Grenzregion will keinen niederländischen Fluglärm

Der Flughafenbau in Enschede wird nicht nur an der deutschen Grenze heiß diskutiert.

Nordhorn - In der Grafschaft Bentheim, im äußersten Westen von Niedersachsen, ist man stolz auf die engen Kontakte zu den Niederlanden. „Das niedersächsische Holland“ wird der Kreis auch genannt. Doch zurzeit ist das Verhältnis der Nachbarn angespannt.

Grund sind Pläne der niederländischen Regierung für einen neuen Flughafen nahe der Grenze. Auf deutscher Seite wird das Projekt abgelehnt. Bei einer Bürgerveranstaltung am Donnerstagabend in Nordhorn machen die Gegner ihrem Ärger mit Trillerpfeifen, Sirenen und auf Plakaten Luft. Der Vertreter der verantwortlichen niederländischen Projektgesellschaft hat es schwer.

„Das machen wir nicht mit“, sagt Bad Bentheims Bürgermeister Volker Pannen ( SPD ) unter tosendem Beifall der rund 300 Bürger, unter denen auch viele Niederländer waren. In dem Nachbarland ist das Vorhaben ebenfalls umstritten. Mehrere Bürgerinitiativen kämpfen dort gegen den Umbau des ehemaligen Militärflugplatzes Twente zu einem Regionalflughafen. Ebenso wie die Kritiker auf deutscher Seite befürchten sie eine massive Lärmbelastung, Gesundheits- und Sicherheitsrisiken und eine Verschwendung öffentlicher Gelder.

Die Projektgesellschaft „Vliegwiel Twente Maatschappij“ (VTM) erwartet dagegen, dass der Airport dem Städtedreieck Hengelo-Enschede-Oldenzaal neuen wirtschaftlichen Schwung verleiht. Für 2011 ist die Eröffnung des Flughafens geplant. Im Jahr 2030 soll der Standort es auf mindestens 1,2 Millionen Passagiere und rund 28 000 Flugbewegungen bringen.

Nach Angaben der Stadt Nordhorn würden dann 60 Prozent der Landungen und 40 Prozent der Starts in Richtung Nordosten und damit in Richtung Deutschland erfolgen. Die Anflughöhe über Nordhorn und Bad Bentheim werde gerade einmal 610 Meter betragen. Nordhorns Bürgermeister Meinhard Hüsemann ( SPD ) befürchtet deshalb, dass der auf Erholung und Natur ausgerichtete Tourismus in der Region wegen des Flughafens schweren Schaden nehmen würde. Außerdem kritisiert er die von VTM vorgelegten Unterlagen als nicht nachvollziehbar und unvollständig. Das sieht auch Pannen so: „Ihre Karten enden immer an der niederländischen Grenze.“

Der VTM-Vertreter Peter Kuenzli weist die Vorwürfe zurück, dass die deutschen Kommunen nicht ausreichend in die Planungen einbezogen worden seien. Man habe bereits 2006 begonnen, die deutschen Nachbarn über das Verfahren zu informieren. Kuenzli betont, es gebe ein ausreichendes Potenzial für den Flughafen.

Auf deutscher Seite wird auch darauf verwiesen, dass nur 50 Kilometer von Twente entfernt der Flughafen Münster-Osnabrück (FMO) liegt. Die am FMO beteiligten Städte Münster, Osnabrück sowie die umliegenden Landkreise befürchten, dass ein weiterer Flughafen zu einem ruinösen Verdrängungswettbewerb führen könnte. Ein Kompromissvorschlag der Kommunen sieht vor, der niederländischen Seite bei einem Verzicht auf Twente einen Einstieg beim FMO anzubieten.

Noch in diesem Herbst soll in den Niederlanden die endgültige Entscheidung über die Flughafenpläne fallen. Die deutschen Nachbarn wappnen sich bereits für eine juristische Auseinandersetzung. Bad Bentheims Bürgermeister Pannen kündigte an, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um das Projekt zu verhindern.

Quelle: kreiszeitung.de

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