Mordkommission in Emden sucht „jungen Täter“ und bestätigt Missbrauch

Elfjährige tot im Parkhaus: „Plötzlich war Lena weg“

Trauernde legen am Parkaus, in dem die elfjährige Lena sterben musste, Blumen nieder.

Emden - Von Michael Krüger - Sie wollte mit ihrem Spielkameraden Enten füttern. Doch der vertraute Weg entlang den Wallanlagen führte die elfjährige Lena in den Tod. Sie wurde missbraucht und getötet, liegen gelassen unter der Treppe in einem Parkhaus in Emden.

Der Täter ist noch flüchtig. Ein „jugendlicher bis junger Erwachsener“ soll für das schreckliche Verbrechen verantwortlich sein. Doch noch tappt die Polizei weitgehend im Dunkeln.

Zwei Tage nach der Tat in Ostfriesland gab die Polizei gestern einige wenige Einzelheiten bekannt, hüllte sich ansonsten aus „ermittlungstaktischen Gründen“ weitgehend in Schweigen. Werner Brandt, Leiter der 40-köpfigen Mordkommission „Parkhaus“, zeigte sich während der Pressekonferenz im Polizeikommissariat Emden trotz der bislang dürftigen Hinweise zuversichtlich, den Täter zu fassen: „Wir sind hoch motiviert. Überstunden spielen da keine Rolle“, sagte er sichtlich bewegt von dem für seine Stadt „schockierenden Ereignis“. „Jeder Stein in der Stadt Emden wird umgedreht, um den Täter zu finden“, betonte Oberstaatsanwalt Bernard Südbeck.

Totes Mädchen im Parkhaus

Totes Mädchen im Parkhaus

Nach dem, was auch die Polizei bestätigt, soll Lena am Sonnabend zwischen 17.30 und 19 Uhr mit ihrem gleichaltrigen Freund entlang den Wallanlagen geradelt sein. Irgendwo dort habe der Täter zugeschlagen. Ob gezielt oder zufällig – das ist offen. Fakt ist: Gegen 19.30 Uhr wurde Lena von einem Parkhauswächter tot gefunden. Reanimierungsversuche blieben erfolglos. Auch die Eltern hatten da bereits nach ihr gesucht. Vor dem Parkhaus stand das Fahrrad des Mädchens. Dass etwas Schlimmes passiert sein muss, erfahren Lenas Eltern über den Spielkameraden: Der radelt nach Hause und offenbart sich seinen Eltern, „als Lena plötzlich weg war“, schilderte Brandt.

Möglicherweise ist der Junge Zeuge des Verbrechens geworden. „Seine Angaben sind bislang sehr lückenhaft“, so der Soko-Leiter. Der Elfjährige stehe unter Schock und werde wie die Opfer-Familie psychologisch betreut. Unter Verdacht stehe der Junge nicht. Dass Lena vor ihrem Tod noch missbraucht worden sei, betätigt die Polizei. Nach einem NDR-Bericht soll das Mädchen unbekleidet gewesen sein. Der Boden am Fundort ist zudem mit einer großen Lache Blut bedeckt, das zeigen mehrere Bilder. Nach Polizeiangaben ist der Fundort der Leiche vermutlich auch der Tatort. Wie Lena letztlich gestorben ist, sagt die Polizei noch nicht.

Täter wurde vermutlich gefilmt

In dem „City Parkhaus am Wasserturm“ soll es zwölf Überwachungskameras geben, die das Geschehen auf den Parkdecks rund um die Uhr mitschneiden. Von den Treppenhäusern gibt es jedoch keine Filmaufnahmen. Trotzdem hoffen die Ermittler, den Täter auf dem mitgeschnittenen Material zu finden. Derzeit werde alles ausgewertet, sagte Brandt. Ob die vagen Informationen zum Aussehen des Gesuchten aus den Bildern der Überwachungskameras stammen, wollte der Soko-Leiter nicht sagen. Dutzende Beamte waren gestern noch auf den drei Ebenen des Parkhauses im Einsatz, um Spuren zu finden. Außerdem durchforsteten die Polizisten Büsche angrenzender Wege nach einer Tatwaffe, auch ein Personenspürhund war im Einsatz. Mit der Pressekonferenz am Nachmittag hat die Polizei ihre Strategie geändert. Nun soll auch die Öffentlichkeit eingebunden werden. Es werden Zeugen gesucht, die die beiden Kinder am Sonnabend gesehen haben. Vielleicht sei irgendwem ja auch der mögliche Täter aufgefallen, wie er dem Mädchen aufgelauert hat.

Am Abend versammelten sich rund 1 500 Menschen, um ihr Mitgefühl auszudrücken. Sie zogen vom Emder Bahnhof bis zum Parkhaus. Oberbürgermeister Bernd Bornemann (SPD) zeigte sich tief betroffen: „Das ist ein tragisches Ereignis für die gesamte Stadt. Ich verstehe die Angst der Eltern um ihre Kinder.“

Quelle: kreiszeitung.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare