Doris Schröder-Köpf will nicht nur Ex-Kanzler-Gattin sein

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Doris Schröder-Köpf und ihr Ehemann.

Hannover - Von Ralf E. Krüger. Niedersachsens Landtagswahl hat ein bekanntes Gesicht. Dank ihres prominenten Ehemanns schafft Doris Schröder-Köpf es bundesweit bald häufiger in die Schlagzeilen als der SPD-Spitzenkandidat.

Doris Schröder-Köpf ist das Politgeschäft nicht fremd. Als ehemalige Journalistin kennt sie es als Beobachterin von außen, als Gattin des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD) auch aus der Innenperspektive. Dennoch ist sie seit Wochen als politische Newcomerin in den Straßen Hannovers unterwegs: Die 49-jährige SPD-Politikerin will ihre eigene Polit-Karriere starten und kandidiert bei der Wahl am 20. Januar für den niedersächsischen Landtag. 

Bundesweit dürfte sie bekannter sein als der SPD-Spitzenkandidat, Stephan Weil. „Das Interesse an meiner Person ist natürlich vor dem Hintergrund der Kanzler-Jahre einfach größer als es wahrscheinlich sonst der Fall wäre, das muss man sich ehrlicherweise schon eingestehen“, sagt sie - und seufzt. Der Promi-Bonus nervt sie. „Manchmal ist es sehr angenehm, manchmal aber auch unangenehm, wenn ich mit 40 Jahren politischer Tätigkeit meines Mannes konfrontiert werde - und auch ganz häufig mit Entscheidungen, die einigen Leuten nicht gefallen haben.“ Ihr persönlich liegt die Gleichberechtigung von Mann und Frau am Herzen, auch das Thema Integration, um das sie sich im Wahlkampf kümmern soll. Gelingt einer rot-grünen Koalition der Regierungswechsel in Hannover, würde Schröder-Köpf als Integrationsbeauftragte der SPD in Niedersachsens Landtag einziehen. Journalisten-Fragen kreisen jedoch meist um die Frage, wie denn ihr Mann zu Hause mit den beiden Kindern klarkommt. Sie mag das nicht, sagt sie - beantwortet Fragen zum Privatleben dann aber doch. Viel Zeit bleibt der zierlichen, blonden Frau dafür kaum noch - auch nicht für Zweisamkeit mit ihrem Ehemann, der zu Hause auf die Kinder aufpasst, den Hund ausführt oder einkaufen geht. Auch wenn sie sich die Büroräume mit seiner Kanzlei teilt: „Im Moment geben wir uns die Klinke in die Hand, ich hab nicht viel Zeit, ihm all das zu wiederholen, was bei mir tagsüber passiert - da bräuchte ich ja noch mal einen ganzen Tag“, stöhnt sie. 

Der Altkanzler sagt dazu: „Ich hatte keine Vorstellung davon, was an Leistungen erbracht werden muss, wenn Kinder im Haushalt sind.“ Ein Tag zu Hause sei anstrengender als einer im Büro, erzählte er der „Bild am Sonntag“. „Ich nähere mich dieser Erfahrung aber sehr dosiert.“ Angesprochen auf die neue Karriere seiner Frau sagt er: „Ich hoffe, ich schade ihr nicht.“ Die vielen Wahlkampf-Veranstaltungen, die Abendtermine, die Medienanfragen. Ob Doris Schröder-Köpf einen Beraterstab hat? „Schön wär's! Aber ich frage Menschen um Rat. Ich kenn mich natürlich nicht in allem und jedem aus, sondern versuche, in den Bereichen sattelfest zu sein, für die ich vorgesehen bin.“ Wenn sie spricht, verrät ihr rollendes „r“ die bayerische Heimat - „obwohl die Ostfriesen das ja auch tun!“, wie sie bemerkt. Der Süden hat sie geprägt, sagt sie - dort liegen ihre Wurzeln. Auch wenn sie bekennt: „Ich bin eine absolute Hannoveranerin. Mir hat's hier von Anfang an gut gefallen.“ Die Stadt sei „großzügig genug, Menschen egal welcher Herkunft aufzunehmen“. „Es ist eine Stadt, in der es möglich ist, teilzuhaben an allen Ereignissen, es gibt weniger soziale Spaltung als in anderen Städten, in denen ich gewohnt habe.“ Am toleranten Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Glaubensrichtungen sehe man das auch - ein Thema, das sie bei einem rot-grünen Wahlsieg als Landtagsabgeordnete noch zu vertiefen hofft. dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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