„Ein bedeutungsloses Verbot“

+
Geschunden, getreten, die Beine gebrochen: Wie dieses Tier wurden tausende Gänse bei lebendigem Leibe gerupft.  Foto: „Vier Pfoten“

Tierschützer kritisieren Auflagen gegen Gänsefarm Moorhof in Wisted. Der Landkreis erhöht die Anzahl der Kontrollen. Die Tierschützer sind entsetzt.

WISTEDT (ms) Tierschützer sind entsetzt: Das Tierhaltungsverbot gegen Gänsezüchter Rudolf Schwerk bedeutet nicht das Ende der Geflügelzucht auf dem Moorhof in Wistedt (Landkreis Harburg). Die Familienmitglieder, die möglicherweise an dem tausendfachen Gänserupf bei lebendigem Leibe beteiligt gewesen sind, können die geschundenen Tiere ungestraft in ihrer Obhut behalten.
Unter diesen Umständen hält die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“, die den Skandal aufgedeckt hat, das Verbot für bedeutungslos und einen Schlag ins Gesicht von Tierschützern und Verbrauchern.

Lesen Sie auch:

Ermittlungen gegen Gänsefarm

Todeskampf für ein paar Daunen


Dem Landkreis seien bei Verboten rechtlich die Hände gebunden, erklärte ein Sprecher des Kreisveterinäramtes. Birgit Behrens, Sprecherin des Landkreises Harburg, verwies gestern auf die Auflagen, die mit dem Haltungsverbot gegen den bisherigen Tierhalter verbunden seien: Die Rupfmaschinen wurden versiegelt und jegliche Betriebstätigkeit unter behördliche Beobachtung gestellt. Das heißt, dass der Moorhof Schwerk künftig nicht einmal mehr das legale Rupfen von geschlachtetem Geflügel ohne vorherige Anmeldung bei der Kreisverwaltung durchführen darf. Das Tierhaltungsverbot bedeute, dass der ehemalige Halter keinen Zugang zu den Tieren haben dürfe, so die Sprecherin. Seit dem Bekanntwerden der Vorwürfe habe es eine deutlich erhöhte Anzahl an Kontrollen gegeben. Zuvor seien seit dem 15. Januar 2007 neun Kontrollen mit wechselnden Tierärzten auf dem Moorhof durchgeführt worden; zusätzlich seit 2006 rund 15 ordnungsbehördliche Untersuchungen im Zusammenhang mit der Vogelgrippe.

Geschunden, getreten, die Beine gebrochen: Wie dieses Tier wurden tausende Gänse bei lebendigem Leibe gerupft.  Foto: „Vier Pfoten“


Der tierschutzpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Christian Meyer, forderte die Rückzahlung der EU-Agrarsubventionen, die an die Geflügelfarm geflossen sind. Die öffentlichen Gelder seien an die Einhaltung von Tierschutzauflagen gebunden, diese aber offenbar nicht eingehalten worden. Im vergangenen Jahr hatte der Zuchtbetrieb 153 687,02 Euro, verteilt auf mehrere Familienmitglieder, erhalten; davon entfielen 69 969,22 Euro auf Geschäftsführer Rudolf Schwerk.


Allein von der letztjährigen Zuweisung aus Brüssel könnte Schwerk im Falle einer Verurteilung die drohende Geldstrafe überweisen. „Die finanziellen Strafen für diese grausame Tierquälerei sind immer noch zu niedrig“, kritisiert Grünen-Experte Meyer, „nach dem Tierschutzgesetz droht für dieses Vorgehen maximal eine Geldstrafe von 50 000 Euro.“ Die Firma Schwerk verheimlicht bislang den Abnehmer ihrer qualvoll gerupften Daunen. „Vier Pfoten“ fragt sich: Aus welchem Grund? Sollen hier etwa Mitwisser und Hintermänner geschützt werden?

Quelle: kreiszeitung.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare