengpässe von Erdgas ausgeglichen werden können. Die Erdgasspeicher werden meist im Sommerhalbjahr befüllt und in der Heizperiode teilweise geleert. Der größte Erdgasspeicher Westeuropas ist seit 1993 der Speicher Rehden in Niedersachsen mit einer Kapazität von vier Milliarden Kubikmetern.

Rohes Erdgas entsteht oft durch die gleichen geologischen Prozesse, die auch zur Entstehung von Erdöl führen. Erdöl und Erdgas kommen daher nicht selten zusammen in einer Lagerstätte vor. Dieses Erdgas entstand in geologischen Zeiträumen aus Massen von abgestorbenen und abgesunkenen marinen Kleinstlebewesen (überwiegend einzellige Algen), die zunächst unter sauerstofffreien Bedingungen am Meeresboden in einen Faulschlamm (Sapropel) umgewandelt wurden. Im Laufe von Jahrmillionen sank der Faulschlamm in tiefere Regionen. Dort herrschten ein höherer Druck und Temperaturen. Dadurch wurde der Faulschlamm in Erdgas umgewandelt.

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Auch Steinkohle-Flöze enthalten Erdgas. Dieses Gas stellt als „schlagende Wetter“ eine große Gefahr im Kohlebergbau dar. Als Kohleflöz-Gas wird es mittels Bohrungen aus tiefliegenden Steinkohle-Flözen gewonnen.

Wirtschaftlich lohnende Erdgasmengen können aber auch infolge einer mikrobiellen Zersetzung organischer Sedimente an Ort und Stelle entstehen, das heißt ohne bedeutende thermische Prozesse und ohne wesentliche Migration. Gasvorkommen mit dieser Entstehungsgeschichte finden sich zum Beispiel im Voralpenland Oberösterreichs und Oberbayerns sowie im Wiener Becken. Mit einem Alter von nur 20 Millionen Jahren handelt es sich um geologisch sehr junge Erdgas-Lagerstätten.

Erdgas wird seit einigen Jahren auch verstärkt als Kraftstoff für entsprechend motorisierte Kraftfahrzeuge verwendet. Erdgas wird seit einigen Jahren auch verstärkt als Kraftstoff für entsprechend motorisierte Kraftfahrzeuge verwendet.

Rubriklistenbild: © Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa

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