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Energiekrise: Viertel der Betriebe würde bei einem Gasnotstand dicht machen

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Von: Andree Wächter

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Was passiert bei einem Gasnotstand in der Energiekrise? Antworten bringt eine Umfrage der Arbeitgeberverbände. Sie begrüßen das Aus der Gasumlage.

Bremen – Noch ist es ein Szenario auf dem Papier: ein Gasnotstand. Auch wenn seit Monaten diese Vokabel immer wieder aufploppt, Fakt ist: Es gibt aktuell keinen Gasnotstand in Deutschland, aber eine Energiekrise. Wirtschaftsminister Robert Habeck sagte Anfang Juli: „Das wird nicht passieren.“ Obwohl über Nord Stream 1 kein Gas mehr kommt, füllen sich die Gasspeicher. Um weiter Gas und Strom zu sparen, gelten ab 1. Oktober neue Regeln. Trotzdem hat die norddeutschen Metall- und Elektroindustrie das Szenario Gasnotstand durchgespielt. Eine Umfrage unter Betrieben.

Nordmetall: Anteil Maschinenbau34 %
Elektrotechnik17 %
Werften/Schiffbau11 %
Fahrzeugbau6 % (Quelle: Homepage)

Viertel der Betrieb müsste bei Gasnotstand schließen

Würde es einen Gasnotstand geben, müsste der Umfrage zufolge fast ein Viertel aller Betriebe die Produktion einstellen. Etwa die Hälfte der Betriebe müsste Beschäftigte in Kurzarbeit schicken. 26 Prozent würden sogar Personal abbauen, heißt es in der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Befragung der Arbeitgeberverbände Nordmetall und AGV Nord.

Deutliche Kostensteigerungen kämen auf 56 Prozent der Betriebe zu, erhebliche Lieferengpässe auf 48 Prozent. In 13 Prozent der Betriebe drohten bei einem Gasnotstand, also dem Ausrufen der Notfallstufe, Schäden an den Produktionsanlagen. 18 Prozent der Unternehmen gerieten in eine existenzbedrohende Lage.

An der Umfrage nahmen vom 15. bis 24. August den Angaben zufolge 169 Betriebe mit 62.000 Beschäftigten teil. Die Arbeitgeberverbände vertreten insgesamt 680 Unternehmen mit zusammen 170.000 Beschäftigten in Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und im nordwestlichen Niedersachsen.

Fotomontage, Warnschild Alarmstufe vor Gasschild, Gashahn, Gaszähler und Gasanschluss
Arbeitgeberverbände Nordmetall und AGV Nord schlagen Alarm. Kommt zu der Energiekrise ein Gasnotstand, könnte viele Betriebe dicht machen. (Fotomontage) © IMAGO/Christian Ohde

Mehr als 80 Prozent der befragten Betriebe benötigen Erdgas, vor allem zum Heizen, und 39 Prozent auch zur Erzeugung der für ihre Produktion nötigen Prozesswärme. Metallerzeuger und Gießereien gaben an, in ihrer Produktion zu fast 90 Prozent vom Gas abzuhängen. Im Luft- und Raumfahrzeugbau ist es jeder zweite Betrieb. Aber auch Werften und Autohersteller würden hart getroffen. Wollten sie auf andere Energiequellen umstellen, bräuchten sie dafür viel Geld und im Schnitt ein Jahr Zeit.

Einwerbung neuer Lieferanten von Gas oder anderer Energien

Die Branche begrüße das Aus der Gasumlage sowie die Initiativen der Bundesregierung zur Einwerbung neuer Lieferanten von Gas oder anderer Energien, sagte der Hauptgeschäftsführer von Nordmetall und AGV Nord, Nico Fickinger. „Allerdings muss mehr als ein halbes Jahr nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine deutlich mehr Tempo in diesen Bemühungen vorgelegt werden.“ Nur eine planbare, verlässliche und einigermaßen bezahlbare Energieversorgung werde große Teile der Industrie vor dem Produktionsstopp bewahren.

„Wenn der einträte, wäre das ein langfristiger Schaden für die deutsche Wirtschaft, da viele Betriebe pleite- und Zigtausende Arbeitsplätze verlorengehen könnten“, warnte Fickinger. Ein Wiederaufbau wäre umso schwieriger, je mehr Kunden sich dauerhaft umorientierten und dann kaum wieder zurückgewonnen werden könnten.

Als weitere Maßnahme beschloss der Bundestag am Freitag, 30. September, die Mehrwertsteuer auf Erdgaslieferungen und Fernwärme vorübergehend von 19 auf 7 Prozent gesenkt werden. Das soll bis Ende März 2024 gelten.

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